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Eine Großbank im Umbruch

Keiner weiß, was Digitalisierung eigentlich bedeutet

von - 22.08.2019
Digitale Transformation
Foto: Rob Wilson / shutterstock.com
IT-Chef Mario Crameri spricht über DevOps, Agilität und das Verhältnis von IT und Operations. Die Digitalisierung ist immer auch ein Balanceakt zwischen Usability und Sicherheit.
Mario Crameri
Mario Crameri: Head IT und Operations der Credit Suisse
(Quelle: Credit Suisse)
Die IT der Credit Suisse Schweiz betreibt zentrale Informatiksysteme der Großbank. Der Head IT & Operations der Schweizer Universalbank, Mario Crameri, verantwortet sowohl den Betrieb als auch einen Teil des Business. Das Zusammenspiel beschäftigt ihn schon sehr lange: Vor einer Dekade schrieb Crameri ein Buch über die Abstimmung zwischen IT und Business. Im Interview blickt er zurück und erklärt, wie er sein Konzept bei Credit Suisse umgesetzt hat.
com! professional: Vor fast zehn Jahren haben wir uns schon einmal über das Verhältnis zwischen Business und IT unterhalten. Was hat sich seitdem geändert?
Mario Crameri: Vor allem die Art und Weise, wie wir zusammenarbeiten. Ich will es an zwei Faktoren festmachen. Erstens: die agile Organisation. Wird das Konzept richtig umgesetzt, verschmelzen IT und Business. Wir haben in den vergangenen drei Jahren massiv an einer agilen Projektorganisation gearbeitet und sind sehr weit fortgeschritten.
com! professional: Und der zweite Faktor?
Crameri: Im Zuge der Digitalisierung hat sich die Bedeutung der IT und ihre Wahrnehmung in der Bank auf allen Ebenen nochmals merklich verstärkt. Dadurch hat sich die Kooperation zwischen IT und Business intensiviert. Wir können es sogar an meiner Person festmachen: Ich darf seit drei Jahren neben der IT auch Operations leiten. In dieser Zeit haben wir ein Großprojekt erfolgreich abgeschlossen: die Digitalisierung von Operations. Wir haben rund 200 bisher manuelle Prozesse komplett digi­talisiert. Ein Beispiel: Bis jetzt mussten für das Eröffnen eines „3.-Säule-Vorsorgekontos“ viele Formulare ausgefüllt werden. Heute können Kunden einen Antrag direkt im Online-Banking auszufüllen - die Eröffnung erfolgt binnen weniger Minuten, vollautomatisiert und papierlos.
Der große Unterschied zwischen den Digitalstrategien des Marktes und der Credit Suisse ist die Durchgängigkeit. Wir halten nichts von der Strategie „lipstick on a pig“, die natürlich kurzfristig günstiger ist und viel schneller Ergebnisse liefert. Unsere Digitalisierungsprojekte werden wann immer möglich Front-to-Back umgesetzt, sprich vom Kundenkontakt bis ins Verbuchungssystem. Eine Ausnahme ist, wenn die „letzte Meile“ unverhältnismäßig teuer werden würde.
com! professional: Sie waren vor zehn Jahren gerade wieder bei der Credit Suisse gestartet. Heute leiten Sie die IT der Swiss Universal Bank. Wie hat sich der Bereich verändert?
Crameri: Vor zehn Jahren war die IT der Credit Suisse eine globale Organisation. Alle Abteilungen haben an den globalen CIO berichtet. Das hat sich mit dem heutigen CEO geändert. Heute gibt es eine Organisation nach Divisionen, die alle eine eigene IT besitzen. Weiter global aufgestellt sind die IT-Infrastruktur und „Corporate Functions“ wie Risk, Finance und HR, die ihre Services einheitlich an die gesamte Gruppe liefern. Um sicherzustellen, dass der interne Austausch in der IT optimal funktioniert, berichten die divisionalen CIOs sowohl zum Business als auch an den Group CIO.
com! professional: Wie viele Mitarbeiter zählt Ihr Bereich, wie hoch ist das Budget?
Crameri: In der IT der Credit Suisse sind um die 18.000 Personen beschäftigt, die externen Mitarbeiter mitgezählt. Das globale IT-Budget betrug im vergangenen Jahr circa 2,8 Milliarden Franken. Das Verhältnis von „run the bank“ und „change the bank“ ist dabei ausgeglichen.
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