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Endlich agil dank DevOps

DevOps-Investitionen amortisieren sich sehr schnell

von - 02.05.2016
com! professional: Fallen die Kosten zur Einführung von Dev­Ops signifikant aus?
Gerst: Es gibt eine Investition in Automatisierungs-Tools, Technologien, Schulungen und eventuell auch Gebäude. Die Erfahrung zeigt aber, dass sich diese Investition sehr schnell amortisiert. Ist das Testing nämlich einmal automatisiert, steigt die Produktivität der Mitarbeiter. Zudem fallen Kosten weg, die etwa zuvor durch Wartezeiten entstanden sind. Und wenn ich DevOps richtig durchführe, kann ich durch die ideale Test-Coverage viele Fehler schon frühzeitig abfangen. Sie schleichen sich also nicht bis in die Produktivversion ein und müssen somit auch nicht aufwendig im Nach­hinein korrigiert werden.
com! professional: Ist DevOps alternativlos? Bleibt nur diese Denkweise, um auf lange Sicht erfolgreich zu sein?
Gerst: Aus meiner Sicht ja. Das heißt aber nicht, dass jede Applikation im Unternehmen nach DevOps-Kriterien entwickelt werden muss. Es gibt sicherlich Bestandssysteme, die sich selten ändern. Diese müssen nicht unbedingt auf DevOps umgestellt werden. Anwendungen, die in direktem Kundenkontakt stehen, wo es um Wettbewerb geht, wo es um Businessmodelle geht, erfordern DevOps in der einen oder anderen Form. Schließlich geht es darum, agil genug zu sein, um in der Zukunft im Wettbewerb bestehen zu können. Selbst große, etablierte Firmen haben Angst vor den Internet-Start-ups, den Konkurrenten, die links und rechts hochkommen. Deshalb müssen sie genauso schnell neue Features liefern können wie die Start-ups. In den Kernbereichen, die für das Wachstum entscheidend sind, muss DevOps deshalb eingeführt werden.
com! professional: Gibt es eine kritische Masse bei der Teamgröße?
Gerst: Von der Denkweise her nicht, aber in der Praxis natürlich schon. Wenn ich den Entwickler und Tester in einer Person habe, der die Software eventuell auch noch betreibt, muss ich DevOps eher nicht einführen. Auch bei kleineren IT-Abteilungen, bestehend aus zwei, drei Leuten, lohnt es sich nicht. Die arbeiten meist ohnehin schon sehr eng und nach den Grundprinzipien des DevOps.
com! professional: Welche Hürden müssen bei der Umsetzung von DevOps genommen werden?
Gerst: Es gibt viele Hürden. Die größte ist das Beharrungsvermögen der einzelnen Abteilungen. Zwischen Entwicklung und Operations dominiert ein grundsätzlicher Konflikt, weil beide unterschiedliche Ziele verfolgen. Der Entwickler will neue Features herausbringen, Operations hingegen die Ausfallzeiten gering und die Stabilität hoch halten. Und dazwischen stehen die Tester, die von beiden Seiten unter Druck gesetzt werden. Das alles versucht wiederum der Release-Manager unter einen Hut zu bekommen. Es gilt deshalb, alle zu motivieren und davon zu überzeugen, dass DevOps der sinnvollere Ansatz ist.
com! professional: Schlägt der Versuch auch mal fehl?
Gerst: Ja, denn es muss gewollt und die erwähnte Sponsorship da sein. Bei einem unserer Kunden wurde etwa eine Dev­Ops-Abteilung eingeführt. Anstelle von Dev, Test und Operations gibt es dort jetzt aber Dev, Test, Operations und DevOps. Das Projekt hatte keinen wirklichen Durchgriff und es ist dort bis jetzt nicht gelungen, die einzelnen Leute zu überzeugen. In großen Unternehmen spielt immer auch Politik eine Rolle. Es geht um Macht und Einfluss. Diese Risiken muss man permanent unter Kontrolle haben. Das Center of Excellence muss deshalb auch permanent dabei sein, den Prozess in Gang zu halten. Sonst könnte es recht schnell wieder zerfasern. Die richtige Mitarbeiterführung ist also immens wichtig für DevOps.
com! professional: Wie weit oben auf der Agenda muss die Einführung von Dev­Ops stehen? Sofort umsetzen oder mittelfristig zumindest einplanen?
Gerst: Toppriorität – einfach aus dem Grund, weil es einen großen Anteil an der Wettbewerbsfähigkeit hat. Das Thema muss jetzt angegangen werden. Vielleicht nicht in allen Bereichen, aber definitiv dort, wo es zum Kundenkontakt kommt oder der Wettbewerb gefördert werden soll.
com! professional: Haben Sie Erfahrungswerte, wie lange die Einführung von DevOps dauert?
Gerst: Das hängt von der Firmenkultur und dem Management ab. Bei der von mir erwähnten Bank hat es zum Beispiel sieben Monate gedauert, die Entwicklungszyklen auf eine Woche zu reduzieren.
com! professional: Gehen wir mal davon aus, DevOps ist umgesetzt, alle sind zufrieden, die Innovationszyklen sind kurz, die Ziele erreicht. Was kommt danach?
Gerst: Ist DevOps erst eingeführt, werden die Anforderungen an neue Funktionalitäten und an neue Software weiter steigen. Es kommt das Internet of Things, durch das neue Datenkanäle angebunden werden müssen. Wir werden viel mehr Automatisierung in der Entwicklung sehen. Vielleicht wird’s dadurch Software geben, die hilft, intelligenteren Code zu erstellen.

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