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Der Kampf um die guten Mitarbeiter

Soziale Verantwortung

von - 19.12.2019
Im Frühjahr haben Kununu und Pro Familia Schweiz, der Dachverband der Familienorganisationen, ausgewertet, welche Schweizer Arbeitgeber im Hinblick auf Familienfreundlichkeit mit Vorbildfunktion vorangehen. An die Spitze des Rankings schaffte es die Web- und App-Agentur Liip, die 2007 aus der Fusion von Mediagonal aus Freiburg und Bitflux aus Zürich hervorging. In die Auswertung wurden Arbeitgeber einbezogen, die innerhalb eines Jahres mindestens eine Bewertung auf Kununu bekamen und insgesamt mindestens 80 Bewertungen erhielten. „Wir sehen uns als soziale Unternehmer, die etwas für die Gesellschaft tun wollen“, betont Nadja Perroulaz. Sie gründete Liip gemeinsam mit Christian Stocker, Gerhard Andrey und Hannes Gasser.
Einen Beitrag zum Thema Gleichstellung leistet die Web- und App-Agentur etwa, indem sie Vätern einen bezahlten Vaterschaftsurlaub von vier Wochen zuspricht. „Damit beabsichtigen wir auch, den jeweiligen Partnerinnen den Einstieg in das Berufsleben zu erleichtern. Väter können den Urlaub beispielsweise genau dann nehmen, wenn die Frauen wieder anfangen zu arbeiten“, erklärt Perroulaz.
Liip bemüht sich insgesamt um stimmige Konditionen für die Arbeitnehmer. Der Co-Founderin zufolge will die Firma ein Gesamtpaket bieten - unter anderem mit der Möglichkeit zur Teilzeitarbeit, Jahresarbeitszeit, internen Weiterbildungsangeboten oder einem transparenten Gehaltssystem. Die Web- und App-Agentur mit Niederlassungen in der Deutsch- und Westschweiz gehört zudem zu 100 Prozent den Mitarbeitern und den Verwaltungsräten. Die Firma habe knapp 80 Aktionäre, die Nachfrage nach Liip-Papieren sei ungebrochen, freut sich Perroulaz. „Sobald jemand geht und die Aktien frei werden, gehen sie weg wie warme Milchbrötchen.“ Indem man Mitarbeiter zu Aktionären macht, will man bei Liip Verantwortungsbewusstsein und unternehmerisches Denken fördern.
Nadja Perroulaz
Nadja Perroulaz
Co-Founderin von Liip
www.liip.ch/de
Foto: Liip
„Wir sehen uns als soziale Unternehmer, die etwas für die Gesellschaft tun wollen.“

Moderne Organisation

Zum Gesamtpaket gehört auch, dass im Unternehmen nach dem holokratischen Modell gearbeitet wird - einer Methodik für Selbstorganisation. Grundsätzlich geht es bei diesem Modell darum, Kompetenzen anders zu organisieren. Entscheidungen werden dort gefällt, wo die Kompetenz liegt. „Man will wegkommen vom Denken, dass die Person, die am längsten dabei ist, immer alles besser weiß“, erklärt Perroulaz.
Gleichzeitig finde auch ein Umdenken von Jobs zu Rollen statt. Teammitglieder haben nicht einfach einen Job, sondern füllen verschiedene Rollen aus. Dabei verfügt jede Rolle über Entscheidungskompetenz und übernimmt die maximale Verantwortung. „Man muss keine Vorgesetzten im ‚Lustigen Leiterspiel‘ überzeugen, dass es eine gute Idee ist, etwas zu ändern“, erläutert die Liip-Mitgründerin.
Das sei ausschlaggebend gewesen für die Wahl von Holokratie als Organisa­tionsform. „Liip hatte schon von Anfang an eine flache Hie­rarchie. Wir haben aber bemerkt, dass es Bedarf an Struktur gibt, und nach einem Modell gesucht, das nicht den klassischen Prinzipien von Hierarchie und Macht entspricht.“ Vorteilhaft am holokratischen Modell sei beispielsweise, dass die klassische Karriereleiter nicht mehr existiere. So riskiert man zum Beispiel mit einer Babypause oder einer längeren Auszeit keinen Karriereknick.
Organisiert ist Liip seit 2016 nach diesem System. Der Mitgründerin zufolge hat das Team dies befürwortet. Bereits zuvor sei dafür eine Basis gelegt worden, da man mit agilen Projektmethoden wie Scrum gearbeitet und Erfahrungen mit Cross-functional-Teams und -Gilden gesammelt habe. „Klar gab es, wie bei jedem Change, auch Befürchtungen und Zurückhaltung. Grundsätzlich herrschte aber eine sehr positive Einstellung.“ Der Knackpunkt bei der Einführung solcher Systeme sei vielmehr das Führungsteam, ist Perroulaz überzeugt. „Grundvoraussetzung dafür ist, dass es bereit ist, die ‚Kontrolle‘ oder ‚Macht‘ abzugeben. Wenn man dazu nicht bereit ist, dann funktionieren solche Modelle nicht.“
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