Public Clouds made in Germany

Systemhäuser als Broker

von - 07.07.2017
Anwender, die vorzugsweise auf gemanagte Clouds aus deutschen Rechenzentren Wert legen, haben eine weitere Option: Sie können auf die Angebote von Systemhäusern und IT-Dienstleistern zurückgreifen. Sie alle verfügen über Rechenzentren in Deutschland und haben ihren Firmensitz in der Bundesrepublik. Als Beispiele dafür stellen wir Bechtle und Cancom/Pironet vor. Weitere Anbieter mit diesem Zuschnitt sind etwa die schon erwähnten Dienstleister QSC, Allgeier oder All for One Steeb
Michael Guschlbauer
Vorstand IT-Systemhaus & Managed Services
der Bechtle AG
Foto: Bechtle
„Aus zahlreichen Pro­jekten wissen wir, dass Cloud-Services einen ­erheblichen Wertbeitrag für die IT unserer Kunden liefern können.“
Bechtle:
Das Systemhaus Bechtle definiert sich als „Multi-Cloud-Provider“. Das heißt, Bechtle bietet eigene Cloud-Dienste an und bezieht auf Wunsch externe Cloud-Services in sein Angebot mit ein. Das sind Services von AWS oder Microsoft. „Aus zahlreichen Projekten wissen wir, dass Cloud-Services einen erheblichen Wertbeitrag für die IT unserer Kunden liefern können, sei es als dedizierte Lösung etwa für Entwicklungs- und Testaufgaben, sei es als Bestandteil hybrider IT-Architekturen. Hier knüpft die erweiterte Partnerschaft mit Microsoft an“, erklärt Michael Guschlbauer, Vorstand IT-Systemhaus & Managed Services bei Bechtle. Als Partner im Cloud-Solution-Provider-Programm von Microsoft übernimmt Bechtle nicht nur die Vermarktung von Cloud-Diensten des US-Unternehmens. Das Systemhaus tritt als Berater des Nutzers auf und ist außerdem für die Bereitstellung und den technischen Support der Microsoft-Cloud-Services zuständig. Nach dem gleichen Muster arbeitet Bechtle mit AWS zusammen. Für Anwender hat das den Vorteil, dass sie nur einen Ansprechpartner haben, der die Dienste aller Cloud-Service-Provider koordiniert. Das gilt auch für das Speichern und Bearbeiten von sensiblen Daten in einer Cloud. Wenn der Nutzer dies vorgibt, bleiben solche Informationen im Rechenzentrum des Systemhauses und wandern nicht in ein US-Cloud-Rechenzentrum eines Service-Providers.
Cancom/Pironet: Das Unternehmen Cancom/Pironet verfügt über zwei Rechenzen­tren in Deutschland. Darüber bietet Cancom/Pironet unter anderem Services anderer Anbieter wie Microsoft und SAP „as a Service“ an. Außerdem stellt der Provider digitale Arbeitsplätze (Workplaces) aus der Cloud zur Verfügung. Die Zielgruppe sind traditionell Mittelständler.
Matthias Zacher
Manager Research & Consulting bei IDC Deutschland
Foto: IDC
„In vielen Fällen ergibt sich ein Sammelsurium aus Public-, Dedicated- und Hosted-Private-Cloud-Services sowie ­hybriden Szenarien, die ­nebeneinander exis­tieren, ohne über­greifenden Ansatz.“
Gerade für mittelständische Unternehmen hat ein solches Modell eines „One-Stop Shops“ Vorteile. Denn: „Viele Unternehmen haben das Thema Cloud-Computing in den vergangenen Jahren opportunistisch vorangetrieben“, sagt Matthias Zacher, Manager Research & Consulting beim Beratungshaus IDC Deutschland. „Fachabteilungen entscheiden sich immer häufiger für SaaS-Lösungen und fordern nachträglich deren Integration in die Unternehmens-IT. Damit ergibt sich in vielen Fällen ein Sammelsurium aus Public-, Dedicated- und Hosted-Private-Cloud-Services sowie hybriden Szenarien, die nebeneinander und ohne übergreifenden Ansatz existieren.“
Kurzum: Das Risiko, dass in einem solchen „Sammelsurium“ Daten nicht entsprechend den Vorgaben der DSGVO in Cloud-Umgebungen gespeichert werden, steigt. Diese Einschätzung teilt Felix Höger, Vorstand Technologie und Operations, COO/CTO, beim deutschen IT-Haus und Cloud-Service-Provider QSC: „Die Nachfrage nach einfach konsumierbaren Public-Cloud- oder auch Software-as-a-Service-Angeboten hat in letzter Zeit rasant angezogen. Jedoch ist das Management der unterschiedlichen Cloud-Angebote ein mitunter komplexes Unterfangen.“ Ein neues Angebot von QSC sind daher Beratungsleistungen in puncto Multi-Cloud.
Felix Höger
Vorstand Technologie
und Operations, COO/CTO, bei QSC
Foto: QSC
„Die Nachfrage nach ­einfach konsumierbaren Public-Cloud- oder Software-as-a-Service-­Angeboten hat in letzter Zeit rasant angezogen. Das Management der ­unterschiedlichen Cloud-Angebote ist jedoch mitunter ein komplexes ­Unterfangen.“
Die Komplexität einer Multi-Cloud-Umgebung lässt sich reduzieren, wenn ein Profi mit ins Boot geholt wird, etwa ein IT-Haus mit Erfahrung auf dem Gebiet Cloud und Cloud-Service-Management. Die Kehrseite der Medaille: Der Nutzer muss für diesen Service bezahlen.
Dennoch geht der Trend eindeutig in Richtung Multi-Cloud. Der Einstieg erfolgt in vielen Fällen nach folgendem Muster: Hoch wichtige Daten, etwa Entwicklungsunterlagen und brisante Geschäftsdokumente, verwaltet ein Unternehmen in einer Private Cloud im hauseigenen Rechenzentrum. Weniger kritische Informationen, wie Standard-E-Mails und Office-Applikationen, werden aus einer oder aus Gründen der Redundanz besser aus zwei Public Clouds bezogen. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, bevorzugt dabei Provider mit Rechenzentren in Deutschland. Eine solche Hybrid Cloud, also eine Mischung aus Private- und Public-Cloud-Infrastruktur, erfreut sich laut IDC und KPMG gegenwärtig bei deutschen Unternehmen besonderer Beliebtheit.
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