Rechenzentren aus der Box

Schnell verfügbare Module

von - 20.07.2017
Markwachstum von Mikro-Rechenzentern pro Jahr
Quelle: MarketsandMarkets
„Das Innenleben des Containers besteht meist aus vorgefertigten, getesteten standardisierten Modulen, deren Komponenten aufeinander abgestimmt und optimiert sind. Daher ist das mobile Rechenzentrum meist innerhalb von sechs bis acht Wochen einsatzbereit“, erklärt Vertiv-Mann Peter Koch.  „Natürlich sind auch individualisierte Modelle möglich, bei denen der Kunde selbst über die Konfiguration und die Hersteller der Komponenten bestimmen kann.“
Dank herausnehmbarer Seitenwände ist es möglich, Container-Rechenzentren beliebig zu skalieren und Flächen von mehreren 100 Quadratmetern zu erreichen. Das Rechenzen­trum von T-Systems in Barcelona besteht beispielsweise aus rund 50 Containern, und im Großhafen von Doha entsteht ein Container-Rechenzentrum mit einer Fläche von etwa 1800 Quadratmetern. „Firmen sind mit den Containern flexibler, da ihr Rechenzentrum mit ihren Anforderungen sukzessive wachsen kann. Niemand kann vorhersagen, wie hoch die IT-Last in drei Jahren sein wird und welche Technologien bis dahin aktuell sind. Wenn ich die Infrastruktur aber modular aufbaue, kann ich passgenau für den konkreten Bedarf planen“, sagt Peter Koch.
Peter Koch
Vice President Solutions, Integrated Rack Systems EMEA bei Vertiv
Foto: Vertiv
„Mikro-Rechenzentren stehen vor allem für Edge-Computing im Internet der Dinge, wenn Rechenkapazität vor Ort am Rand des Netzwerks und niedrige Latenzzeiten
erforderlich sind.“
Der Container lässt sich auf jeder geeigneten Fläche im Außen- und Innenbereich aufstellen und trotzt Hitze, Kälte, Regen oder Wind. Am Standort muss er noch an das Daten- und Energienetz sowie die Kaltwasserversorgung angeschlossen werden. Manche Anbieter liefern auch eine eigene Stromversorgung mit, um den Container autark zu betreiben.

Breites Einsatzspektrum

Die Einsatzszenarien von Container-Rechenzentren sind vielfältig. Sie eignen sich als dauerhaftes Haupt- oder Backup-Rechenzentrum, sind aber auch für temporäre Großveranstaltungen wie Olympische Spiele oder Fußball-Weltmeisterschaften interessant. Eine wichtige Zielgruppe sind auch Firmen, die ein temporäres Datacenter zur Überbrückung einiger Wochen oder Monate benötigen. Dies kann etwa bei Aus- oder Umbaumaßnahmen der Fall sein oder zum Auffangen von Belastungsspitzen oder Kapazitätsengpässen.
Da sich der genormte Container problemlos mit gängigen Lkws, Güterzügen oder Container-Schiffen transportieren lässt, ist das Rechenzentrum sehr mobil; es eignet sich daher sehr gut für den Einsatz in Roadshows oder auf Baustellen, die weiterziehen (wie im Straßenbau und bei Minen im Tagebau). Ein weiteres Szenario sind Unternehmen mit mehreren Standorten. „Wir haben viele Kunden, die an allen Niederlassungen weltweit eine einheitliche Plug-and-Play-Infrastruktur mit gleichen Standards aufbauen wollen. Aktuell sind das etwa ein Automobilzulieferer oder ein Gummihersteller, die Werke in Asien und Südamerika aufbauen“, so Christian Steininger von Cancom. Das Unternehmen produziert seine Container-Rechenzentren unter dem Label Mobile Data Center im bayerischen Kempten. 2016 verkaufte Cancom mehr als 50 davon,  hauptsächlich an mittelständische Unternehmen.
Mittlerweile gibt es neben Cancom, Vertiv und Rittal einige weitere Anbieter von Container-Rechenzentren. Sie alle bieten individuelle und Standard-Rechenzentren aus dem Container zum Kauf oder teilweise zur Miete an. Der Preis hängt von der Konfiguration und der Leistung des Containers ab sowie von der Mietdauer. Je nach Ausstattung ist für einen Standard-ISO-Container mit fünf Server-Racks mit je 42 Höheneinheiten, 20 KW USV, 20 KW Kühlung und Brandschutz mit 100.000 Euro aufwärts zu rechnen.

Umfassende Analyse

Doch ab wann lohnt sich für Firmen ein Container-Rechenzentrum mehr als der Bau eines eigenen, klassischen Rechenzentrums? „Sehr wichtig ist eine umfassende Analyse der eigenen IT-Infrastruktur. Das Unternehmen muss seine Wachstumsziele prüfen und wissen, wo es mit seiner IT hin will. Je größer die IT-Infrastruktur werden soll, umso eher ist der Bau eines eigenen Rechenzentrums anzuraten“, sagt Bernd Hanstein von Rittal. Letztendlich geben laut Hanstein auch die Analyse und Gegenüberstellung der Kosten den Ausschlag für die Entscheidung pro oder contra Container-Rechenzentrum.
Bei der Auswahl des Anbieters sollten Unternehmen neben den Kosten vor allem auf Referenzen achten: Sind die bisherigen Kunden zufrieden? Wie lange ist der Anbieter schon auf diesem Markt tätig? Auch TÜV-Zertifikate oder garantierte PUE-Werte (Power Usage Effectiveness) für Energieeffizienz bieten Orientierung. Der PUE-Wert setzt den gesamten Stromverbrauch eines Datacenters in Beziehung zur Energieaufnahme der eigentlichen IT-Komponenten; er sollte so nah wie möglich am optimalen Wert 1,0 liegen.
Weitere Kriterien sind die Betriebsvarianten (Leasing, Kauf, as a Service) und die Bedingungen für den Service-Fall: Beschäftigt der Anbieter eigene Leute für IT, Klimatisierung und Stromversorgung oder greift er auf Partner zurück?
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