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Der CIO wird vom Broker zum Piloten

Coffin-Corner-Manager

von - 02.07.2019
Wandel erfolgreich durchzusetzen und Innovationen auf den Boden zu bringen, sind offensichtlich wichtige Auf­gaben des CIOs. Doch wichtiger als die klassischen Tugenden wird es künftig sein, durch das Entwickeln kreativer Ideen und durch gute Zusammenarbeit kritische Situationen zu meistern. Ein Vergleich mit dem Fliegen macht dies verständlich. Wer wenig darüber weiß, fürchtet sich beim Start. Wer mehr weiß, hat eher Angst bei der Landung. Wirklich gefährlich ist aber der sogenannte Coffin Corner, wenn sich in großer Flughöhe das Intervall zwischen minimaler und maximaler Geschwindigkeit schließt. Fliegt man nur etwas zu langsam oder ein wenig zu schnell, stürzt man unweigerlich ab. Im Coffin Corner geht also der Spielraum für ungenaue Entscheide und Handlungen verloren. Plötzlich kommt es darauf an, sehr genau das Richtige zu tun. Sicher durch den Coffin Corner zu steuern, heißt, das Weiterleben zu sichern - das gilt für Unternehmen ebenso wie für die Fliegerei.
Im Coffin Corner sind andere Führungseigenschaften gefragt als in unkritischen Situationen. Meist braucht es zwei komplementäre Kompetenzen: den kreativen Umgang mit sachlicher Komplexität und die Fähigkeit, bei Kollegen proaktiv Unterstützung zu finden. Hierfür muss man reflektiert denken, Ideen entwickeln und soziale Vernunft sowie Empathie an den Tag legen können. Natürlich sollte man Coffin Corners ohne Not vermeiden, doch in der digitalen Transformation ist dies oft nicht möglich. Wer zu früh, zu langsam oder zu kostspielig agiert, den bestraft der digitale Umbruch. Früher gingen erfolg­reiche Firmen unter, wenn sie zu extrem agierten - zu sozial oder zu unternehmerisch aggressiv, zu ressourcenorientiert oder zu ideenorientiert, zu divers oder zu gleichartig. In Zukunft werden in vielen Märkten nur noch extreme Geschäftsmodelle erfolgreich sein. Der Coffin Corner wird viel häufiger durchsteuert werden müssen - mit dem CIO und seinem Team in einer Schlüsselrolle.

Qualitätsfundamentalismus

Qualitätsmanagement verlangt in der Praxis zwei Arten von Wissen: das Wissen um richtiges Handeln unter optimalen Bedingungen und das Verständnis für pragmatische Abstriche vom richtigen Handeln unter realen Bedingungen. In der operativen IT-Praxis sollte man nur dort über Verbesserungen im Qualitätsmanagement nachdenken, wo sich Probleme ergeben. Hingegen sollte das Qualitätsmanagement bei IT-Projekten bei der Vor­bereitung ganz vorn stehen - als Startpunkt für jede Ressourcenplanung.
Im Digitalisierungskontext ist ein unorthodoxer „Qualitätsfundamentalismus“ notwendig. Fundamentalismus steht hier für konsequentes kontextabhängiges Entscheiden und Umsetzen, aber auch für die Durchsetzung von Maßnahmen wie Verifizierung und Validierung. Beim Qualitätsfundamentalismus gilt es, auf der Basis von Geschäftsmodell, Nebenwirkungen und Risiken Maß zu halten. Zu viel Qualität ist zu teuer, zu wenig zu riskant und die falsche Art fördert den Crash.
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