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API-Management als zentraler Erfolgsfaktor

Im Gespräch mit Matthias Biehl, Advisor bei API-University.com

von - 29.04.2019
Matthias Biehl
Matthias Biehl: Advisor bei API-University.com
(Quelle: Remy Steiner )
Warum sollten Unternehmen überhaupt APIs einsetzen? Wie sieht eine gute API-Strategie aus? Matthias Biehl, Advisor bei API-University.com, kennt die Antworten auf diese Fragen.
com! professional: Sie sind Advisor bei der API-University. Was ist das für ein Institut?
Matthias Biehl: Ich arbeite oft mit Firmen zusammen, die APIs nutzen wollen, um in ihrer Digitalisierungsstrategie den nächsten Schritt zu machen. Dabei hat sich herausgestellt, dass viele vor denselben Fragen stehen: Wofür brauche ich überhaupt APIs? Wie designe ich APIs? Solche Themen behandele ich in meinen Büchern und Kursen an der API-University.
com! professional: Wozu also braucht es APIs?
Biehl: Sie sind ein essenzieller Teil der Erfolgsstrategie großer Digitalunternehmen wie Amazon, Google oder Facebook. Damit lassen sich nicht nur intern Ressourcen effizienter vernetzen und schneller neue Produkte generieren, man kann auch Services externen Partnern zur Verfügung stellen und so zusätzlichen Traffic auf die eigenen Angebote bringen. Amazon hätte sich ohne APIs nie vom Online-Buchhändler zum weltweit führenden Anbieter von Public-Cloud-Diensten entwickelt.
com! professional: Heißt das, eine erfolgreiche digitale Transformation ist ohne APIs nicht möglich?
Biehl: Man kann ohne APIs viele Möglichkeiten der Integration und Vernetzung nicht effizient nutzen und gerät dann ins Hintertreffen. Erfolgreiche APIs haben nämlich einen Multiplikatoreffekt: Wenn ich mit einer API hundert Apps von Dritten anschließen kann, von denen jede nur hundert neue Kunden bringt, hat mir die Investition in eine einzige API effektiv 10.000 neue Kunden eingebracht. Ohne APIs wird es schwierig, mit den Digitalunternehmen mitzuhalten, die auf ihren Plattformen diesen Multiplikatoreffekt der APIs ausspielen. Immer mehr Unternehmen lassen sich deshalb vom Vorbild der Digitalunternehmen inspirieren und starten ein API-Programm.
com! professional: Viele Firmen nutzen noch traditionelle monolithische Software. Wie können sie eine API-Strategie verfolgen?
Biehl: Zum einen geht es um den technischen Umbau und die Weiterentwicklung der bestehenden Infrastruktur. Das ist die IT-Perspektive. Zum anderen sollten Unternehmen aber auch überlegen, welche neuen Geschäftsmodelle sich aus einer API-basierten Architektur ergeben und wie sich vorhandene Daten besser nutzen und vernetzen lassen.
com! professional: Welche Rolle spielt dabei ein API-Management?
Biehl: Das ist eine Art Governance, um Schnittstellen kontrolliert zu entwickeln und ein zukunftsfähiges Portfolio aufzubauen. Bei ein paar wenigen APIs mag die Verwaltung noch einfach sein, bei Hunderten oder gar Tausenden ist ein Management aber zwingend notwendig, um die Sicherheit der Schnittstellen garantieren und eine konsistente Weiterentwicklung sicherstellen zu können. Wenn APIs auch Dritten zur Verfügung stehen, benötige ich außerdem eine einheitliche Gestaltung, eine vernünftige Dokumentation und eine nachvollziehbare Versionierung.
com! professional: Was sind die Kriterien für die Auswahl einer API-Management-Lösung?
Biehl: Zunächst einmal muss sich ein Unternehmen klar darüber sein, was es mit seinem API-Programm überhaupt erreichen möchte. Geht es nur um eine interne Restrukturierung der Anwendungen? Sollen APIs von außen erreichbar sein, etwa für eigene mobile Applikationen, oder sollen sie auch Dritten zur Verfügung gestellt werden? Das hat zum Beispiel erhebliche Auswirkungen auf die Sicherheitsanforderungen, die ein API-Management erfüllen muss. Es gibt Lösungen, die sich auf API-Security spezialisiert haben. Andere bieten besonders viel Komfort zur Publikation von APIs auf einem Portal. Wieder andere sind darauf fokussiert, Legacy-Systeme anzuschließen, und bieten vorgefertigte Konnektoren für Message Queue oder SOAP. Es gibt teure und schwergewichtige Lösungen, die viele Funktionen bieten, aber auch schwer zu bedienen sind, und Open-Source-Angebote mit geringerem Leistungsumfang, die sich vor allem für Start-ups und Greenfield-Ansätze eignen.
com! professional: Worauf sollten Unternehmen bei der Implementierung einer API-Management-Lösung besonders achten?
Biehl: Es ist sehr sinnvoll, das API-Management von Anfang an richtig und strukturiert aufzusetzen, insbesondere wenn die APIs nach außen publiziert werden sollen. Häufig gehen Unternehmen recht hemdsärmelig mit dem Thema um, es wird ein bisschen getestet und herumexperimentiert. Sobald aber externe Anwender die APIs nutzen, ist man nicht mehr so flexibel und das Management läuft schnell aus dem Ruder. Auch Anforderungen an den Leistungsumfang müssen klar sein. Soll das API-Gateway als Integrationslösung dienen, auf der mehrere Ser­vices orchestriert werden? Soll es den Enterprise Service Bus ersetzen oder ergänzen? Die Antworten auf diese Fragen müssen von Anfang an klar sein, denn solche Grundsatzentscheidungen lassen sich später nur sehr schwer revidieren.
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