Fintechs revolutionieren das Finanzwesen

Der Fintech-Boom

von - 17.10.2018
DB Research zufolge stieg die Zahl der Fintech-Firmen in den vergangenen zehn Jahren jährlich um etwa 33 Prozent, obwohl viele dieser Start-ups auch schon wieder Geschichte sind. So meldeten etwa im August 2018 binnen einer Woche die beiden P2P-Zahlungsanbieter Lendstar und Cringle Insolvenz an. Mit den Apps dieser Firmen lassen sich Geldbeträge an Freunde oder die Familie verschicken.
Digitaler Makler: Clark verspricht Kunden, dass sie über seine Plattform alles in puncto Versicherungen erledigen können.
„Die Geschäftsmodelle vieler kleinerer Fintechs funktionieren nicht. Ich denke, der Markt wird sich künftig weiter konsolidieren, sei es durch Börsengänge, große Investitionen und Zusammenschlüsse. Hier wird sich dann wahrscheinlich die Spreu vom Weizen trennen. Das schafft aber auch Raum für echte Innovationen, von denen am Ende alle profitieren“, erklärt Miriam Wohlfarth. 
Denn der Markt für Fintechs boomt – hierzulande und weltweit. Ein Indikator dafür sind die Investments. Laut KPMG flossen im ersten Halbjahr 2018 57,9 Milliarden Dollar in Fintechs. Damit wurde bereits die Summe des gesamten vergangenen Jahres (38,1 Milliarden Dollar) übertroffen.
Von der Attraktivität der Szene profitieren auch deutsche Fintechs. Das Berliner Start-up Demico sammelte 12 Millionen Euro ein, der Kreditvermittler Smava erhielt 54 Millionen Euro, bei der Smartphone-Bank N26, dem wohl heißesten deutschen Fintech, waren es sogar 130 Millionen Euro, auch von internationalen Investoren. Insgesamt sammelten die deutschen Fintechs im ersten Halbjahr 376 Millionen Euro an Risikokapital ein. Das geht aus einer Auswertung der Strategieberatung LSP Digital hervor, die Statista veröffentlicht hat. Damit liegen sie hinter den Start-ups der Automobilbranche (564 Millionen Euro) auf dem zweiten Platz, noch vor den Firmen aus dem Gesundheitswesen (305 Millionen Euro).

Trend zur Plattformbank

Neben der Anziehungskraft für Geldgeber sieht Miriam Wohlfarth auch bei den Fintechs den Trend zu Plattformökonomie: „Die Bank der Zukunft bietet ein digitales finanzielles Zuhause als zentrale Anlaufstelle für Finanzgeschäfte aller Art mit einfachen Prozessen. Auch Wirecard könnte sich mit seiner Banklizenz dazu entwickeln.“
Peter Kleinschmidt
Partner bei PwC Deutschland
Foto: PwC
„Im internationalen Vergleich haben es die deutschen Fintech-Unternehmen
immer noch schwer. In Großbritannien zum Beispiel gibt es deutlich mehr steuerliche Vergünstigungen für Fintechs.“
Für die Blockchain erwartet Wohlfahrt zwar eine Rolle als zentrale Technologie, aber eher im Hintergrund, „wenn digitales Geld von A nach B fließt“. Ein weiterer Trend ist für sie die Datenanalyse mit Künstlicher Intelligenz. Die sei bereits jetzt in vielen Anwendungsfällen in der ganzen Wertschöpfungskette der Finanzbranche im Einsatz, vom Ermitteln des Anlagetyps per Robo Advisor über automatisierte Kreditentscheidungen bis hin zum Kundenservice, so Wohlfarth. „Einige Banken setzen KI schon in den Bereichen Compliance und Risiko sehr erfolgreich ein. Wo sich bislang noch unzählige Mitarbeiter abmühen, kann KI in Echtzeit und über alle Geschäftsbereiche hinweg komplexe Regeln entwickeln und anwenden.“

Gute Voraussetzungen

Identity as a Service: Das Fintech IDnow hat sich auf sichere Identifizierungsmethoden spezialisiert.
Insgesamt haben sich die Rahmenbedingungen für Fintechs positiv entwickelt. „Wir sehen viele sehr aktive Venture-Capital-Gesellschaften, Banken, Versicherungen und Asset- Manager – alles potenzielle Finanziers junger Start-ups. Auch die öffentliche Hand ist über die Förderbanken oder Projekte wie das Tech-Quartier in Frankfurt sehr engagiert“, konstatiert PwC-Mann Peter Kleinschmidt. „Im internationalen Vergleich haben es die deutschen Fintech-Unternehmen aber immer noch schwer. In Großbritannien etwa gibt es deutlich mehr steuerliche Vergünstigungen für Fintechs. Man muss fairerweise sagen, dass die regulatorischen Gegebenheiten in Deutschland im internationalen Vergleich komplex und eher streng sind.“
Miriam Wohlfarth sieht das positiv: „Grundsätzlich halte ich mehr Aufsicht und Regulierung in unserer Branche für gut, da sich damit das Vertrauen bei den Endkunden erhöht. Die BaFin, der deutsche Fintech-Wächter, hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt, fördert Innovationen und berät die Unternehmen.“ Die Zeit sei günstig, um mit guten Ideen Erfolg zu haben. Klassischen Banken rät sie, zu Fintechs zu werden und Finanzen und Technologie zu vereinen. „Sie müssen Daten auswerten, um die Bedürfnisse ihrer Kunden zu kennen und die richtigen Produkte und Angebote zuschneiden zu können.“
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