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So gelingt die Transformation mit SAP

Im Gespräch mit Steffen Pietsch, Vorstand Technologie bei der DSAG

von - 29.05.2020
Steffen Pietsch
Steffen Pietsch: Vorstand Technologie bei der DSAG
(Quelle: DSAG )
Steffen Pietsch ist seit Oktober 2018 Vorstand Technologie bei der Deutschen SAP-Anwendergruppe (DSAG). Von 2009 bis Dezember 2018 war er Sprecher des Arbeitskreises Development. Hauptberuflich verantwortet er in dem Softwareudn Medien-Unternehmen Haufe Group den Bereich Business Applications.
com! professional: Das Interesse und die Investitionen im Bereich Cloud Computing steigen insgesamt. Laut DSAG ist bei den Cloud-Lösungen von SAP noch Luft nach oben und bei den Applikations-Plattformen liegt Microsoft Azure deutlich vor der SAP Cloud Platform (SCP). Warum ist dies so?
Steffen Pietsch: Dass Microsoft Azure bei den Applikations-Plattformen vor der SAP Cloud Platform liegt, kann darauf zurückzuführen sein, dass Unternehmen Microsoft vorrangig als generelle Digitalisierungsplattform einsetzen. Die SCP wiederum ist - so unsere Einschätzung - eher als Plattform für Lösungen von SAP die erste Wahl.
com! professional: Sind SAP-Nutzer mit Azure besser beraten oder ist dies nur als Zwischenlösung zu sehen?
Pietsch: Wir erwarten auch mittel- und langfristig, dass Unternehmen mehrere Platform-as-a-Service-Lösungen einsetzen. Für Anwendungsfälle mit starkem SAP-Bezug ist und bleibt die SAP Cloud Platform die naheliegende Wahl. Für Digitalisierungsvorhaben ohne oder nur mit geringer SAP-Integration werden Unternehmen vermutlich auch künftig eher auf Non-SAP-PaaS-Lösungen setzen.
com! professional: Was muss geschehen, damit die SAP Cloud Platform stärker genutzt wird?
Pietsch: Generell muss SAP in die Integrationsfähigkeit ihres Applikationsportfolios investieren. Das gilt für On-Premise- und Cloud-Applikationen gleichermaßen. Dazu zählen insbesondere geeignete APIs zur Daten- und Prozessintegration sowie die Implementierung des Event-Konzepts. Damit wird es möglich, in PaaS-Lösungen auf Business-Events zu reagieren, zum Beispiel auf die Anlage oder Änderung eines Kundenauftrags oder einer Bestellung. Für eine stärkere Adaption der SCP müssen die Services zu einem wettbewerbsfähigen Preis und einem Cloud-fähigen Preismodell wie Pay-per-Use angeboten werden.
Gerade letzteres hilft, um die SCP beziehungsweise einzelne Services im produktiven Umfeld zu evaluieren. Darüber hinaus ist es zwingend erforderlich, dass SAP betriebswirtschaftlich ausgerichtete Business-Services bereitstellt und darüber einen Mehrwert bietet, während wir bei den klassischen Hyperscalern eher einen reinen Technologiefokus sehen.
com! professional: Der Status der digitalen Transformation hinkt in den DSAG-Mitgliedsunternehmen den Erwartungen aus dem Vorjahr hinterher. Welche besonderen Herausforderungen gibt es für SAP-Nutzer bei der Digitalisierung?
Pietsch: In erster Linie stehen SAP-Anwenderunternehmen vor drei großen Herausforderungen. Erstens: Das SAP-Portfolio ist in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Akquisitionen gewachsen, wie durch Hybris, Gigya, CallidusCloud und Qualtrics. Durch die Zukäufe und Eigenentwicklungen ist ein heterogenes Portfolio unterschiedlichster Technologien und Konzepte entstanden.
Zweitens: Durch die Weiterentwicklung des SAP-Portfolios und Akquisitionen überschneiden sich Produkte einerseits funktional. Gleichzeitig weisen einige Cloud-Produkte noch nicht den Reifegrad der bisher eingesetzten On-Premise-Lösung auf.
Drittens: Unternehmen setzen bei Digitalisierungs- und Transformationsvorhaben in der Regel auf verschiedene Applikationen und Systeme. Um eine erfolgreiche Digitalisierungsstrategie umsetzen zu können, müssen die eingesetzten Komponenten integrierbar sein. So lassen sich Bruchstellen bei systemübergreifenden Prozessen vermeiden. Beim Thema Integration muss SAP aber noch an der einen oder anderen Stelle nachbessern.
com! professional: Wo müsste SAP mehr unterstützen?
Pietsch: Neben einer nahtlosen technischen und semantischen Integration muss SAP aus Anwendersicht auch bei der Dualität von Cloud und On-Premise nachbessern, Investitions- und Planungssicherheit schaffen sowie realistische Migrationsstrategien liefern.
com! professional: Wo müssten SAP-Dienstleister neue oder andere Services anbieten, um die Digitalisierung zu beschleunigen?
Pietsch: Digitalisierungsvorhaben benötigen technische und betriebswirtschaftliche Kompetenz. SAP-Partner sind daher aufgefordert, Beratungskompetenz in beiden Dimensionen aus einer Hand zu liefern. Bezogen auf den Technologie-Aspekt ist es erforderlich, dass Dienstleister einerseits Expertise in aktuellen SAP-Technologien aufbauen und nicht erst gemeinsam mit dem Kunden im Projekt lernen. Andererseits basieren Digitalisierungsprojekte vielfach nicht ausschließlich auf dem Einsatz von SAP-Software. Wir erwarten daher neben ausgeprägter SAP-Expertise den Blick über den Tellerrand. Im Hinblick auf betriebswirtschaftliche Kompetenz ist es erforderlich, dass Partner den Business-Case des Kunden im Blick haben, beziehungsweise dabei helfen, weitere Potenziale zu identifizieren.
com! professional: Und was muss sich im Bereich Security bei SAP tun?
Pietsch: SAP muss die Kunden bestmöglich unterstützen, um die Sicherheit der IT-Landschaften zu gewährleisten. Eine Kernforderung der DSAG an SAP ist daher, dass die Software bereits im Auslieferungszustand sicher konfiguriert sein muss. Bei S/4HANA 1909 ist das mittlerweile der Fall. Aus Anwendersicht war das ein wichtiger Schritt, und wir wünschen uns, dass dieses Konzept weiter ausgebaut und auch auf andere SAP-Produkte ausgerollt wird. Darüber hinaus wünschen wir uns bereits seit längerem ein übergreifendes Security-Dashboard. Wir erwarten, dass SAP endlich ein übergreifendes Design entwickelt und die sicherheitsrelevanten Aspekte in einem Dashboard sowohl für On-Premise-Produkte als auch für Cloud-Lösungen zusammenfasst.
com! professional: Was müssen die SAP-Nutzer selbst tun?
Pietsch: Die Sicherheit von SAP-Systemen erfordert auf Kundenseite Expertise und Zeit. Davon betroffen sind verschiedene Rollen im Unternehmen, unter anderem Entwickler und Administratoren. Hierfür müssen Unternehmen die notwendigen Mittel zur Verfügung stellen und entsprechende Kompetenzen aufbauen.
Wir nehmen wahr, dass die Unternehmen unterschiedlich sensibilisiert sind für SAP-Security und somit die vorhandenen Angebote ungleich stark genutzt werden. Wir empfehlen SAP-Kunden einen klaren Fokus auf SAP-Security zu legen. Sicherheit ist nicht optional.
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