Public Clouds made in Germany

Public Clouds aus Deutschland

von - 07.07.2017
Zunächst ein Blick auf die Anbieter von Public-Cloud-Diensten, die sich an Amazon Web Services, Microsoft und Co. orientieren.
Open Telekom Cloud (OTC): Die Cloud-Plattform der Deutschen Telekom ist in Deutschland seit einem Jahr verfügbar. Die Rechenzentren in Biere bei Magdeburg und Frankfurt am Main, die von der Telekom-Tochter T-Systems gemanagt werden, nutzt auch Microsoft für seine Deutschland-Cloud-Services, etwa Office 365 und Azure. Angeboten werden bei OTC Cloud-Dienste für Infrastruktur (IaaS), Plattform (PaaS) und Software (SaaS).
Das Beratungshaus ISG/Experton Group attestiert OTC eine große Auswahl an unterstützten Plattformen und Ser­vices sowie Kostentransparenz. Hinzu kommen das hohe Sicherheitsniveau und der laut ISG „exzellente“ Kunden-Service. Im Bereich Rechenleistung hat der Nutzer beispielsweise die Wahl zwischen „Elastic Compute“-Diensten auf Basis virtueller Maschinen und einem Auto-Scaling-Angebot, das sich an wechselnde Lasten anpasst. Zudem sind dedizierte Hosts verfügbar, sprich separate Virtual Machines.
Uwe Scheuber
Director Business
Development Cloud &
Hybrid IT bei Fujitsu
Foto: Fujitsu
„Nutzer unserer K5-Cloud können vorgeben, wo ­Datenbestände gespeichert werden, etwa in Cloud-Rechenzentren in Deutschland.“
Ein weiterer Pluspunkt von OTC ist, dass das Angebot auf das Open-Source-Cloud-Framework OpenStack setzt. Dadurch entfällt die Bindung an herstellerspezifische Ansätze. Zudem erleichtert OpenStack die Migration von Workloads in die Open Telekom Cloud oder zu anderen Cloud-Plattformen.
Daniel Klemm, Senior Analyst bei Crisp Research, sieht bei OTC allerdings Nachholbedarf in puncto Services, die für Start-ups und Unternehmen wichtig sind, die native Cloud-Anwendungen entwickeln und nutzen. So fehle es an Diensten wie „Function as a Service“, die für Serverless Computing wichtig sind. Auch eine NoSQL-Datenbank und ein API-Gateway sind laut Klemm im Gegensatz zu AWS, IBM oder Microsoft Azure nicht verfügbar.
Fujitsu K5: Die Cloud-Plattform K5 hat Fujitsu hierzulande im Frühjahr dieses Jahres an den Start gebracht. Der deutsch-japanische Konzern unterhält in Deutschland zwei für die K5-Cloud reservierte Rechenzen­tren. „Nutzer unserer K5-Cloud können vorgeben, wo Datenbestände gespeichert werden, etwa ausschließlich in den Cloud-Rechenzentren in Deutschland“, betont Uwe Scheuber, Director Business Development Cloud & Hybrid IT bei Fujitsu. Ebenso wie die Telekom bietet Fujitsu K5 IaaS-, PaaS- und SaaS-Dienste an.
Investitionen Westeuropa in IaaS 2016
Quelle: IDC
Das Software-Angebot fristet allerdings bislang noch ein Schattendasein. Doch das ändere sich, so Uwe Scheuber: „K5 liefert bereits SaaS-Services, etwa Database as a Service. Der weitere Ausbau der Angebote auf Basis unserer K5-Plattform findet kontinuierlich statt – sei es direkt oder über Partner, die eigene Angebote auf Basis von K5 offerieren können.“ Die Partnerschaften, teilweise auch mit Spezialanbietern wie dem Telekommunikationsunternehmen Nfon, führt ISG/Experton Group als einen der Vorteile von Fujitsu an. Das Unternehmen stellt zudem branchenspezifische Cloud-Plattformen (Industry Clouds) zur Verfügung, etwa für die Industrie, den Handel oder die Finanzbranche.
Ebenso wie die Open Telekom Cloud nutzt Fujitsu K5 OpenStack: „Ein entscheidender Punkt ist die Offenheit, unter anderem durch den Einsatz von OpenStack: Kunden haben mit K5 keine Einschränkungen durch einen Vendor-Lock-in“, so Fujitsu-Manager Scheuber. Als weitere Besonderheit führt er die Bereitstellungsmodelle an. Neben den klassischen Public- und Virtual-Private-Hosted-Ansätzen bietet K5 die Möglichkeit eines dedizierten Modells in Rechenzen­tren von Fujitsu oder beim Kunden vor Ort. „Als Basis für alle Modelle kommt immer die gleiche Technologie zum Einsatz. Das ermöglicht eine Kombination verschiedener Cloud-Modelle“, so der Fujitsu-Fachmann.
Ob es sich bei Fujitsu um einen „deutschen“ Cloud-Anbieter handelt, ist jedoch strittig. Formalrechtlich hat die japanische Muttergesellschaft die Oberhoheit über die Aktivitäten der deutschen Tochter. Allerdings weisen die Datenschutzregeln in Japan ein mindestens ebenso hohes Niveau auf wie die in der EU. Anfang 2017 hat die japanische Regierung diese Vorgaben nochmals verschärft. Daher ist es für deutsche Unternehmen kein besonderes Risiko, die K5-Cloud zu nutzen. Eine größere Unsicherheit, so ISG/Experton Group, sei die Sprunghaftigkeit von Fujitsus Cloud-Strategie in den vergangenen Jahren.
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