In-Memory-Plattform

Wie sich SAP mit HANA neu erfunden hat

von - 24.03.2017
SAP
Foto: Bakhtiar Zein / Shutterstock.com
Nach holprigem Start wird SAPs In-Memory-Technik zu einer Erfolgsgeschichte. com! professional zeigt, wie sich SAP mit HANA neu erfunden hat.
Wenn man heute von SAP spricht, dann spricht man von HANA. Denn HANA steht zum einen für die Vorteile (und die Nachteile) einer bahnbrechenden Innovation, der In-Memory-Technik, zum anderen für die Verwandlung eines reinen Software-Unternehmens mit On-Premise-Architektur hin zu einer – wie SAP selbst gern von sich sagt – „Cloud Company“. Die im Kern auf einer In-Memory-Datenbank basierende Cloud-Plattform HANA war SAPs Antwort auf Angebote der Konkurrenz, günstigere monatliche Cloud-Nutzungsgebühren für Business-Software einzuführen.
Das Umwälzende an diesem Ansatz betont auch Hasso Plattner, Co-Founder und Aufsichtsratsvorsitzender von SAP, wenn er davon spricht, dass SAP mit HANA ein komplett neues System entwickelt habe, „mit einer komplett neuen Datenbank, einer komplett neuen Anwendererfahrung und einer komplett neuen Anpassung an die Bedürfnisse der Unternehmen“.
Hasso Plattner
Aufsichtsratsvorsitzender von SAP
Foto: SAP
„Wir haben basierend auf HANA ein komplett neues System entwickelt, mit einer komplett neuen Datenbank, einer komplett neuen Anwender­erfahrung und einer komplett neuen Anpassung an die Bedürfnisse der Unternehmen.“
Verbunden mit der Entwicklung von HANA war zugleich ein Strategiewechsel, nämlich das Bestreben, künftig vor allem aus eigener Kraft zu wachsen und sich mit eigenen Innovationen zu verändern anstatt durch Zukäufe anderer Unternehmen und ihrer Kunden (= Masse) oder durch Zukäufe von Start-ups, Produkten, Ingenieuren und Entwicklern (= Technologie).
HANA bildet dem Analystenhaus Forrester zufolge das Rückgrat der digitalen Strategie von SAP. Die Zahl der verkauften HANA-Plattformen soll rund 10.000 betragen, also etwa das Doppelte von S/4HANA, der ERP-Cloud-Plattform von SAP. Vielen Anwendern fällt es schwer, diese beiden HANA-Varianten auseinanderzuhalten. Zudem sorgt SAP selbst immer wieder für eine gewisse Konfusion, indem laufend neue HANA-Produkte auf den Markt gebracht werden.
Mit HANA wagte SAP einen tiefen Eingriff an einer zentralen Stelle des komplexen SAP-Ökosystems. Angesichts dieser Veränderungen fühlen sich viele Unternehmen nicht ausreichend darüber informiert, welche Auswirkungen die neue Ausrichtung auf die eigenen Installationen haben könnte.
Was also ist mit HANA genau gemeint? Was ist wirklich neu? Und brauchen die Kunden das?

Was ist HANA?

HANA ist im Kern eine In-Memory-Plattform, mit der große Datenvolumen in Echtzeit verarbeitet werden können. Möglich wird das vor allem durch Nutzung des Arbeitsspeichers und diverser Caches aktueller Hardware. Den Hauptzweck von HANA sieht SAP darin, „komplexe Abfragen jeglicher Art in kürzester Zeit durchzuführen, ohne dabei die Daten im Vorfeld zu aggregieren – und somit Informationen zu verlieren“.
SAP HANA
SAP HANA: Die In-Memory-Plattform für Analytics und Applikationen ist als Appliance oder als Cloud-Lösung verfügbar.
(Quelle: SAP)
HANA verleiht zunächst also bestehenden Anwendungen mehr Performance und braucht dafür weniger Zeit. Zum Beispiel gehen Anfragen an Datenbanken schneller über die Bühne, was die Arbeit von Datenanalysten und die Durchführung von Big-Data-Queries erleichtert.
In dem SAP-Dokument „What is SAP HANA?“ findet sich, verpackt in viel Eigenlob, folgende Defini­tion für HANA: „SAP HANA ist eine In-Memory-Datenplattform, die als interne Appliance oder in der Cloud eingesetzt werden kann. Es handelt sich um eine revolutionäre Plattform, die sich optimal für die Durchführung von Echtzeit-Analytics sowie für die Entwicklung und den Einsatz von Echtzeit-Anwendungen eignet. Den Kern dieser Plattform bildet die SAP-HANA-Datenbank, die sich komplett von anderen auf dem Markt befindlichen Database Engines unterscheidet.“
Erste Pläne für HANA gehen wohl auf das Jahr 2009 zurück. Im Juni 2010 wurde HANA allgemein für Stand-alone-Analytics-Anwendungen verfügbar gemacht. Mittlerweile hat sich HANA von einer relationalen In-Memory-Datenbank, die nur SAP-Applikationen und HTAP (SQL-Datenbanken) unterstützte, zu einer kompletten Plattform entwickelt. Sie umfasst unter anderem ein Frontend (Fiori UX), Archivfunktionen (Tiered Storage mit SAP IQ), Verbindungen zu Hadoop (via HANA Vora), eine Engine für Stream Analytics und Fähigkeiten zu Datenintegration und Analytics. Dank In-Memory-Technik müssen keine Daten mehr hochgeladen werden, und es werden Standards wie SQL (Structured Query Language) oder MDX (Multidimensional Expressions) unterstützt.
Eingesetzt wird SAP HANA hauptsächlich von SAP-Anwendern für SAP-Daten. Anfang 2016 war es bei über 10.000 Kunden installiert. Ein Schnäppchen ist HANA allerdings nicht. Laut dem US-Magazin „Forbes“ gilt HANA selbst in der nicht gerade kostengünstigen SAP-Produktfamilie als ausgesprochen teuer.
Um Unternehmen Appetit auf HANA zu machen, hat SAP deshalb auf seiner Hausmesse TechEd im September 2016 HANA Express vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine abgespeckte Version der In-Memory-Plattform, die den Einstieg in die Arbeit mit HANA vereinfachen soll. Außerdem bietet sie Software-Entwicklern die Möglichkeit, neue Anwendungen zu testen. Für einen professionellen Einsatz reicht diese kostenlose Promotion-Edition allerdings nicht aus. SAP stellt für HANA Express 32 GByte Speicherplatz zur Verfügung, der ebenfalls nichts kostet. Die HANA Express Edition gibt es zum Download.
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