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Human Resources

Wir führen Firmen zu mehr Diversität

von - 22.10.2019
Diversität
Foto: LvNL / shutterstock.com
Das Schweizer Start-up Witty Works bringt weibliche IT-Fachkräfte in Unternehmen. Eigentlich sollte der aktuelle Fachkräftemangel das Problem beseitigen. Dem ist jedoch nicht so.
Valérie Vuillerat
Valérie Vuillerat: Mitgründerin von Witty Works
(Quelle: Samuel Trümpy )
Divers zusammengesetzte Teams entwickeln die bes­se­-ren digitalen Produkte und sind erfolgreicher am Markt. Firmen suchen daher angeblich Frauen. Doch anstatt sie anzuziehen, vergrätzen sie diese.
Nadia Fischer und Valérie Vuillerat, die Gründerinnen von Witty Works, unterstützen Tech-Unternehmen dabei, diverser zu werden.
com! professional: Wie haben Sie sich kennengelernt?
Valérie Vuillerat: Auf einem Branchen-Meeting. Wir arbeiten beide seit vielen Jahren im Tech-Bereich und stellten fest, dass sich unsere männlichen Kollegen regelmäßig darüber beklagten, keine weiblichen Talente zu finden oder halten zu können. Und, dass Frauen keine Leadership-Funktionen übernehmen wollen. Komischerweise kennen wir persönlich jedoch sehr viele Frauen, die in dieser Branche arbeiten und die auch Verantwortung übernehmen wollen. Uns scheint es gefährlich, wenn Frauen im Tech-Bereich untervertreten sind, da ja unsere Zukunft völlig technologisiert sein wird. Unser Projekt konkretisierten wir im Dezember 2017. Im Juni letzten Jahres entschieden wir, ein Start-up zu gründen.
com! professional: Wie sieht Ihr Business-Modell aus?
Nadia Fischer: Einerseits bieten wir Unternehmen Tools, dass sie weibliche Talente anziehen und rekrutieren können. Andererseits coachen wir Unternehmen bei der Entwicklung von Prozessen und Verhaltensweisen, anhand derer sie weibliche Talente eher halten können.
com! professional: Was für Tools sind das?
Fischer: Der erste Berührungspunkt mit einer neuen Firma ist in vielen Fällen ein Job-Inserat. Und wir sehen, dass diese in den meisten Fällen so geschrieben werden wie vor 20 Jahren, also mit möglichst vielen und hohen Anforderungen. Mehrere Studien - unter anderem von der Technischen Universität München - haben jedoch gezeigt, dass Frauen ein Job-Inserat anders wahrnehmen als Männer. Oft ist die Sprache des Job-Inserats so gewählt, dass es weibliche Talente nicht anspricht und sie sich dann nicht bewerben. Dem setzen wir entgegen: Wir analysieren Job-Inserate auf kognitive Verzerrungen oder Bias. Wir prüfen, wie attraktiv Inserate für Bewerberinnen sind, und unterstützen Firmen, ihre Job-Angebote so zu optimieren, dass sich auch Frauen da­rauf bewerben. Wir schreiben Job-Inserate um und machen sie so attraktiv für Bewerberinnen. Ihre Anzeigen können unsere Kunden auch auf unserer Plattform publizieren.
Vuillerat: Wir sehen nun, dass Unternehmen Bewerbungen von weiblichen Talenten über unsere Job-Plattform erhalten. Aber oft fallen sie im Rekrutierungsprozess dann wieder raus. Dies führen wir auf das versteckte Bias in Rekrutierungsprozessen zurück. Daher ist ein weiteres Tool die Neutralisierung des Rekrutierungsprozesses. Wir bieten Handlungsempfehlungen, sodass er möglichst frei von Bias und für alle Bewerberinnen und Bewerber mit diversem Hintergrund offen ist. Unsere Lösungen sind auch nicht auf die Schweiz beschränkt. Wir können diese global anbieten und dadurch skalieren.
com! professional: Welche Dienste bieten Sie noch an?
Vuillerat: Wir coachen Unternehmen hinsichtlich ihres Employee Brandings. Denn der Auftritt von Firmen kann weibliche Fachkräfte abschrecken oder anziehen. Und wir führen Firmen zu klaren Diversitätszielen - denn wenn Ziele klar formuliert und gemessen werden, dann werden sie auch umgesetzt.
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