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Daten-Tuning für neue Geschäftsmodelle

Im Gespräch mit Franz Kögl von der IntraFind Software AG

von - 07.09.2018
Franz Kögl
Franz Kögl: Gründer und Vorstand der IntraFind Software AG
(Quelle: IntraFind )
Es reicht nicht aus, Informationen zu erfassen und zu digitalisieren. Vielmehr kommt es da­rauf an, dem Nutzer exakt diejenigen Daten an die Hand zu geben, die er benötigt. Dies leisten Content-Search-Anwendungen. Sie sind unverzichtbar, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, so Franz Kögl, Gründer und Vorstand der IntraFind Software AG, die Lösungen für das Durchsuchen und die Analyse von Datenbeständen entwickelt.
com! professional: Herr Kögl, welche Rolle spielt derzeit Content Search?
Franz Kögl: Content Search ist in meinen Augen eine zentrale IT-Infrastruktur-Komponente. Sie hat sich in den letzten Jahren zum absoluten Must-have entwickelt, das in geschäftskritischen Prozessen eine immer zentralere Rolle einnimmt. Kein IT-Leiter sollte das Einsparpotenzial dieser Technologie unterschätzen. Sie liefert eben nicht nur ein Sucheingabefeld mit Trefferliste, sondern mit ihr lässt sich eine große Zahl an Business-Cases umsetzen.
com! professional: Welchen Nutzen haben Suchfunktionen, die in Applikationen wie Microsoft Exchange oder CRM-Systemen integriert sind?
Kögl: Die applikationseigenen Suchfunktionen werden von den Software-Herstellern oft stiefmütterlich behandelt. Es werden Open-Source-Lösungen integriert, die nichts kosten, aber dafür auch nur das Niveau einer Volltextsuche bieten – und das oft nicht durchdacht und mit schlechter Usability.
com! professional: Hat Enterprise Content Management aus­gedient und wird es durch Content Services abgelöst – in Verbindung mit Content-Search-Funktionen?
Kögl: Man könnte Suche als natürlichen Gegner von Enterprise Content Management verstehen, da sie den Ansatz „Search, not Sort“ widerspiegelt. Ich sehe aber beides als komplementäre Ergänzung. Wir als Anbieter werden keine umfassenden ECM-Funktionalitäten in unser Cognitive-Search-Produkt einbauen. Suche ist kein Content Management – und umgekehrt. Wir integrieren unsere umfassende Suche beispielsweise in eine ECM-Oberfläche und ermöglichen es damit nicht nur, ECM-Daten vernetzt zu finden, sondern beispielsweise auch E-Mails oder Dokumente in einem File-System, einem Wiki oder einem System für das Product Lifecycle Management.
com! professional: IntraFind bietet auch Content-Analyse-Lösungen an, bei denen Künstliche Intelligenz (KI) zum Zuge kommt …
Kögl: Content-Analyse, oder auch Text-Analyse oder Text-Mining, lässt sich durch KI-basierte Verfahren einfach und sinnvoll erweitern. Das Spektrum an Use-Cases, das durch Content-Analyse abgedeckt werden kann, wächst dadurch dramatisch an.
com! professional: Wo wird KI-gestützte Content-Analyse eingesetzt?
Kögl: Die Einsatzfelder von KI-gestützter Content-Analyse sind vielfältig: Durch Natural Language Processing ermöglicht sie es, Informationen mit smarten Assistenten proaktiv an den User zu liefern, und erlaubt neue Interfaces und neue Arten der Informationsnutzung. Weitere Einsatzfelder sind die teilautomatisierte Verarbeitung von Ausschreibungen, die intelligente Vertragsanalyse, die Klassifika­tion, also beispielsweise die Sortierung des digitalen Posteingangs, und natürlich Chatbots. Semantische Firewalls, die im Hintergrund prüfen, ob geheimhaltungsrelevante Informationen die Firma verlassen, werden durch KI viel besser. Dasselbe gilt für Technologie-Scouting- und Web-Intelligence-Lösungen.
com! professional: Wie hoch ist die Akzeptanz von KI-gestützter Content-Analyse?
Kögl: Unsere Kunden haben keinerlei Berührungsängste mit KI-gestützter Content-Analyse. Wir entwickeln schon seit über zehn Jahren KI-Verfahren und nutzen sie in unseren Produkten. Dabei ist es uns wichtig, seriös und faktenorientiert mit dem Thema KI umzugehen. Nur so werden realistische Erwartungen geschaffen, die sich dann auch wirklich erfüllen lassen.
com! professional: Welche Branchen können davon profitieren?
Kögl: Die prädestinierte Zielgruppe für KI-gestützte Content-Analyse sind Anwaltskanzleien, da sich bereits heute 15 bis 20 Prozent der anwaltlichen Arbeit durch intelligente Vertragsanalyse automatisieren lassen. Dieser Wert wird aber noch deutlich nach oben gehen, wodurch KI-gestützte Content-Analyse ein „disruptives“ Potenzial für die Digitalisierung der Rechtsbranche hat.
Ihr Nutzen ist aber grundsätzlich branchenübergreifend. Gutes Suchen und Finden, das Erzeugen von Meta-Daten, die Vernetzung von Informationen sowie die bessere Wissensaufbereitung und Entscheidungsfindung sind überall essenziell.
Immerhin gibt es in den meisten Anwendungen mittlerweile einfache Volltextsuchen. Man findet aber auch immer noch SQL-basierte Suchfunktionen, die den Benutzer mehr frustrieren als unterstützen weil sie sich besser vernetzen lassen, exakter arbeiten und damit für den Benutzer relevanter werden.
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