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Sicherheit

Ist Linux sicherer als Windows?

von - 07.02.2012
Ist Linux sicherer als Windows?
Windows läuft auf gut 90 Prozent aller PCs. Doch viele Benutzer haben einfach die Nase voll davon, sich ständig mit der Sicherheit des Systems beschäftigen zu müssen. Sind Ubuntu und Mac OS sicherer?
PC Benutzer wechseln ihr Betriebssystem nur ungern. Wer einmal Microsofts Windows oder Apples Mac OS nutzt, bleibt auch dabei. In letzter Zeit bröckelt die Macht des „Microsoft-Monopols“ jedoch etwas. Auf mobilen Geräten sind Microsoft-Produkte bisher kaum zu finden und der Boom bei iPhone und iPad (iOS) hat auch den Macs (Mac OS X) einige Zuwächse beschert. Wer Apple nicht mag, greift zu Android Smartphones und Tablets. Damit sind zwei Betriebssysteme im Aufwind, deren Ursprung auf Unix zurückzuführen ist. Mac OS X und iOS basieren auf dem von Steve Jobs entwickelten Next und Android auf Linux. Unix-Systeme und deren Abkömmlinge gelten als besonders sicher. Das liegt unter anderem daran, dass Unix-Systeme für den professionellen Einsatz im Netzwerk und für Mehrbenutzer-Arbeitsplätze entwickelt wurden.

Sicherheitsmängel bei Windows

Die mangelhafte Sicherheit von Windows war jedoch nie ein Hinderungsgrund für die Käufer. Windows 95 war für den Einsatz im Netzwerk und für mehrere Benutzer kaum geeignet. Es fehlten grundlegende Funktionen zum Schutz vor Angriffen aus dem Internet und es gab nur ein rudimentäres Rechtesystem zum Schutz der persönlichen Daten vor unbefugtem Zugriff. Erst als mit Windows XP Techniken aus dem professionellen Server-Bereich Einzug in den PC für jedermann hielten, wurden einige dieser Mängel beseitigt. Allerdings fehlte Windows XP von Haus aus eine wirksame Firewall. Daher konnten ab etwa 2003 Internet-Würmer wie Blaster und Sasser zahlreiche PCs problemlos infizieren. Erst mit dem Service Pack 2 spendierte Microsoft Windows XP nachträglich eine Firewall. Viren und Würmer haben bei Windows XP auch deshalb ein leichtes Spiel, weil viele Benutzer unter einem Konto mit administrativen Rechten arbeiten und nicht regelmäßig Sicherheits-Updates installieren. Nur so ist es zu erklären, dass ein Trojaner wie DNS-Changer massenhaft die Netzwerkeinstellungen der Rechner ändern konnte. Erst in Windows Vista und Windows 7 hat Microsoft Funktionen eingebaut, die die Sicherheit deutlich verbessern. Dazu gehört vor allem die Benutzerkontensteuerung, die erhöhte Rechte nur dann anfordert, wenn ein Programm sie wirklich benötigt, etwa bei der Installation.
Darum ist Windows ein bevorzugtes AngriffszielViele Windows-Sicherheitsmängel waren zumindest in der Vergangenheit auf Schwächen des Betriebssystems zurückzuführen. Mit Windows 7 hat sich das jedoch grundlegend geändert. In der Top-10-Liste der angegriffenen Software aus dem Kaspersky-Sicherheitsbericht 2011 taucht Microsoft nur einmal auf. Windows-Trojaner führen aber immer noch die Top-20-Liste der auf den PCs gefundenen Schadsoftware an.
Der Grund dafür ist einfach: Es ist für Kriminelle lohnender eine Schadsoftware für ein weit verbreitetes Betriebssystem zu entwickeln, als für ein System mit zwei Prozent Marktanteil. Die Schädlinge gelangen jedoch in der Regel nicht mehr über Fehler im Betriebssystem auf die Festplatte, sondern weil Benutzer infizierte Software herunterladen oder Sicherheitslücken im Adobe Reader oder Adobe Flash Player ausgenutzt werden. Ein Beispiel dafür ist der verbreitete BKA-Trojaner.

Sind Linux oder Mac OS X wirklich sicherer?

In Software gibt es immer Fehler, die von Kriminellen ausgenutzt werden können. Wer jedoch weniger verbreitete Produkte von vielen unterschiedlichen Herstellern einsetzt, kann die Sicherheit verbessern. Denn Schädlinge sind fast immer auf weit verbreitete Software spezialisiert. Statt zum Adobe Reader kann man zum Foxit Reader greifen und statt des Windows Media Players kann der VLC Media Player zum Einsatz kommen. Alternative Software-Produkte für alle Anwendungsbereiche finden Sie beispielsweise über alternativeto.net.
Was für Software gilt, trifft auch auf das Betriebssystem zu. Für Mac OS X und Linux gibt es weniger Schadsoftware als für Windows. Wer sich mehr Sicherheit wünscht, steigt am besten auf Linux um. Denn anders als bei Mac OS X ist es dafür nicht erforderlich, sich einen neuen Rechner zu kaufen. Zum Ausprobieren lässt sich Linux auch neben Windows auf der Festplatte einrichten. Es gibt außerdem einige Sicherheitsfunktionen, bei denen Linux gegenüber Windows im Vorteil ist:
  • Die Installation von Software erfolgt fast ausschließlich aus dem Angebot („Repository“) des Linux-Anbieters („Distributor“). Die Software ist geprüft und als sicher anzusehen. Downloads aus fremden Quellen im Internet sind nicht ohne weiteres möglich und auch fast nie nötig. Denn der jeweilige Linux-Anbieter stellt Programme aus praktisch allen bekannten Bereichen kostenlos zur Verfügung.
  • Die Aktualisierung des Betriebssystems und aller installierten Programme erfolgt zentral von den Servern des Distributors - bei Bedarf auch automatisch. Umständliche Updates einzelner Programme entfallen. Dadurch ist es deutlich einfacher, System und Software stets auf dem aktuellen Stand zu halten.
  • Wer doch einmal ein Programm aus dem Internet herunterlädt, kann es nicht ohne Weiteres starten. Heruntergeladene Dateien sind unter Linux ohne expliziten Eingriff des Benutzers nicht ausführbar.
  • Unter Linux sind es Benutzer gewohnt, nur mit eingeschränkten Rechten zu arbeiten. Höhere Rechte sind nur für die Installation neuer Programme oder Updates erforderlich und werden daher selten angefordert. Das verhindert, dass potentielle Schadsoftware das Betriebssystem beeinträchtigen kann.

Welche Nachteile sind bei Linux zu erwarten?

Der Umstieg auf ein anderes Betriebssystem ist immer mit einer gewissen Einarbeitungszeit verbunden. Nur wer die Bereitschaft dafür mitbringt, sollte zu Linux wechseln. Benutzer, die auf spezielle Software angewiesen sind, sollten ebenfalls besser bei Windows bleiben. Adobe Photoshop, Adobe Premiere oder Microsoft Office laufen unter Linux nicht. Es gibt zwar die Möglichkeit auch diese Programme in einer Linux-Umgebung zu nutzen (über Wine oder eine Virtualisierungs-Software wie VirtualBox), in der Praxis ist das aber relativ umständlich. Auch Spiele bleiben außen vor, denn die gibt es meist nur für Windows.
Wer jedoch seinen PC vor allem für die typischen Büroaufgaben oder zum Internet-Surfen verwendet, findet in Linux ein passendes, komfortables und sicheres Betriebssystem. Allerdings sollten Umstiegswillige den PC oder das Notebook vorher ausführlich mit einer Linux-Live-CD testen, denn nicht jede Hardware ist für Linux geeignet. Das geht am einfachsten mit der kostenlosen Ubuntu Live-CD, von der aus sich das System bei Bedarf auch auf der Festplatte einrichten lässt.

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