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Neuausrichtung

Globaler „Internet-Computer“ auf Blockchain

Künstliche Intelligenz
Foto: CNStock / shutterstock.com
Eine dezentrale Web-Plattform soll neuartige Applikationen ermöglichen. Unter anderem bietet die Technologie für Anwendungsunternehmen die Möglichkeit, weniger von den großen Cloud-Anbietern abhängig zu sein.
Immer wenn zu Jahresbeginn das Weltwirtschafts­forum in Davos steigt, richten sich alle Blicke auf den kleinen Ort in Graubünden in der Schweiz. Das Who’s who der Staats- und Konzernchefs verkündet dort seine Sicht auf die Zukunft. Im Schatten der Großen, abseits des Medienrummels, präsentieren sich aber auch die Kleinen. Menschen mit Ideen, die - aus ihrer Sicht - ebenfalls das Potenzial haben, die Welt zu verändern. Wie das Team von Dfinity. Das Tech-Start-up arbeitet an nichts Geringerem als zu verändern, wie wir Software und Infrastruktur bauen und pflegen.
Nach rund einem halben Jahrzehnt Entwicklung zeigte Dfinity Anfang des Jahres in Davos seinen „Internet-Computer“ in Aktion. Stanley Jones, Engineering Manager bei Dfinity, führte vor, wie eine Software auf dem System bereitgestellt wird. Hierfür nutzte er Dfinitys neu lancierten Web-Dienst LinkedUp, eine quelloffene Alternative zu dem zu Microsoft gehörenden Social Network LinkedIn.

Paradigmenwechsel

Laut Jones haben diese Anwendung gerade einmal zwei Ingenieure in rund drei Wochen erstellt. Geschrieben wurde die Applikation in der von Dfinity im vergangenen Jahr veröffentlichten Programmiersprache Motoko. Diese entstand unter der Leitung von Andreas Rossberg, Miterfinder der Software-Technik WebAssembly. Jones musste jetzt letztlich nur noch den Code der Anwendung kurz kompilieren und fertig: Die Software lief. Die Technologieplattform von Dfinity hatte eine sogenannte Web-3.0-Software in lediglich 18 Millisekunden zum Leben erweckt.
Was der Ingenieur Jones in Davos vorführte, war aus verschiedenen Gründen ein Kunststück der besonderen Sorte. Der Prototyp einer hochverfügbaren Cloud-Anwendung meldete sich auf der Infrastruktur von Dfinity zu Diensten - ohne eine Datenbank, frei von Browser-Erweiterungen und REST-APIs, ohne Web-Server, Lastverteiler, Firewalls oder Content Delivery Network. Alles erstellt mit Dfinitys SDK Canister und unterstützt vom bekannten Code-Format WebAssembly, das Applikationen in Browsern ausführt.
Dominic Williams
Dominic Williams
Gründer und Geschäfts­führer von Dfinity
https://dfinity.org
Foto: Dfinity
„Wer auf Big Tech baut, baut auf Sand.“
Jones konnte sich einen Seitenhieb auf die Komplexität gewöhnlicher Software-Bereitstellung auf einer Cloud-Plattform der „alten Schule“ in seiner Präsentation nicht verkneifen. Dann aber fügte er ernsthaft hinzu: „Das hier ist ein Paradigmenwechsel.“
Damit moderne Unternehmen effizient funktionieren können, sind sie auf Software-Anwendungen angewiesen. Allerdings sei der aktuelle Technologieunterbau, der Stack, „broken“, erklärt Dominic Williams, der britischstämmige Gründer und Geschäftsführer von Dfinity in Zürich. Das hätten unter anderem „die zahlreichen Hacks und Sicherheitslücken, Systemausfälle sowie die hohen Kosten bei der Software-Entwicklung nachdrücklich bewiesen“. Hinzu komme, dass die zunehmend monopolistische Natur der Internetdienstleister zwar nicht so offensichtlich, deswegen aber nicht weniger bedrohlich sei. Anwenderunternehmen befänden sich gewissermaßen in der Geiselhaft ihrer Cloud-Anbieter. „Wer auf Big Tech baut, baut auf Sand“, bringt es Williams auf den Punkt. Dafür arbeiten sie bei Dfinity an einer Lösung.
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