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Häufig fehlt ein Plan B für den Access-Ausfall

Favorisierter Medienmix

von - 25.01.2019
Mirko Mach ist anderer Meinung: "Der GigaCube ist eher ein Privatkundenprodukt, viele Firmen brauchen für ihre Anwendungen eine feste IP-Adresse, beispielsweise für den Exchange-Server, damit sie weiter E-Mails empfangen können – deshalb ist er für den Business-Bereich nur bedingt geeignet."
Mach rät deshalb zu alternativen Lösungen – die auch zu kleinen Budgets passen. "Bei einem echten LTE-Backup vom Netzbetreiber liegen die Kosten zwischen 80 und 100 Euro pro Monat, dafür haben diese Kunden allerdings eine feste IP-Adresse und ein automatisches Failover", sagt er. Wenn
also der eine Anschluss ausfällt, wird der Traffic automatisch über den anderen geroutet.
Unisono raten Oehring und Mach allen Kunden zu einem Medienmix: Manche Netzbetreiber bieten etwa eine Primärleitung auf Glasfaser- und ein Backup auf Kupferbasis – eine Lösung, die Oehring favorisiert und die vor allem für kleinere Kunden geeignet ist. "Wir raten unseren Kunden ohnehin, für Daten und Sprache zwei getrennte Leitungen zu nutzen, um den Quality of Service zu verbessern", berichtet er. Bei Access-Problemen kann dann der zweite Anschluss vorübergehend für beide Anwendungen genutzt werden. Zwar führt das manchmal zu Einschränkungen, doch ein Ausfall zieht sich nur in Ausnahmefällen über mehrere Tage hin.
Mirko Mach
Geschäftsführer
MPC Service GmbH
Foto: MPC Service GmbH
„Nach einem Ausfall spielt Geld für das Backup nur noch eine unter­geordnete Rolle.“
Allerdings ist es eine Frage der Philosophie, ob Unternehmen für Sprache und Daten zwei getrennte Leitungen brauchen, schließlich müssten dann auch zwei Leitungen administriert werden. Mach sieht noch einen weiteren Nachteil: "Beide Leitungen sind terrestrisch", sagt er. In der Regel würden die Trassen zwar nicht parallel verlegt, aber man könne nie sicher sein. Besser sei deshalb eine Medienre­dundanz, die Primärleitung beispielsweise auf Glasfaserbasis und die Sekundärleitung auf Basis von LTE oder Richtfunk.

LTE oder Richtfunk

Letztere präferiert aber eher Mach und nicht der Beraterkollege Oehring: "Wir haben früher viel mit Richtfunk gearbeitet, machen das heute aber selten", sagt der FScon-CEO. Der Grund: Die Projekte seien zu komplex und damit teurer, gleichzeitig würden die LTE-Netze immer besser. Darüber hinaus sei bei Richtfunk eine ­Einwilligung des Hauseigen­tümers nötig, schließlich müsse auf dem Dach eine Antenne installiert werden. "Und wenn wir 5G haben, dann braucht niemand mehr Richtfunk", ist er sich sicher.
Mach hingegen hält den Access via Richtfunk für die hochwertigere Backup-Variante: "Ein Vorteil ist die feste Bandbreite. Bei LTE muss man sich die Bandbreite in einer Zelle teilen und es ist davon auszugehen, dass bei einem Ausfall in einem Gebiet die LTE-Zellen stärker ausgenutzt werden", erklärt er. Und wenn der Richtfunkanschluss über einen anderen Internet-Knoten (POP) als der Primäranschluss terminiere, sei dies ein Plus an Sicherheit. Doch auch er räumt ein, dass vor allem größere Kunden sich für die – im Vergleich zu LTE – teurere Richtfunk-Variante entscheiden. Häufig komme dieses Modell beispielsweise für größere Haupt­standorte oder bei Rechenzentrums­an­bindungen zum Einsatz.
Und wie ist die Akzeptanz der Kunden? Viele Unternehmen seien erst dann bereit für ein Backup, wenn sie schon einmal einen Ausfall hatten, erklären beide Berater. "Häufig spielt dann Geld nur noch eine untergeordnete Rolle, da entscheiden sich die Firmen für eine hochwertige Lösung", so Machs Erfahrung. Und Oehring ergänzt: "Die Preise für Bandbreite befinden sich im Sturzflug, viele Kunden investieren diese Einsparungen zumindest zum Teil in eine Backup-Lösung." Man habe aber immer einen Teil Kunden, die einfach beratungsresistent seien – zumindest bis zum ersten Ausfall.
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