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So sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus

VR und AR im Alltag

von - 26.05.2017
com! professional: Heißt das, um zu vermeiden, dass zu viele auf der Strecke bleiben, muss zukünftig auch in Schulen vermehrt auf digitale Inhalte gesetzt werden?
Reuter: Absolut! Aber auch das dauert noch. Ich bin regelmäßig im Deutschen Bundestag unterwegs und da gibt es eine „Experten-Fraktion“, die zu mir sagt, das sei doch alles der größte Unfug, was ich da erzähle und berichte. Fachkräftemangel gibt es doch gar nicht. Weder in der IT, noch im Ingenieurwesen. Wie wir ja wissen, gibt es aktuell circa 100.000 offene Stellen in diesen beiden Bereichen. Die denken halt, das kann ja nicht sein, wenn wir fast 2 Mio. Arbeitslose haben. Da müssen wir halt einfach umschulen, dann hat auch jeder Arbeit. Aber das ist halt nicht mehr die Realität von heute. Einem Langzeitarbeitslosen aus dem gewerblichen Bereich mit Hauptschulabschluss kriegen Sie nicht auf einen digitalisierten Arbeitsplatz. Auch nicht mit Datenbrille. Die hilft nur, wenn man ohnehin schon eine gewisse Affinität zur digitalen Welt hat. Dann ist sie allerdings recht nützlich.
Nehmen wir zum Beispiel einen Mitarbeiter in der Industrie. Auch dort arbeitet man inzwischen mit derart komplexen Systemen und Techniken, dass das mit einer Old-School-Ausbildung eigentlich nicht mehr abzudecken ist. Da bietet es sich zum Beispiel an, eine VR oder AR Brille einzusetzen. Die Idee dahinter ist, dass dem Mitarbeiter über die Brille genau angezeigt wird, wie die kommenden Arbeitsschritte zu bewerkstelligen sind und was er zu tun hat. Er wird also sozusagen Schritt für Schritt hindurch geleitet. So kann er etwa hochkomplexe Arbeiten verrichten ohne jemals klassisch gelernt zu haben, wie das funktioniert. Teilweise ist eine Schulung in diesem Bereich auch fast unmöglich.
Ein Elektriker zum Beispiel muss heute dermaßen viele Bereiche abdecken, das übersteigt fast schon das Maß dessen, was menschenmöglich ist. Außerdem schreitet die Entwicklung hier ja auch total schnell voran. Es ist Wahnsinn, was diese Menschen leisten müssen, um hier up to date zu bleiben. Eine Datenbrille kann hier eine enorme Erleichterung bringen. Solche Brillen werden aber auch Teil des Arbeitsplatzes der Zukunft im Büro. Stellen Sie sich eine Meeting-Situation vor. Ihr Kollege nennt einen Fachbegriff, den Sie noch nie gehört haben. Ehe Sie peinlich nachfragen müssen, was das Wort heißt, lassen Sie sich die Erklärung in der Brille anzeigen und keiner bekommt das sonst mit.
Etengo-Symposium "Digital Workplace" in Sinsheim
Das Symposium "Digital Workplace" der Etengo Gruppe fand am 04.Mai 2017 in der Neckar-Arena in Sinsheim statt. Neben Herrn Henrichsen zählten auch folgende Experten zu den Sprechern:
Jonas Gottschalk, Wirtschaftsingenieur (vertrat Prof. Dr. Ruth Stock-Homburg, Wirtschaftswissenschaftlerin), Prof. Dr. Gunter Dueck, Wissenschaftler und Autor sowie Hilmar Höhn, Gewerkschaftsvertreter. Moderiert wurde die Veranstaltung von Sven Astheimer.
Neben zwei Impulsvorträgen umfasste die Veranstaltung auch eine Podiumsdiskussion sowie einen Pressetalk mit allen Beteiligten rund um das Thema "Digital Workplace - Arbeitsplatz der Zukunft".
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