Vendor-Lock-in beim Cloud-Computing vermeiden

Standards statt Vendor-Lock-in

von - 05.03.2018
Viele Gremien, Standardisierungsorganisationen und Verbände sind angetreten, Standards und Spezifikationen zu entwickeln, die eine Migration zwischen Providern sowie den parallelen Betrieb mehrerer Cloud-Plattformen erleichtern sollen. „Offene Standards haben die Integration von Multi-Vendor-Cloud-Lösungen deutlich vereinfacht“, sagt Patrick Schidler von Microsoft.
Azure Container Service
Azure Container Service: Solche Dienste sollen die Integration von Open-Source-Lösungen in Cloud-Umgebungen erleichtern.
Nicht alle Spezifikationen werden allerdings auch erfolgreich eingesetzt. So führen etwa die von der Organization for the Advancement of Structured Information Standards (OASIS) entwickelten Standards TOSCA und CAMP laut den Experten noch ein Schattendasein.
„In der Theorie können solche Standards helfen, jedoch sehen wir es in der Praxis nicht“, beobachtet Alexander Sommer von Rackspace. Das größte Problem an Standards sei ihre lange Entwicklungsphase, meint AWS-Architect Gonzalez: „Nach meiner Erfahrung dauert es immer sehr lange, bis sich die Gremien auf eine gemeinsame Basis einigen können.“ Standards würden zudem immer nur den kleinsten gemeinsamen Nenner beschreiben. „Je mehr Cloud-Provider sie einbinden wollen, desto kleiner wird die Schnittmenge der Funktionen, die standardisiert werden kann.“
Alex Sommer
Alexander Sommer
Director Practice Leader ­Private Cloud bei Rackspace
Foto: Rackspace
„Das Thema Vendor-­Lock-in hat in der letzten Zeit wieder an Bedeutung gewonnen.“
Ein probates Mittel gegen Vendor-Lock-in ist der Einsatz quelloffener, plattformunabhängiger Dienste und Applikationen. „Es gibt keine erfolgreiche Cloud-Plattform, die nicht zu einem großen Teil Open-Source-Lösungen integriert hat“, erklärt Global-Access-Chef Kessler. Einige der Initiativen haben es sich zum Ziel gesetzt, komplette Cloud-Bereitstellungsmodelle auf Open-Source-Basis zu definieren, so etwa die Cloud Foundry Foundation für Platform as a Service (PaaS) oder das OpenStack-Projekt für Infrastructure as a Service (IaaS). „OpenStack hilft dem Kunden, eine gewisse Plattformunabhängigkeit zu gewinnen, was viele Unternehmen schätzen und was oft die Entscheidung für eine Cloud-Plattform erleichtert“, erklärt Rackspace-Director Sommer.
Im Public-Cloud-Umfeld gibt es allerdings nur noch wenige Anbieter, die auf OpenStack setzen. „Die meisten Public-Cloud-Angebote auf OpenStack-Basis wurden wieder eingestellt“, sagt Crisp-Analyst Carlo Velten im Interview mit com! professional (siehe Seite 42). Prominenteste Ausnahme ist die Deutsche Telekom, die in Zusammenarbeit mit Huawei die Open Telekom Cloud (OTC), eine Public-Cloud-Plattform auf OpenStack-Basis anbietet. „Das in der Open Telekom Cloud eingesetzte OpenStack wird praktisch von allen Hardware-Lieferanten unterstützt. Insofern glauben wir, dass Kunden hier keine technologische Sackgasse droht“, meint T-Systems-Vice-President Strecker.
Constantin Gonzalez
Constantin Gonzalez
Principal Solutions
Architect bei AWS
Foto: blende 11 Fotografen
„Vendor-Lock-in ist in ­unseren Kundenge­sprächen ganz selten ein Thema.“
Ein sehr erfolgreiches Open-Source-Projekt ist das Container-Management-System Kubernetes. „Das Produkt ist für ein Open-Source-Projekt sehr schnell sehr reif geworden“, sagt Rackspace-Director Sommer. AWS hat auf seiner Konferenz re:invent Ende 2017 einen EC2-Container-Service für Kubernetes (EKS) angekündigt. „Viele unserer Kunden verwenden bereits Kubernetes“, sagt Constantin Gonzalez.
Auch Microsoft baut die Kubernetes-Unterstützung auf seiner Cloud-Plattform Azure stetig aus. Im Oktober 2017 hat es den Azure Container Services (AKS) angekündigt, der aktuell in einer Public Preview verfügbar ist. Der Dienst erlaubt den Aufbau voll gemanagter Kubernetes-Cluster und soll Orchestrierung und Monitoring erheblich vereinfachen.
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