Cloud-Lizenzen als Kostenfalle

Hersteller helfen bei Migration

von - 07.01.2019
Migration Microsoft
Migrieren: Wer mit Microsoft einen Volumenlizenzvertrag mit Software Assurance abgeschlossen hat, darf Bestandslizenzen in der Cloud weiternutzen.
Die Software-Unternehmen haben natürlich auch schon längst erkannt, dass ungeklärte Lizenzfragen für den Absatz ihrer Cloud-Produkte nicht gerade förderlich sind, und Modelle entwickelt, die einen Umstieg in die Cloud erleichtern sollen.
Microsoft erlaubt es beispielsweise, Bestandslizenzen, die mit Software Assurance in einem Volumenlizenzvertrag erworben wurden, in der Cloud weiterzunutzen. Eine Übertragung anderer Lizenzen ist laut Patrick Schidler, Teamleiter Produktmarketing Cloud und Enterprise Group bei der Microsoft Deutschland GmbH, in Einzelfällen ebenfalls machbar: „Eine Übertragung, sprich Weiternutzung anderer Lizenzen, kann möglich sein, wenn lokale Installationen mit der Migration in die Cloud abgeschaltet werden.“
Der Hersteller macht es den Kunden allerdings mit allerlei Vergünstigungen schmackhaft, auf Cloud-Lizenzen im Subskriptionsmodell umzusteigen. Wer zum Beispiel Windows-Server-Lizenzen oder SQL-Server-Lizenzen mit Software Assurance nutzt, hat Anspruch auf den „Azure Hybrid Benefit“. Investitionen in bereits bestehende On-Premise-Software-Lizenzen werden dabei angerechnet. „Unternehmen mit bestehenden On-Premise-Lizenzen müssen also lediglich für die Infrastrukturkosten in der Cloud bezahlen“, sagt Schidler.
Auch beim Produkt-Support bevorzugt Microsoft Cloud-Kunden. So werden beispielsweise Windows Server und SQL Server 2008, für die der Support in den kommenden Jahren endgültig endet, weiter mit Sicherheits-Updates versorgt, wenn die Server auf Microsoft Azure betrieben werden. „Das bedeutet, dass Kunden und Partner mehr Zeit für die Migration oder Aktualisierung der Anwendung, des Betriebssystems und der Datenbank gewinnen“, erklärt Schidler.
Patrick Schidler
Peter Schidler
Teamleiter Produktmarketing Cloud und Enterprise Group bei Microsoft Deutschland
Foto: Microsoft
„Die Übertragung, sprich Weiternutzung anderer Lizenzen, kann möglich sein, wenn lokale Installationen mit der Migration in die Cloud abgeschaltet werden.“
Oracle bietet mit „Customer 2 Cloud“ ein Programm an, das Finanzierungsmöglichkeiten, Implementierungsservices und Integrationsdienste umfasst. Das Programm steht allen Kunden offen, die ERP-, EPM-, HCM- und CRM-Lösungen der Oracle-Produktlinien Siebel, PeopleSoft, JD Edwards und Oracle E-Business Suite betreiben. Sie können bestehende lokale Installationen innerhalb derselben Produktfamilie in die Oracle Applications Cloud umleiten.
„Oracle stellt sicher, dass unsere Kunden und Partner Zugriff auf Informationen und Services haben, die ihnen beim Verständnis und der Verwaltung ihrer Lizenzverpflichtungen und ihrer Investition in Oracle-Lizenzen helfen“, verspricht Harald Gessner, Head of Corporate Communications Europe North bei Oracle.
Mit der Cloud Extension Policy bietet SAP Kunden und Partnern seit 2013 Unterstützung bei der Cloud-Migration an. „Mit einem einfachen und flexiblen Modell können Unternehmen ihre vorhandenen On-Premise-Lizenzen durch Cloud-Anwendungen ersetzen“, erklärt Christian Müller, Head of Maintenance Go to Market Deutschland/Schweiz bei der SAP Deutschland SE & Co. KG. Dabei werden Nutzungsrechte und Wartungsverträge für On-Premise-Lizenzen gekündigt und durch Cloud-Subskriptionen ersetzt.
„Der Kunde sollte sicherstellen, dass die verbleibenden On-Premise-Lizenzen in Kombina­tion mit den neuen Cloud-Subskriptionen seinen Geschäftsanforderungen weiterhin entsprechen“, rät Müller. Cloud-Lizenzen im eigentlichen Sinn gibt es dabei nicht. „Der Kunde zeichnet einen sogenannten Subskriptionsvertrag, der ihm die Nutzung der Cloud-Lösung für die Dauer der Vertragslaufzeit erlaubt“, ergänzt der SAP-Manager. „Die Lösung beinhaltet über die Software hinaus auch Infrastrukturservices.“
Bei VMware gibt es seit 2016 die sogenannte Portable License Unit (PLU). „Um den Anforderungen der Cloud-Lizenzierung gerecht zu werden, haben unsere Kunden die Möglichkeit, die erworbene Lizenz sowohl On-Premise als auch in der Cloud zu nutzen“, sagt Christian Gehring, Director Solution Architects bei VMware.
Die Lizenzierung im eigenen Rechenzentrum erfolgt per CPU, in der Cloud wird nach Zahl der installierten Betriebssysteme (Operating System Instance, OSI) abgerechnet, wobei eine CPU dem Wert von 15 OSI in der Cloud entspricht.
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