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Work-Life-Ba­lance

Home Office ist Licht und Schatten zugleich

von - 17.09.2019
Mann im Home Office
Foto: Andrey_Popov / Shutterstock.com
Beim Thema Home Office scheiden sich die Geister: Einerseits wird die flexible Arbeitskultur gemeinhin als effizienter und familienfreundlicher betrachtet, andererseits drohen Überbelastungen aufgrund mangelnder Erholung.
Aufstehen, Anziehen, Laptop an: Der Weg ins Home Office ist kurz. Immer mehr Arbeitnehmer machen zumindest tageweise ihre Wohnung zum Büro. Mails, Telefonkonferenzen, ja ganze digitale Team- und Software-Projekte lassen sich ungestört zu Hause erledigen, wenn die Bandbreite stimmt.

Drei Viertel derer, die zu Hause arbeiten, meinen, dass sie dort konzentrierter arbeiten, zwei Drittel schaffen am Wohnzimmertisch mehr Arbeit als im Betrieb, wie eine AOK-Umfrage ergab. Doch die Krankenkasse warnt: Das flexible Arbeiten kann psychische Belastungen verstärken, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen.

"Dienstliche Probleme werden gedanklich weiterbearbeitet, wenn man zu Hause ist, weil dort die Arbeit jederzeit wiederaufgenommen werden könnte", erklärt Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Wer zu Hause immer wieder den Rechner hochfährt oder zum Handy mit den Dienstmails greift, ist demnach meist nervöser und reizbarer als die Kollegen, die ihre Arbeit im Büro zurücklassen.

Deutschland ist Nachzügler

Etwa 40 Prozent der Unternehmen ermöglichen es ihren Beschäftigten, von zu Hause zu arbeiten, wie auch andere Studien ergaben. Laut Statistischem Bundesamt arbeitete 2017 etwa jeder neunte Beschäftigte gewöhnlich oder gelegentlich zu Hause. In anderen EU-Staaten wie den Niederlanden und Schweden ist es schon mehr als jeder Dritte. In Deutschland bröckelt die Präsenzkultur nur langsam.

Vor allem Besserverdienende und Arbeitnehmer mit Kindern machen Home Office, hohe Quoten gibt es in Informations- und Kommunikationsberufen sowie bei wissenschaftlichen und technischen Dienstleistern, wie aus Antworten der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht. Wer zu Hause arbeitet, macht demnach mehr Überstunden als andere Beschäftigte. Linke und Grüne fordern daher klare Regeln für die Heimarbeiter, damit für sie kein zusätzlicher Stress entsteht.
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