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Internet und Produktion

Vor Industrie 4.0 kommt noch Industrie 3.0

von - 15.10.2015
Fabrikgebäude
Foto: mamanamsai / Shutterstock.com
Was hinter Industrie 4.0 steckt und warum der Weg dorthin schrittweise erfolgen muss - ein Überblick von Christoph Plass, Gründer und Vorstand der Managementberatung Unity.
Industrie 4.0 gilt als das zentrale Zukunftsthema produzierender Unternehmen. Vergleichen lässt sich die momentane Situation der Industrie mit der des Handels vor rund 15 Jahren. Viele Skeptiker sahen damals in der Internetbewegung nur einen kurzfristigen Hype. Heute können wir sagen, dass sich das Internet durchgesetzt und den klassischen Handel durch E-Commerce disruptiv verändert hat. Die Gewinner heißen Ebay, Amazon und Zalando.
Vernetzt: Die Smart Factory ist über die gesamte Lieferkette vernetzt – im Produktionsverbund und mit dem Kunden.
Vernetzt: Die Smart Factory ist über die gesamte Lieferkette vernetzt – im Produktionsverbund und mit dem Kunden.
(Quelle: Unity)
Eine ähnliche Entwicklung wird jetzt für produzierende Unternehmen vorhergesehen – das Internet revolutioniert die Produktion. Um auch zukünftig wettbewerbsfähig zu sein, ist es für Unternehmen daher unerlässlich, sich frühzeitig mit den sich bietenden Möglichkeiten von Industrie 4.0 zu beschäftigen.

Vierte Revolution

Jede industrielle Revolution geht mit einer neuen Technologie einher und wird von dieser vorangetrieben. Während der ersten industriellen Revolution die Erfindung der Dampfmaschine zugrunde lag, war die zweite industrielle Revolution durch die Elektrizität geprägt. Die Technologie der dritten industriellen Revolution war der Computer, der nun voll automatisierte Fertigungssysteme ermöglichte. Und die vierte industrielle Revolution, daher auch die momentan gebräuchliche Bezeichnung Industrie 4.0, steht für den Einzug des Internets in die Produktion.
Zwischen Industrie 3.0 und Industrie 4.0 besteht aber offenbar eine erhebliche Verwechslungsgefahr. Viele zu Industrie 4.0 veröffentlichte Beispiele und Erklärungen stellen eigentlich Beiträge zur Industrialisierung auf dem Stand von Industrie 3.x dar, also der vorangegangenen Revolution.
Bei Industrie 4.0 ist jedoch nicht der Computer die zentrale Technologie, sondern das Internet. Dabei sind Werkstücke und Produktionsmittel digital miteinander verbunden und untereinander kommunikationsfähig. Das ermöglicht es, kundenindividuelle Produkte zu den Bedingungen der Massenproduktion herzustellen.

Erst automatisieren

In einer Befragung des Fraunhofer Instituts zum Automatisierungsgrad haben 42,8 Prozent der produzierenden Unternehmen angegeben, ihre Produktion sei vorwiegend manuell geprägt. Bevor die Einführung einer vernetzten Produk­tion im Sinne von Industrie 4.0 in Angriff genommen werden kann, gilt es also, die Produktion auf den Stand von Industrie 3.x zu bringen, indem eine IT-Durchdringung geschaffen und der Automatisierungsgrad erhöht wird. Auch dadurch gelingt es Unternehmen bereits, die Produktivität ihrer Anlagen deutlich zu steigern.
Die Vernetzung der Produktion ist dann ein weiterer Schritt, für den aktuell in vielen Unternehmen aber noch die Basis fehlt.
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