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Intelligente Datenanalyse in der Praxis

Abrüsten beim Datenschutz

von - 12.02.2019
Die umfassende Digitalisierung der Wirtschaft und des Alltags vieler Menschen hat dafür gesorgt, dass eine Flut von medizinischen Daten entstanden ist, die nach Ansicht von Dorothee Bär mit traditionellen Methoden nicht mehr kontrolliert werden kann beziehungsweise auch nicht mehr sollte. Dorothee Bär ist Staatsministerin im Bundeskanzleramt und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung.
In einem Interview mit der „Bild“-Zeitung und der „Welt am Sonntag“ verlangte Bär eine „smarte Datenkultur“. In Deutschland existiert ihrer Ansicht nach noch ein „Datenschutz wie im 18. Jahrhundert“. Bär: „Das blockiert viele Entwicklungen im Gesundheitswesen, deshalb müssen wir da auch an der einen oder anderen Stelle abrüsten, einige Regeln streichen und andere lockern.“
Franz Bergmüller
Vorstandsmitglied bei
der Württembergischen
Versicherung
www.ww-ag.com/de
Foto: Württembergische Versicherung
„Das Internet der Dinge wird großen Einfluss auf die Produktgestaltung und -bepreisung haben.“
Aussagen wie diese stoßen allerdings nicht immer auf Begeisterung. „Die Menschen müssen sicher sein, dass Informationen über ihre Krankheit und Therapie nicht ungeschützt für jedermann zugänglich sind“, zitierte die Deutsche Presse Agentur den Vorstand der Deutschen Stiftung für Patientenschutz, Eugen Brysch.
Das Thema Big Data stellt die Informationssicherheit und den Datenschutz auch nach Ansicht des Digitalverbands Bitkom vor ganz neue Herausforderungen. In seinem Leitfaden „Big Data im Praxiseinsatz – Szenarien, Beispiele, Effekte“ schreibt der Branchenverband, dass zu den ersten Maßnahmen vor der Umsetzung von Big Data der Aufbau einer Data Governance gehöre, die sämtliche Prozesse und Verantwortlichkeiten festlege und die Compliance-Richtlinien definiere.

Was ist eigentlich Big Data?

Big Data ist auf jeden Fall mehr als nur die Ansammlung gigantischer Datenmengen. Schließlich ist ihre Verarbeitung kein neues Phänomen. Bei Big Data geht es immer auch um die Analyse und die Nutzung dieser Daten. Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung konventioneller Verfahren aus dem Bereich Business Intelligence (BI). Mit Hilfe von Algorithmen werden die anfallenden Datenberge nach Mustern und Zusammenhängen durchforstet. Anders als früher wird dabei nicht mehr die einzelne Nadel im Heuhaufen gesucht, sondern dessen bislang verborgene Struktur. Manche sprechen deswegen statt von Big Data mittlerweile bereits von Smart Data.

Ursachen auf den Grund gehen

Um beim Beispiel der Medizin zu bleiben, geht es hier also darum, zu verstehen, warum eine Erkrankung überhaupt entsteht. Welche Zusammenhänge wurden bisher übersehen? Warum reagieren verschiedene Menschen unterschiedlich auf bestimmte Krankheiten?
Big Data
Big Data an erster Stelle: Bei sechs von zehn deutschen Unternehmen stand
2018 Big Data weit oben.
(Quelle: com! professional )
Bei Diabetes hat das zum Beispiel dazu geführt, dass die Mediziner heute nicht mehr nur von einigen wenigen Formen, sondern gleich von zehn Erkrankungsformen ausgehen. Das kann letztlich zu einer besseren Versorgung der Patienten führen. Oder wie es der Digitalverband Bitkom formuliert: „Big Data unterstützt die wirtschaftlich sinnvolle Gewinnung und Nutzung entscheidungsrelevanter Erkenntnisse aus qualitativ vielfältigen und unterschiedlich strukturierten Informationen, die einem schnellen Wandel unterliegen und in bisher ungekanntem Umfang zu Verfügung stehen.“ Big Data biete eine „deutlich verbesserte Grundlage für die Vorbereitung zeitkritischer Entscheidungen mit besonderer Komplexität“. Der Branchenverband nennt dies eine „industrielle Revolution der Daten“, die auf lange Sicht gesehen zum eigentlichen Produkt würden.
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