Hürden umschiffen

Neue digitale Geschäftsmodelle erschließen

von - 27.07.2017
IT-Abteilung behindert neue Geschäftsmodelle
Foto: Peshkova / shutterstock.com
Mit neuen Geschäftsmodellen können Unternehmen den größten Nutzen aus der Digitalisierung ziehen. Leider stehen IT-Abteilungen diesen Neuerungen oft kritisch gegenüber.
Treiber der Transformation
Ansichtssache: In den Augen der Personalverantwortlichen treibt vor allem die IT-Abteilung die Digitalisierung voran.
(Quelle: Statista 2017 (n=124, DACH-Region) )
Straßenblockaden, brennende Reifen – nicht immer reagieren die Betroffenen auf innovative digitale Geschäftsmodelle so extrem wie die Pariser Taxifahrer im Sommer 2015 auf den App-basierten Fahrvermittlungs-Service Uber. „Solche Abwehrkämpfe sind häufig die erste Reaktion“, sagt Felix Hofmann, CEO des BMI Lab, das Unternehmen bei der Findung neuer Geschäftsmodelle unterstützt, „eine Weile lang mag man mit solchen Blockaden auch erfolgreich sein, langfristig ist das aber keine sinnvolle Strategie.“ Diese Erkenntnis setzt sich langsam auch im deutschen Mittelstand durch, wie Anna Milaknis, Absolventin der School of Design Thinking am Hasso-Plattner-Institut, aus eigener Beratungserfahrung weiß: „Die Unternehmen haben erkannt, dass sie etwas tun müssen, es fehlt aber häufig das Wissen darum, wie sich innovative Prozesse initiieren und gestalten lassen.“
Wie das BMI Lab und Milaknis ist auch Andreas Herch, Geschäftsführer des Systemhauses Netz16, angetreten, diese Defizite zu beheben. Herch hat gemeinsam mit der Unternehmensberatung Tefen die Consulting-Firma TefCoNet gegründet, die Kunden bei Transformationsprojekten behilflich sein soll. Dazu war auch bei Herch ein Umdenken nötig. „Wir wollten früher immer so schnell wie möglich in die Produktentwicklung. Heute schauen wir uns lieber erst einmal die Prozesse genauer an und entwerfen eine Vorstellung vom Sollzustand.“ Es sei wichtig, am Anfang lieber einen Schritt mehr zu machen, so Herch weiter, „danach tue ich mich viel leichter, egal welches digitale Projekt ich entwickle.“

Aller Anfang ist Design

Der richtige Einstieg ist bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Er entscheidet oft darüber, ob wirklich Innovationen entstehen. Eine beliebte Methode, die Ideenfindung zu beschleunigen und zu strukturieren, ist Design Thinking. „Der große Vorteil von Design Thinking-Workshops ist, dass alle Stimmen gleichberechtigt zählen und alle Teilnehmer in die Ideenfindung mit einbezogen werden – egal ob es sich um den Vorstand oder den Azubi handelt“, sagt Anna Milaknis. Gearbeitet wird dabei in kleinen Gruppen mit je einem Moderator für fünf Teilnehmer. Phasen der kreativen Ideenspinnerei werden bewusst von denen der Entscheidungsfindung getrennt. „Ziel ist es, am Ende des Workshops einen Prototypen zu haben“, so Milaknis weiter. Diesen Vorschlag gelte es, in Ruhe weiterzuentwickeln. „In drei Workshop-Tagen lässt sich kein komplettes digitales Geschäftsmodell entwerfen.“
Anna Milaknis
Design Thinkerin und Ideenmentorin
Foto: Farina Deutschmann
„In drei Workshop-Tagen lässt sich kein komplettes digitales Geschäftsmodell entwerfen.“
Auch Herch hält Design Thinking für den besten Ansatz, um auf neue Geschäftsideen zu kommen: „Das ist der Weg, den derzeit alle gehen.“ Der Systemhaus-Chef hat die Methode selbst angewandt, um das Lead-Management in seinem Unternehmen zu verbessern. Bisher hatte der technische Außendienst akquirierte Leads in Excel-Tabellen erfasst und diese per E-Mail in die Zentrale geschickt. Mit steigenden Lead-Zahlen wurde dieses Vorgehen jedoch immer unbrauchbarer: „Im vergangenen Jahr haben wir rund 1.000 Leads bekommen – 1.000 Excel-Blätter ansehen, bewerten, einpflegen, das hat uns an die Grenzen gebracht.“ Den klassischen Ansatz, das Lead-Management an das CRM- oder ERP-System anzudocken, verwarf Herch recht schnell: „Das hätte ewig gedauert und wäre teuer geworden.“
Deshalb versuchte das Systemhaus, mit Hilfe von Design Thinking eine Lösung zu finden – mit Erfolg: Das für die Umsetzung verantwortliche Team konzipierte eine webbasierte Lösung mit Basisfunktionen, ein „Minimum Viable Product“ (MVP). „Das Ganze hat zwei Monate Designarbeit, eine Woche Entwicklung und eine Woche für den Roll-out gedauert.“ Die App wird in Zusammenarbeit mit den Anwendern kontinuierlich weiterentwickelt. „In der täglichen Praxis hat sich gezeigt, dass oft ganz andere Funktionen nötig sind, als wir gedacht hatten.“ Herch empfiehlt auch seinen Kunden bei Digitalisierungs-Projekten diesen Ansatz: „Wir brauchen einfach Geschwindigkeit, die klassischen betriebswirtschaftlichen Modelle sind viel zu statisch und kompliziert.“
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