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KI-Hype zwischen Erfolg und enttäuschter Hoffnung

Der künstliche Kunde

von - 03.07.2020
Bösartige Bots werden intelligenter
Agieren wie ein Mensch: Nach Angaben des Sicherheitsspezialisten Radware trifft das auf knapp 60 Prozent aller bösartigen Bots zu.
(Quelle: Radware )
Auch das Marketing setzt vermehrt auf Künstliche Intelligenz. Einer Studie der MIT Sloan School of Management und Google zufolge („Improving Strategic Execution with Machine Learning“) glaubten 74 Prozent der Umfrageteilnehmer, die Ziele der Organisation besser erreichen zu können, wenn mehr in die Bereiche maschinelles Lernen und Automatisierung investiert würde. KI soll Kundenverhalten und Trends vorhersagen, Wettbewerber und Zielgruppen analysieren, Werbe- und Lead-Generierungs-Kampagnen optimieren und insgesamt Marketing-Aktivitäten automatisieren.
Bei dem Versuch, den Kunden zielgenau zu adressieren, ihn besser kennenzulernen und ihn zu mehr Umsatz zu motivieren, treffen die Marketing-Experten jedoch immer häufiger auf ein Problem: Das Gegenüber ist kein Mensch. Dem Sicherheitsunternehmen Imperva zufolge wurden im vergangenen Jahr rund 24 Prozent des Internetverkehrs von bösartigen Bots generiert, ein Zuwachs um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders E-Commerce-Anbieter leiden unter den künstlichen Kunden. Im Jahr 2019 waren laut einer Studie des Sicherheitsexperten Radware 30 Prozent des Verkehrs auf Login-Seiten von Online-Shops auf Bots zurückzuführen. Auf Produktseiten betrug der Anteil 27 Prozent, und Warenkörbe wurden zu einem Fünftel von nicht menschlichen Einkäufern befüllt. 58 Prozent der Attacken entfielen dabei auf intelligente Bots, die menschliches Verhalten nachahmen und üblichen Abwehrmaßnahmen entgehen können. Selbst bei einfachen Angriffen wie dem Scraping, bei dem Bots die Preise oder Inhalte auf einer Webseite abgreifen, verzeichnete Radware einen Anteil menschenähnlicher Bots von über 50 Prozent.
Ohne Spezialwerkzeuge sind Shop-Betreiber weitgehend machtlos dagegen. „Herkömmliche Abwehrmethoden beschränken sich auf die Verfolgung gefälschter Cookies, User Agents und IP-Reputation“, erklärt Michael Tullius, Managing Director DACH bei Radware. „Um diese Art von Angriffen zu verhindern, benötigt man speziell entwickelte Lösungen zur Bot-Abwehr, die ausgeklügelte automatisierte Aktivitäten erkennen und dabei helfen können, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen.“
Auch Captcha (Completely Automated Public Turing Test to Tell Computers and Humans Apart) schützen nicht vor den bösen Bots. Schon 2012 stellten Claudia Cruz-Perez und ihre Kollegen von der Universidad de las Américas Puebla im mexikanischen Cholula eine KI-basierte Methode zur Captcha-Überwindung vor. Sie nutzten Support-Vector Machines (SVM) und erzielten beim Knacken von Captchas eine Erfolgsquote von 82 Prozent. Durch den Einsatz von Deep Learning ließ sie sich sogar auf über 90 Prozent steigern.
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