Cloud-Lizenzen als Kostenfalle

Risiko: Einsatzszenarien

von - 07.01.2019
Auch die Art und Weise, wie Cloud-Ressourcen genutzt werden, kann lizenzrechtliche Probleme aufwerfen. Bei einer Hochverfügbarkeitsstrategie, bei der Ressourcen parallel auf mehreren Server-Instanzen laufen beziehungsweise lauffähig vorgehalten werden, kann dies zu zusätzlichen Lizenzkosten führen.
Jens Hellmund, Licensing Specialist beim IT-Dienstleister Comparex, erklärt dies am Beispiel Microsoft SQL-Server: „In einem Failover-Szenario ist die passive Instanz lizenzfrei, wenn der aktive Server unter Software Assurance steht und beide Server entweder On-Premise oder beide Server in der Cloud sind. Wenn der aktive Server jedoch On-Premise und der passive in der Cloud ist, muss auch der passive Server durchlizenziert werden.“
Bei Disaster-Recovery-as-Service-Szenarien kann sich ebenfalls Konfliktpotenzial ergeben. Hierbei werden Ressourcen in der Cloud als eine Art Hot-Stand-by vorgehalten, die beim Ausfall der lokalen Infrastruktur nahtlos deren Aufgaben übernehmen. Ob und in welchem Umfang dafür zusätzliche Lizenzen zu erwerben sind, ist oft unklar.
Jens Hellmund
Jens Hellmund
Licensing Specialist bei Comparex
Foto: Comparex
„Unternehmen sollten auf jeden Fall Lizenz­management betreiben.“
Ein weiteres Minenfeld ist der Betrieb von Software in Containern. Er wird von Lizenzbedingungen oft nicht oder nur ungenügend erfasst. „Die Ursache für viele Probleme liegt da­rin, dass die Strukturen in der Cloud anders sind“, sagt Peter Wüst, Senior Director Cloud In­frastructure and Cloud Data Services EMEA beim Storage-Anbieter NetApp. „Ein Nutzer bewegt sich daher häufig in einer Grauzone, ohne zu wissen, wann er lizenztechnisch den grünen Bereich verlässt.“
Aber auch der für die allermeisten Cloud-Migrationen typische Mischbetrieb aus On-Premise-Ressourcen und Cloud-Services kann Schwierigkeiten bereiten. „Der genutzte Service wird zum einen Teil aus der Cloud und zum anderen Teil aus der eigenen IT-Infrastruktur bedient“, erklärt Stefan Wangler von Axians IT Solutions, „somit entstehen auch hybride Lizenzierungsmodelle.“
Weil sich Cloud-Ressourcen oft schon mit wenigen Mausklicks buchen lassen, kann es zudem schnell zu einem Wildwuchs an genutzten Diensten kommen, warnt Wangler: „Dies ist darin begründet, dass die etablierten Bereitstellungsprozesse nicht auf die veränderte Situation angepasst werden.“
Peter Wüst
Peter Wüst
Senior Director Cloud Infrastructure and Cloud Data Services EMEA bei NetApp
Foto: NetApp
„Ein Nutzer bewegt sich häufig in einer Grauzone, ohne zu wissen, wann er lizenz­technisch den grünen Bereich verlässt.“

Die wahren Lizenzkosten

Auf den ersten Blick sind die Cloud-Offerten der Anbieter oft kostengünstiger als die On-Premise-Lizenzierung. „Die Hersteller tun einiges dafür, ihre Cloud-Angebote attraktiv zu machen“, gibt Anglepoint-VP Jan Hachenberger zu bedenken. „Welche Abhängigkeiten sich aus der Migration in die Cloud ergeben, wird dabei gerne mal vergessen.“ Dennoch spiele das Thema Lizenzen bei der Entscheidung für die Cloud nur eine geringe Rolle. „Die wenigsten sind sich der Implikationen bewusst, die damit verbunden sind.“
Während Software und andere Ressourcen zu Beginn fast verschenkt werden, um Anwendern die Cloud schmackhaft zu machen, ändert sich das schnell, sobald die erste Vertragsperiode abgelaufen ist. „Die Software-Hersteller können im Subskriptionsmodell jederzeit ihre Preise erhöhen - und tun das auch“, sagt Marvin Neumann, „das macht einen belastbaren Forecast extrem schwierig.“
Dr. Jan Hachenberger
Dr. Jan Hachenberger
Vice President Anglepoint
Foto: Anglepoint
„Durch die Cloud-Nutzung nimmt die Komplexität im Lizenzmanagement weiter zu.“
Jan Hachenberger empfiehlt, immer auf Basis der Standardpreisliste zu planen und die oft deutlich günstigeren Einstiegsangebote nicht zum Maßstab zu nehmen. „Bei der nächsten Vertragsverlängerung ziehen die Preise an, Erhöhungen um 20 oder 30 Prozent sind da nichts Ungewöhnliches.“
Ein weiteres Risiko sind nutzungsabhängige Abrechnungsmodelle, wie sie im Cloud-Einsatz typisch sind. Steigt der Bedarf unvorhergesehen stark an oder greifen viel mehr Nutzer auf die Dienste zu als vorhergesehen, explodieren die Kosten. „Es ist den Unternehmen oft nicht klar, wie viel Last tatsächlich abgerufen wird“, betont Hachenberger, „dafür fehlen die Erfahrungswerte.“ Gerade in Hybrid-Szenarien zahlten die Unternehmen oft drauf, weiß Hachenberger: „Die Erwartungen, was das Sparpotenzial angeht, erfüllen sich häufig nicht.“
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