Debatte nimmt wieder Fahrt auf

Corona-Krise könnte Wandel für Homeoffice bringen

von - 08.01.2021
Homeoffice
Foto: Britta Pedersen / dpa-Zentralbild / dpa
Die Corona-Krise könnte einen grundlegenden Wandel in der Arbeitswelt bewirken. Mobiles Arbeiten hat massiv zugenommen. Gewerkschaften fordern klare Regeln.
Es ist für Millionen von Beschäftigten die neue Normalität: Arbeiten von zu Hause. Vor Beginn der Corona-Pandemie war Homeoffice die Ausnahme, nun ist die Arbeit im heimischen Wohnzimmer oder am Küchentisch für viele zum Alltag geworden.
Aber geht noch mehr und soll es statt Appellen der Politik Vorgaben für Firmen geben, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen? Angesichts der Verlängerung des Lockdowns bis Ende Januar hat die Debatte wieder Fahrt aufgenommen.
Bund und Länder hatten nach ihren Beratungen am Dienstag die Arbeitgeber "dringend gebeten", großzügige Homeoffice-Möglichkeiten zu schaffen. Das reiche aber nicht aus, um die Infektionszahlen in den Griff zu bekommen, kritisierte die Grünen-Politikerin Beate Müller-Gemmeke: "Wir brauchen ein Recht auf Homeoffice und ein Homeoffice-Gebot, das sich an die Arbeitgeber richtet."

Pandemie gebietet ausschließlich Homeoffice

Der Präsident des Digitalverbandes Bitkom, Achim Berg, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Für die gesamte Dauer der Pandemie ist es ein zwingendes Gebot, ausschließlich im Homeoffice zu arbeiten, sofern es die berufliche Tätigkeit zulässt." Alle Arbeitgeber seien gefordert, großzügige Regelungen zu schaffen, um ihrer Verantwortung in dieser historischen Situation gerecht zu werden. "Das gilt insbesondere für öffentliche Arbeitgeber, die mit gutem Beispiel vorangehen müssen."
Aktuell arbeitet jeder vierte Berufstätige ausschließlich im Homeoffice, wie eine repräsentative Befragung im Bitkom-Auftrag von Anfang Dezember ergab. Das entspreche 10,5 Millionen Berufstätigen. Auf weitere 20 Prozent treffe das zumindest teilweise zu. Vor dem Beginn der Pandemie hatten demnach nur 3 Prozent der Berufstätigen ausschließlich im Homeoffice gearbeitet, weitere 15 Prozent teilweise. Der am meisten genannte Nachteil: Der fehlende persönliche Austausch mit den Kollegen.
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, sagte der dpa, die Bundesregierung würde mit gesetzlichen Vorgaben zum Homeoffice mehr Schaden anrichten als helfen. "Fast 60 Prozent der Beschäftigten in Deutschland können nicht von zu Hause aus arbeiten, häufig weil ihre Arbeit einen Dienst an anderen Menschen beinhaltet. Unternehmen haben bereits jetzt zu kämpfen, diese Pandemie zu überleben." Die Regierung sollte Unternehmen und Beschäftigte in der Krise stärker unterstützen.
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