Vendor-Lock-in beim Cloud-Computing vermeiden

Vendor-Lock-in reduzieren

von - 05.03.2018
Um das Risiko eines Vendor-Lock-ins zu minimieren, sollten Unternehmen schon bei der Wahl eines Providers, einer Cloud-Applikation oder beim Design einer eigenen Cloud-Anwendung auf Portabilität achten. „Bei Applikationen, die klar die Kernstrategie des Unternehmens betreffen, sollten die Unternehmen versuchen, einen Microservices-Ansatz zu wählen und nur wenig native Funktionen einer Plattform nutzen – damit ist die größtmögliche Flexibilität gewährleistet“, rät Rackspace-Director Alexander Sommer. „Unternehmen sollten im besten Fall mit einem technologieunabhängigen Provider zusammenarbeiten“, ergänzt Frank Strecker von der Telekom.
Frank Strecker
Frank Strecker
SVP Cloud Partner Products & Ecosystems bei T-Systems
Foto: Deutsche Telekom
„Unternehmen sollten (…) mit einem Provider ­zusammenarbeiten, der technologie­-unab­hängig ist.“
Standardisierte Schnittstellen und Datenformate erleichtern eine Migration erheblich. Auch eigene Applikationen sollten möglichst auf Standard-APIs basieren. „Ich würde alle infrage kommenden Workloads auf mehreren Public-Cloud-Plattformen testen, um den Aufwand für Betrieb, Migration oder Bewegung von Daten und Workloads besser einschätzen zu können“, rät Nutanix-CTO Pleier.
Microsoft-Manager Schidler plädiert für eine ganzheitliche Betrachtung des Cloud-Computings über die technische Sicht hinaus. Auch Prozesskomponenten seien zu berücksichtigen: „Wie soll etwa das Kostenmanagement verschiedener Cloud-Anbieter erfolgen? Wie kann ich Sicherheits- und Managementvorgaben über die Grenzen eines einzelnen Cloud-Anbieters hinweg umsetzen?“

Fazit und Ausblick

„Einen gewissen Grad an Vendor-Lock-in wird es immer geben“, erklärt Rackspace-Director Sommer. Kunden, die das volle Potenzial einer Cloud ausschöpfen wollen, bleibt nichts anderes übrig, als sich darauf einzulassen. Das Innovations­tempo bei AWS, Azure, Google & Co. ist extrem hoch, ständig kommen neue Services und Funktionen hinzu, die zwangsläufig zunächst einmal proprietär sind. „Es liegt in der Natur der Unternehmen, Produkte zu gestalten, die sich nirgendwo sonst finden“, weiß auch Manfred Kessler von Global Access Internet Services, „und immer wenn ich solche Produkte nutze, habe ich auch einen Vendor-Lock-in.“
Clouds sind zudem so unterschiedlich, vielfältig und komplex, dass sich nur mit vertieftem Wissen über ihre Architektur das Maximum herausholen lässt. Unternehmen müssen deshalb Experten ausbilden oder einstellen – eine Investi­tion, die durch einen Provider-Wechsel verloren wäre.
Bei aller Skepsis sollte man außerdem nicht vergessen, dass der Vendor-Lock-in auch im eigenen Rechenzentrum seit vielen Jahren Realität ist. Trotz aller Standardisierungsbemühungen haben es Hard- und Software-Hersteller immer verstanden, ihre Produkte einzigartig zu gestalten und so den Wechsel zu erschweren. Hinzu kommen langjährige Lizenz- und Wartungsverträge, gegenüber denen der Vendor-Lock-in in der Cloud geradezu harmlos erscheint. Dennoch sollten Unternehmen das Thema Vendor-Lock-in bei jeder strategischen Entscheidung für eine oder mehrere Clouds im Auge behalten, das Risiko realistisch abschätzen und minimieren, indem sie auf Standards und Open Source setzen, Software in Containern betreiben oder Applikationen als Microservices entwickeln.
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