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Software mit Low-Code-Plattform erstellen

Daniel Terwersche von Crisp Research im Interview

von - 21.02.2018
Daniel Terwersche ist Senior Analyst beim IT-Research- und Beratungsunternehmen Crisp Research. Im Interview beschreibt er die Vorteile und Grenzen von Low Code.
com! professional: Herr Terwersche, Low-Code-Development nimmt an Fahrt auf. Wie definieren Sie diesen Trend der Software-Entwicklung?
Daniel Terwersche: Low Code ist grundsätzlich ein Modebegriff, den 2014 die Analysten von Forrester ins Leben gerufen haben. Das Prinzip existiert bereits seit den 1990er-Jahren. Ziel ist die einfachere und
Daniel Terwersche
Daniel Terwersche: Senior Analyst bei Crisp Research
schnellere Entwicklung von Anwendungen ohne viel händische Code-Programmierung. Man baut Software und entwickelt sie nicht mehr zwingend mit Code. Low Code führt im Prinzip vorgefertigte Logik-Elemente zusammen und koordiniert sie. Der Begriff Low Code ist vielschichtig.
com! professional: Inwiefern?
Terwersche: Das Buzzword umfasst viele verschiedene An­bieter, die unterschiedliche Ansätze verfolgen. Die Lösungen sind schwer zu vergleichen, das ist wie Äpfel mit Birnen. Einige Beispiele: Progress Software und Oracle kommen von den Datenbanken, Salesforce setzt auf die Anbindung von Vertriebs- und Marketing-Daten. Doch alle gemeinsam bieten mit ihren Low-Code-Lösungen Vorteile für Unternehmen.
com! professional: Wie profitieren Firmen von Low Code?
Terwersche: Low Code verändert grundsätzlich die Arbeits­weise in Unternehmen. Teams werden interdisziplinär, IT und Business wachsen zusammen, da die Entwickler mehr in die Prozesse einbezogen werden und damit die Modellierer und Umsetzer von Prozessen kooperieren. Alle sprechen die gleiche Sprache und verstehen, was gerade passiert.
com! professional: Welche weiteren Vorteile bietet Low Code neben der engeren Verzahnung von IT und Business?
Terwersche: Durch Low Code erhalten wir eine Unified User Experience, sprich die modellierten Prozesse und Anwendungen laufen auf allen Geräten gleich ab beziehungsweise bieten das gleiche Erscheinungsbild. Der größte Vorteil ist wohl die Geschwindigkeit, da Anwendungen schnell konfiguriert und einsatzbereit sind, weil sich der Anwender nicht groß um Authentifizierung, Security oder die Gestaltung von Oberflächen zu kümmern braucht.
com! professional: Viele Marktbeobachter sehen Low Code auch als Mittel, um den Fachkräftemangel in der IT abzumildern.
Terwersche: Das sehe ich auch so. Mit Low Code ist das Entwickeln nicht mehr elitär. Wir müssen grundsätzlich zwischen der Kernentwicklung und der Modellierung von Anwendungen und Prozessen differenzieren. Firmen brauchen die Option, dass IT-affine Leute aus den Fachabteilungen Prozesse modellieren und anpassen sowie Anwendungen bauen können.
com! professional: Welche Einsatzszenarien sehen Sie für Low Code?
Terwersche: Low Code eignet sich vor allem für die Optimierung der internen Infrastruktur und Prozesse. Der Trend geht dazu, auch die Lieferanten und Kunden miteinzubeziehen und damit die Prozesse in der Lieferkette zu verbessern.
com! professional: Das klingt alles sehr gut. Doch wo liegen die Grenzen von Low Code?
Terwersche: Low Code eignet sich nicht für Firmen mit einem digitalen Geschäftsmodell und zentralen, individuellen Anwendungen. Low-Code-Anwendungen sind nur erfolgreich, wenn sie eine einzigartige, neue Idee umsetzen, die Mehrwert schafft. Sie sind nicht neuartig, sondern setzen sich aus bereits bestehenden Bausteinen zusammen.
com! professional: Und wohin geht die Reise bei Low-Code-Plattformen?
Terwersche: Ich denke, dass künftig jedes vernünftige Software-Unternehmen alle Möglichkeiten nutzen wird, damit Fachanwender möglichst viele Anwendungen oder Komponenten selbst modellieren können. Der Markt für Low Code wird wachsen,  Low Code wird auch das Erstellen von individuellen Anwendungen grundlegend verändern. Warum? Der Low-Code-Ansatz orientiert sich stärker am Nutzer statt an Technologien. Das heißt, neue Entwicklungen werden aus der Perspektive des Nutzers oder Bestellers getrieben. So entsteht ein größtmög­licher Nutzerkreis.
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