Public Clouds made in Germany

US-Behörden haben keinen Zugriff auf Daten in deutscher Azure-Version

von - 07.07.2017
Microsoft-Cloud: Wer ein iPhone oder iPad besitzt, kennt die Herkunftsbezeichnung auf der Rückseite der Systeme: „Designed by Apple in California – Assembled in China“. Im übertragenen Sinn lässt sich das auch auf Microsofts Cloud-Plattform in Deutschland anwenden: Entwickelt werden die Angebote von Microsoft, also einem amerikanischen Anbieter. Die Bereitstellung der Dienste erfolgt allerdings über zwei Rechenzentren in Deutschland – nämlich die bereits erwähnten in Biere nahe Magdeburg und in Frankfurt am Main. Wichtiger ist jedoch, dass für die Verwaltung der Nutzer­daten und der Informationsbestände von deutschen Usern mit T-Systems ausschließlich ein Unternehmen mit Sitz in Deutschland zuständig ist.
Satya Nadella
CEO von Microsoft
Foto: Microsoft
„Kunden können weiterhin unsere (…) Cloud-Lösungen nutzen oder sich ­dafür entscheiden, ­unsere Services aus deutschen Rechenzentren zu beziehen und den Zugang zu ihren Daten durch einen deutschen Treuhänder kontrollieren zu lassen.“
„Kunden können weiterhin unsere öffentlichen, privaten und hybriden Cloud-Lösungen nutzen oder sich dafür entscheiden, unsere Services aus deutschen Rechenzentren zu beziehen und den Zugang zu ihren Daten durch einen deutschen Datentreuhänder kontrollieren zu lassen“, erklärte Microsofts CEO Satya Nadella im November 2015 in Berlin bei der Präsentation der Cloud-Strategie seines Hauses für Deutschland.
Der Schachzug von Microsoft, deutsche Versionen von Azure und Office 365 aufzusetzen, hat für deutsche Nutzer Vorteile. Denn sollten amerikanische Behörden den Zugriff auf Daten deutscher Kunden einfordern, kann sich Microsoft auf die Treuhänder-Vereinbarung mit T-Systems berufen und die Herausgabe von Daten verweigern.
So reichhaltig wie bei den internationalen Versionen ist die Palette der Services in Deutschland noch nicht. Microsoft ergänzt jedoch sukzessive die deutsche Version seines Cloud-Angebots. Als in Deutschland gehostete Versionen sind Office 365 und Azure verfügbar, seit dem 1. Juni 2017 außerdem Dynamics 365.
Anforderungen an Cloud-Anbieter
Cloud-Monitor 2017: Unternehmen aus Deutschland bevorzugen Service-Provider, die hierzulande Rechenzentren unterhalten und ihren Sitz in Deutschland haben.
(Quelle: KPMG (2017) (n=489) )
Die Kröte, die Nutzer der deutschen Microsoft-Cloud schlucken müssen, ist ein Aufpreis von rund 25 Prozent. So kostet die preisgünstigste Business-Version von Office 365 mit Outlook, Word, Excel, Powerpoint, One Note, Access und Publisher beispielsweise 11,00 Euro pro Nutzer und Monat. Die nicht in Deutschland gehostete Ausgabe kommt auf 8,80 Euro monatlich – allerdings im Jahresabonnement. Für 10,50 Euro monatlich bietet Microsoft Office 365 Business Premium an, inklusive Skype, SharePoint, Exchange und dem Social-Collaboration-Dienst Yammer. Aus der deutschen Cloud kostet diese Variante 13,20 Euro.
Der höhere Preis ist zum einen auf das Treuhändermodell zurückzuführen, sprich T-Systems möchte für seine Bemühungen entlohnt werden. Laut einem Systemhaus, das mit Microsoft zusammenarbeitet, spielen zudem die hohen Strompreise in Deutschland eine Rolle. Sie verteuern den Betrieb der Rechenzentren.
1&1: Als „Rising Star“ unter den Anbietern von IaaS- und SaaS-Cloud-Diensten stufte ISG/Experton Group 2016 1&1 ein. Das Unternehmen mit Sitz in Deutschland fokussiert sich derzeit auf die Bereitstellung von Servern via Cloud, also auf IaaS-Dienste. Nutzer haben die Wahl zwischen eigenen („dedicated“) Systemen, virtuellen Servern, die dem Nutzer exklusiv zur Verfügung stehen („Virtual Server Cloud“) und Cloud-Servern, die sich mehrere User teilen. Ein von 1&1 gehosteter und verwalteter Cloud-Server unter Ubuntu 16.04 ist ab 9,99 Euro monatlich verfügbar, ein System mit Windows Server 2012 kostet 5 Euro mehr.
Eine Besonderheit ist, dass der Nutzer dank einer minutengenauen Abrechnung der gewählten Konfiguration nur für die Ressourcen bezahlt, die er tatsächlich nutzt. Die virtuellen Maschinen lassen sich zudem im laufenden Betrieb ohne Abschaltung erweitern. Ohne Zusatzkosten können User darüber hinaus festlegen, in welchem Rechenzentrum ihre virtuellen Server vorgehalten werden. Neben Datacentern in Deutschland steht auch ein Cloud-Rechenzentrum in den USA zur Auswahl.
Ein weiterer Pluspunkt des 1&1-Cloud-Angebots ist das Baukasten-Prinzip. Es ermöglicht beispielsweise, bei Bedarf zu einem Server-Cluster weitere Systeme hinzuzufügen und diese wieder herunterzufahren, wenn die Rechenleistung nicht mehr benötigt wird. Die Analysten von ISG/Experton Group loben zudem die gut dokumentierte Programmierschnittstelle, über die sich weitere Cloud-Dienste und Microservices andocken lassen.
Speziell für kleine und mittelständische Unternehmen hilfreich ist das Cloud-App-Center von 1&1. Dort finden sich mehr als 100 Applikationen, meist auf Open-Source-Basis. Dazu zählen etwa Content-Management-Lösungen, Datenbanken, E-Mail-Tools, Groupware-Programme und einige Anwendungs-Server.
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