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Online-Handel

Maschinen ordern Waren eigenständig nach

von - 30.03.2020
Smart Home
Foto: Andrey Suslov / shutterstock.com
Smart-Ordering-Services verändern die Bestellprozesse, wie das Beispiel Conrad Connect zeigt. Dank des IoT lassen sich viele Güter automatisiert je nach Bedarf bestellen.
Keine Kaffeekapseln mehr oder kein Papier mehr im Drucker? Dann heißt es einkaufen gehen. Doch das Besorgen alltäglicher Verbrauchsgüter empfinden viele Konsumenten als lästig. Es kostet Zeit und Nerven. Viele greifen zum bekannten, immer gleichen Produkt.
Der Druckerhersteller HP bietet seinen Kunden einen Bestellservice an: Die Drucker zeigen nicht nur an, dass die Tintenpatrone bald leer sein wird, sondern sie bestellen den passenden Ersatz gleich selbst nach. Das Internet der Dinge macht solche Services möglich.
Doch wenn Kühlschränke, Waschmaschinen und Drucker Verbrauchsmaterialien oder Lebensmittel eigenständig bestellen, läuft der Handel Gefahr, aus der Beschaffungskette he­rauszufallen - auch weil Hersteller auf diese Weise direkt mit Verbrauchern in Kontakt treten und sie beliefern können.
Der Elektronikhändler Conrad Electronic hat auf diese Entwicklung reagiert und 2016 das Unternehmen Conrad Connect gegründet. Das Spin-off betreibt eine Plattform für das Internet of Things, über die sich unterschiedlichste smarte Geräte verwalten, steuern und miteinander verknüpfen lassen. Dazu zählen intelligente Heizungsthermostate, fernsteuerbare Steckdosen und Rollos, aber auch Überwachungskameras, Alarmanlagen und Haushaltsgeräte.
Wer solche smarten Geräte besitzt, kann über die Plattform beispielsweise festlegen, dass die Heizung pünktlich um 5:30 Uhr angestellt wird - und zwar auf der Stufe, die laut der von der Wetterstation übermittelten Außentemperatur angebracht ist. Zudem kann der Nutzer bestimmen, dass das Rollo um 6:15 Uhr hochfährt, das Radio anspringt und die Alarmanlage ausgeschaltet wird.

Offene Plattform

Im Frühjahr vergangenen Jahres hat Conrad Connect die Plattform um einen sogenannten Smart-Ordering-Service erweitert. Darüber können die mittlerweile 430.000 registrierten Nutzer der Plattform au­tomatisiert Verbrauchsgüter nachbestellen. Dafür müssen sie zuerst einen Account bei Conrad Connect anlegen und das entsprechende Gerät mit der Plattform verknüpfen. Mehr als 100 Marken sind derzeit mit der Plattform kompatibel. Dann muss der Kunde das Signal definieren, das als Auslöser für die Bestellung dienen soll. Das kann etwa der Hinweis des Rauchmelders über einen niedrigen Batteriestand sein. Anschließend wählt der Nutzer einmalig aus, wo die Batterie bei Bedarf bestellt werden soll, und hinterlegt die gewünschte Bezahlart für diesen Kauf. Löst das Signal des Geräts eine Bestellung aus, bekommt der Kunde von Conrad Connect eine E-Mail und eine SMS mit einer Übersicht über die bestellten Produkte. Mit einem Klick auf den Bestätigungs-Link schließt er die Bestellung ab.
Noch ist die Anzahl der an die Plattform angeschlossenen Händler überschaubar: Zum Start im April letzten Jahres war nur der Conrad-Shop mit der Plattform verknüpft. Im Juni folgten dann die beiden Conrad-Ableger Digitalo und Voelk­ner sowie der Modellbau-Shop SMDV, im Juli die beiden Food-Shops Snackbaron und Müsli.de. Seit November ist Otto Ready, ein vergleichbarer Bestellservice des Online-Händlers Otto, bei Conrad Connect mit an Bord. Sechs weitere Partner befinden sich im Onboarding.
Andreas Bös
Andreas Bös
Vice President und Leiter von Conrad Connect
www.conradconnect.com
Foto: Conrad Connect
„Wir befinden uns in der Steinzeit des ­Internets der Dinge.“
„Conrad Connect ist nicht nur für Conrad gedacht, sondern bewusst als offene Plattform angelegt, die anderen Händlern ebenso offensteht“, betont Andreas Bös, Vice President und Leiter von Conrad Connect. „Wir wollen neue Geschäftsmodelle entwickeln, um den Herausforderungen, mit denen der Handel konfrontiert ist, zu begegnen.“
Bös geht davon aus, dass sich der Markt massiv verändern wird: „In fünf bis zehn Jahren wird es kaum mehr Elektrogeräte geben, die nicht mit dem Internet vernetzt sind, und zwar schon allein deswegen, weil es keine Chips ohne Internetverbindung mehr geben wird“, ist Bös überzeugt.
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