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SAP forciert HANA für die Cloud

SAP im Wandel

von - 13.03.2018
SAP hat mit der In-Memory-Technologie HANA 2011 beschlossen, sich eine ganz neue Ausrichtung zu geben und sich selbst einer digitalen Transformation zu unterziehen. Das Produktspektrum ist dabei stark angewachsen und erstreckt sich seit 2016 mit SAP Leonardo auch auf die Trendbereiche Big Data, Machine Learning, Artificial Intelligence und das Internet of Things (IoT). Noch ist nicht klar, ob es SAP gelingt, seine Kunden auf diesem Weg mitzunehmen. Sind SAP S/4HANA und die Cloud wirklich geeignet, um Kunden zum Wechsel auf die neueste Variante der ERP-Software zu motivieren?
Massimo Pezzini von Gartner Research gehört zu denjenigen Analysten, die SAP seit Jahren beobachten. Er wertet durchaus positiv, wie sich der Konzern mit Machine Learning und Artificial Intelligence beschäftigt und diese Technologien in seine Produktpalette integriert. SAP S/4HANA etwa sei geeignet, mit Cloud-Angeboten zusammenzuarbeiten, was im Wettbewerb mit ERP-Produkten von Konkurrenten wie Oracle oder Workday wichtig sei. Doch Pezzini findet auch, dass SAP die Beziehungen zu seiner Kundenbasis verbessern müsse. Er weiß: „Obwohl die meisten SAP-Kunden mit den Produkten und Technologien zufrieden sind, beklagen sie sich häufig über unklare Preise, verwirrende Produkt-Roadmaps und schwankende Support-Qualität.“ SAP habe zwar wiederholt Aktionen wie „Empathy to Action“ (2016) oder „Transformation Navigator“ (2017) gestartet, doch Pezzini bezweifelt, dass sie einen nachhaltigen Eindruck bei den Kunden hinterlassen haben.
Massimo Pezzini
Massimo Pezzini
Analyst bei Gartner Researach
www.gartner.com
Foto: Gartner
„Obwohl die meisten SAP-Kunden mit den Produkten und Technologien zufrieden sind, beklagen sie sich häufig über unklare Preise, verwirrende Roadmaps und schwankende Support-Qualität.“
Ähnlich kritisch urteilt Joshua Greenbaum, Analyst bei Enterprise Applications Consulting: „Die Anwender fühlen sich beim Übergang zur Cloud oft zu wenig unterstützt, auch weil die ERP-Funktionen in der Cloud nur zum Teil einsatzbereit sind. Wir sehen im Unternehmensumfeld nicht viele echte Cloud-Installationen mit allen vorgesehenen Funktionen. Das könnte SAP noch Sorgen bereiten, da es hierauf einen Großteil seiner aktuellen Strategie stützt.“
7900 Kunden für S/4HANA mag als keine besonders große Zahl erscheinen, aber, so merkt der französische Analyst Bertrand Garé an, zu dieser Gruppe gehören einige der mächtigsten und umsatzstärksten globalen Unternehmen. Garé betont, dass SAP mit HANA und dem Übergang zu verschiedenen Cloud-Formationen tatsächlich bereits eine merkliche Migration von ERP-Software On-Premise zu ERP in der Cloud in Gang gesetzt hat: „In der Vergangenheit standen ERP-Anwendungen für typische On-Premise-Installationen, über die man die volle Kontrolle im eigenen Hause haben wollte. Aber mit dem Hinzufügen einer leistungsfähigen In-Memory-Datenbank wie HANA ist SAP eine Optimierung der verschiedenen ERP-Programme gelungen. Die Daten, die in die Datenbank hochgeladen und dort gespeichert werden, lassen sich performanter bearbeiten, als das mit den herkömmlichen CPUs der Fall ist.“
Bertrand Garé
Bertrand Garé
Analyst und Autor
http://bertrandgare.blogspot.de
Foto: Garé
„Der Kunde wird kontinuierlich zur Kasse gebeten, und Daten aus einer Cloud wieder zurück in das eigene Unternehmen zu holen, kann sehr, sehr teuer werden.“
Häufig seien die ERP-Datenmengen auch durch Excel-Sheets und andere Quellen künstlich und unautorisiert aufgeblasen worden – zulasten ihrer Performance. Mit HANA und den diversen Erweiterungen habe es SAP geschafft, die ERP-Programme aus einer Krise zu befreien.

Fazit und Ausblick

Noch hat SAP keinen direkten Zwang auf seine Kunden ausgeübt, in die Cloud zu wechseln. Doch Bertrand Garé will das für die Zukunft nicht ausschließen. SAP gehe den gleichen Weg, wie ihn Salesforce von Beginn an eingeschlagen habe: „Mit SaaS- oder IaaS-Implementierungen zahlt der Kunde nicht nur einmalige Lizenzen für einen bestimmten Zeitraum, sondern in einer Cloud-Umgebung wird nach Rechenleistung und in bestimmten zeitlichen Perioden, zum Beispiel monatlich, gezahlt. Der Kunde wird kontinuierlich zur Kasse gebeten, und Daten aus einer Cloud wieder zurück in das eigene Unternehmen zu holen, kann sehr, sehr teuer werden – nicht nur bei Amazon AWS oder Microsoft Azure.“
Oft werde, fügt Garé hinzu, auch unterschätzt, wie weit SAP mit seinem HANA- und Cloud-Engagement wirklich gehen werde – und er verweist darauf, dass SAP zu den großen Unterstützern der Cloud Foundry Foundation zähle, die die Entwicklung von offenen cloudbasierten Programmen vorantreibt.
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