Automatisierung - Jobkiller oder Wachstumsmotor?

Unternehmen im Wandel

von - 07.02.2019
Substituierbarkeitspotenzial je Branche
Branchen mit hohem Substituierbarkeitspotenzial: Im verarbeitenden Gewerbe sind 21,5 Prozent aller Beschäftigten tätig. Hier sind über die Hälfte der Jobs gefährdet.
(Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit (Okt. 2018) )
Mindestens ebenso wie die Arbeitnehmer sind selbstverständlich auch die Unternehmen gefordert, sich den erforderlichen Anpassungen zu stellen. „Digitalisierung kommt, öffnet Gedanken und ändert Prozesse, die vorher wie ‚festgemauert‘ dastanden. Und das immer schneller, immer intensiver“, so Jürgen Prinz von Sopra Steria.  Deshalb sei es für Unternehmen wichtig, sich mit diesem Thema und den teilweise disruptiven Effekten auseinanderzusetzen - kritisch und nicht ablehnend. „Zurückdrehen, das geht nicht, Aufhalten ebenso wenig.“
Bernd Appel von Lufthansa Industry Solutions sieht besonders im Umgang mit Daten spannende Entwicklungen. Unternehmen stünden vor der Herausforderung, die Massen von Informationen in gezieltes Wissen zu verwandeln und aus ihnen einen Mehrwert zu generieren. Das Ziel müsse sein, überall dort, wo man beispielsweise Künstliche Intelligenz einsetze, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, mit der ihre Aussagen zutreffen. Nur so könne uns die Technologie wirklich weiterbringen. „Mit diesem Wissen können wir dann intelligente Assistenzsysteme schaffen, die den Menschen in seinen Tätigkeiten unterstützen.“ Im direkten Umgang mit Kunden und Geschäftspartnern gewinne der persönliche Kontakt wieder an Relevanz und werde vermehrt wertgeschätzt.
„Insgesamt befinden wir uns noch immer in einer Findungsphase, wie wir mit der Flut von Informationen umgehen können und wollen, sowohl im privaten als auch im Arbeitsumfeld.“ Laut Bernd Appel sind wir jede Sekunde unseres Lebens von mehr oder minder relevanten In­formationen umgeben und sollten diese im besten Fall auch gleich verarbeiten - „hier gilt es, ein gesundes Maß zu finden“.

Fazit

Unabhängig davon, wie sich die Auswirkungen der digitalen Transformation im Einzelnen niederschlagen werden, eines steht in jedem Fall fest: Vom Pförtner bis zum Vorstand - die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt gravierend und erfordert von jedem Mitarbeiter neue Kompetenzen.
Bernd Appel
Bernd Appel
Geschäftsführer bei Lufthansa
Industry Solutions
Foto: Lufthansa Industry Solutions
„Insgesamt befinden wir uns noch immer in einer Findungsphase, wie wir mit der Informationsflut umgehen können.“
Svenja Falk von Accenture empfiehlt, den vielen Prognosen zur Zukunft der Arbeitsplätze mit einer Portion Skepsis zu begegnen. „Das Problem mit Prognosen ist, dass der Mensch gern linear denkt. Wir schauen in den Rückspiegel, um das Morgen zu erklären.“ Auf der Basis ökonometrischer Modelle glaubwürdig vorherzusagen, wie beispielsweise Künstliche Intelligenz das Leben und die Arbeit verändern werde, könne jedoch niemand. Denn KI verändere exponentiell. „Legt man alle Prognosen, die es dazu gibt, neben­einander, sagt jede etwas anderes.“ Die Aussagen darüber, wie viele Jobs zukünftig aufgrund der Digitalisierung wegfallen werden, reichen laut Svenja Falk von 8 bis 56 Prozent. „Mit anderen Worten: Wir haben keine Ahnung“, so ihr nüchternes Resümee. Viel entscheidender sei die Frage, wie an der Schnittstelle Mensch und Maschine die größte Wertschöpfung geschaffen werde, um Arbeits- und Lebensqualität zu verbessern. Ihrer Ansicht nach stehen wir vor ganz anderen Herausforderungen als nur zu entscheiden, welche Maschine man mit welchen Aufgaben betraut, und sich zu fragen, wie viel Manpower man dadurch einsparen kann.
Dafür sei auch das Potenzial an Gewinn viel größer - denn ein richtig orchestriertes Team von Mensch und Maschine habe zusätzlich zur verrichteten Arbeit unzählige Symbiose-Effekte. „Es geht also darum, sich im Mind-Set von dem Dualismus Mensch-Maschine zu lösen und stattdessen in Teamlösungen zu denken“, so Svenja Falk. Die entscheidende Aufgabe dabei sei herauszufinden, wer je nach Aufgabenstellung der Gewinner oder der Verlierer ist. Die Antwort könne nie pauschal „der Roboter“ oder „der Arbeitnehmer“ sein. Maschinen sollten immer so eingesetzt werden, dass sie die Fähigkeiten des Menschen erweitern.
IT-Jobs mit Zukunft
Das Potenzial der Digitalisierung ist enorm hoch. Die IT-Branche braucht eine Vielzahl an Fachkräften, die den technologischen Fortschritt voranbringen. Vielerorts erreichen die Lösungen einen immer höheren Komplexitätsgrad, sodass die Nachfrage nach Experten weiter steigen wird.
Blockchain Architect: Der Blockchain Architect ist für die Programmierung von Blockchain- beziehungsweise Distributed-Ledger-Anwendungen verantwortlich. Darüber hinaus berät er Unternehmen, um gemeinsam mit diesen herauszufinden, welche Einsatzmöglichkeiten für die Blockchain es gibt und wie die Umsetzung aussehen könnte.
Chief Digital Officer (CDO): Über keine neue Jobbezeichnung wird derzeit so viel berichtet – und auch diskutiert – wie über den Chief Digital Officer.
Der CDO ist für die gesamte digitale Wertschöpfungskette eines Unternehmens zuständig und weist quasi als Bauleiter den Weg in die digitale Zukunft. Er erarbeitet eine Digitalisierungsstrategie und gewährleistet deren Umsetzung. Der Chief Digital Officer ist also eine Art IT-Manager. Er braucht allerdings nicht unbedingt einen IT-Hintergrund mitzubringen, sondern kann auch über einen kaufmännischen Background verfügen. Denn für die abteilungsübergreifende Querschnittsaufgabe ist vor allem auch betriebswirtschaftliches Wissen und Denken gefragt. Für die technische Umsetzung ist dann der Chief Information Officer (CIO) zuständig, der mit dem CDO idealerweise Hand in Hand zusammenarbeitet.
Chief Disruption Manager: Disruption heißt so viel wie „Erschütterung“ oder auch „Störung“. Im Zusammenhang mit der digitalen Transformation bedeutet dieser Begriff, dass eine neue Idee oder eine neue Technologie auf einen Schlag alles weitreichend verändert. Ein Chief Disruption Manager macht
also eigentlich nichts anderes als der CDO, nämlich die digitale Transformation eines Unternehmens voranzutreiben und es für die vielfältigen He­rausforderungen des digitalen Zeitalters zu rüsten.
Data Scientist: Immer mehr Unternehmen treffen Entscheidungen auf Basis von Datenanalysen. Doch in vielen Firmen fehlen Mitarbeiter, die angesichts der riesigen Datenmengen den Überblick behalten und die relevanten Daten aufbereiten können. Diese Lücke schließt der Data Scientist. Er steuert die Datenprojekte und nutzt die Analyse-Ergebnisse, um den Unternehmenserfolg zu sichern und zu steigern. Ein Data Scientist verfügt über ein hohes Maß an Fachwissen in den Bereichen Informatik und Mathematik, zum Beispiel zum Programmieren der Datenabfragen, um an die interessanten Informationen heranzukommen. Hinzu kommen im besten Fall fundierte Kenntnisse zu den Produkten und Diensten, die das Unternehmen anbietet. Auch über die rechtlichen Grundlagen des Datenschutzes muss ein Data Scientist Bescheid wissen.
Data Strategist: Eine Begleiterscheinung von Big Data ist, dass die vielen Daten irgendwann überall liegen: auf den Servern des Unternehmens – inhouse oder ausgelagert in der Cloud – oder auf den Servern diverser Big-Data-Analyse-Tools. Das wirft zwangsläufig die Frage auf, welche Daten das Unternehmen in welchem Zusammenhang überhaupt nutzen darf.
Hier kommt der Data Strategist zum Zug: Er behält den Überblick und gibt die Leitlinien für den Umgang mit den einzelnen Datenarten vor. Ein Data Strategist benötigt ein hohes technisches Verständnis. Nur damit lässt sich nachvollziehen, an welchen Stellen überall Daten erhoben und in welcher Weise sie bei der Auswertung verarbeitet werden.
Mobile Developer: Mobile Developer sind neben Entwicklern für die mobilen Betriebssysteme Android oder iOS auch Entwickler im HTML-, CSS- und Java­Script-Umfeld. Der Mobile Developer kümmert sich um die Konzeption, die Programmierung und die Gestaltung mobiler Inhalte und Apps.
Security Manager: Aufgabe eines Security Managers ist das Vermeiden von Datenlecks und das Entwickeln einer Strategie für die IT-Sicherheit. Er schult darüber hinaus Mitarbeiter im Umgang mit Daten und er legt fest, ob und welche Mitarbeiter zum Beispiel private Daten auf Firmen-Smartphones nutzen dürfen und welche Dienstleister welche Zugriffsrechte auf die IT erhalten.
Social Media Manager: Salopp gesagt bekommt der Social Media Manager Geld fürs Surfen im Netz. Er ist in den sozialen Medien wie Facebook, Instagram, Twitter und Co. zu Hause und weiß zum Beispiel genau, welches das perfekte nächste Gewinnspiel für die Facebook-Freunde des Unternehmens ist, in welchem Intervall die Fotos neuer Produkte auf Instagram gepostet werden sollten oder wie man mit nörgelnden Kunden auf Twitter umgeht.
Der Experte für soziale Medien muss aber auch mit Zahlen umgehen können: Er wertet Statistiken zu Zugriffszahlen und Kundenreaktionen aus.
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