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Enterprise-WANs as a Service

Software flexibilisiert Managed WANs

von - 09.01.2020
Data
Foto: Bild: Shutterstock / whiteMocca
Unternehmensstandorte lassen sich einfacher und kostengünstiger vernetzen. SD-WANs beispielsweise können bestehende MPLS-Netzte sinnvoll ergänzen.
SD-WAN statt MPLS - das planen Unternehmen
Schwindende Bedeutung: Über 40 Prozent der weltweiten Unternehmen mit SD-WAN wollen ihr MPLS-Netz reduzieren oder sogar ganz abschaffen.
(Quelle: Nemertes Research (rundungsbedingt nicht 100 Prozent) )
Die Vernetzung verteilter Standorte erfordert ein leistungsfähiges und sicheres Weitverkehrsnetz, ein Wide Area Network (WAN). Ein solches Netz selbst aufzubauen und zu managen überfordert jedoch viele Unternehmen. Vor allem bei der schnellen und zuverlässigen Übertragung geschäftskritischer Daten setzen Anwender daher meist auf ein sogenanntes Managed WAN. „Der überwiegende Teil der Business-Kunden fokussiert sich seit Dekaden auf Full-Managed Services der Provider“, erklärt Kerstin Larsson-Knetsch, Bereichsleiterin Customer Solutions & Projects beim Mobilfunkbetreiber Vodafone.
Managed-WAN-Provider stellen Weitverkehrsverbindungen zur Verfügung und garantieren über Service Level Agreements (SLAs) deren Performance und Verfügbarkeit. Sie überwachen die Qualität des Netzes und dokumentieren dessen Auslastung in regelmäßigen Reports. Bei Ausfällen oder Leistungseinbußen sorgen sie im Rahmen der vereinbarten SLAs mehr oder weniger schnell für Abhilfe. „Das WAN sollte die Geschäftsprozesse des Unternehmens idealerweise so unterstützen, dass der Nutzer gar nicht merkt, dass die Ressourcen geografisch weit auseinanderliegen“, betont Joachim Sinzig, Director Product Management beim Netzwerkdienstleister Riedel Networks.
Je nach Ausprägung gehören zum Leistungsumfang auch die Installation und der Betrieb lokaler Hardware (Customer Premise Equipment, CPE), die Planung und Konfiguration von WAN-Strecken sowie die Weiterentwicklung der unternehmenseigenen Netzwerkstrategie.

MPLS als Maß aller Dinge

Als Basis für die meisten Managed-WAN-Dienste dient ein MPLS-Netz (Multiprotocol Label Switching). „Die MPLS-Technologie ist auch heute das Maß der Dinge, um businesskritische Anwendungen anzubinden“, so Kerstin Larsson-Knetsch. Das Verfahren ermöglicht eine verbindungsorientierte Übertragung von Daten in einem verbindungslosen Netz wie dem Internet. Weiterleitungsentscheidungen werden dabei nicht von Knoten zu Knoten getroffen wie bei IP. Stattdessen wird der Pfad durch sogenannte Labels vordefiniert. Dies beschleunigt und vereinfacht den Datentransfer. Datenströme verschiedener Kunden lassen sich zudem als MPLS-basiertes Virtual Private Network sehr sicher über dieselbe Infrastruktur übertragen. MPLS bietet darüber hinaus die Möglichkeit, über ein QoS-Feld (Quality of Service) Grenzwerte für Latenz, Jitter (Laufzeitvarianz) und Paketverlust im Header festzulegen und so die Dienstgüte zu definieren. Davon profitieren vor allem Echtzeitanwendungen. „Gerade bei Firmen mit global verteilten Firmenstandorten ist MPLS die kosteneffizienteste Lösung, um einen QoS-Standard garantieren zu können“, erklärt Joachim Sinzig.
Sascha Bülow
Sascha Bülow
Technischer Architekt bei Plusnet
www.plusnet.de
Foto: Privat
„SD-WAN gilt als Technologie der Zukunft. Nutzen und Einsatzszenarien sind im Detail aber noch unklar.“
MPLS-Verbindungen sind zwar zuverlässiger und sicherer als Internetzugänge etwa über DSL oder Glasfaser, allerdings auch teurer. Zudem geht die Bedeutung fixer Standleitungen zwischen Niederlassungen in vielen Unternehmen zurück. Immer mehr Mitarbeiter loggen sich von unterwegs ins Firmennetz ein oder arbeiten im Homeoffice. Hinzu kommt ein verändertes Nutzerverhalten. Internetrecherchen oder Social Media machen einen großen Teil des Datenvolumens aus. Für diesen nicht geschäftskritischen Verkehr ist MPLS eigentlich zu kostspielig. Trends wie Cloud-Computing und IoT erhöhen den Bedarf an flexibleren Anbindungsmöglichkeiten zusätzlich.
„Das traditionelle WAN hat Schwierigkeiten, mit den wachsenden Anforderungen der Nutzer und den bandbreitenhungrigen Anwendungen Schritt zu halten“, sagt Steffen Jungert, Head of Network & Telecom Services, Central Europe beim Technologiekonzern Fujitsu. „Der Fokus verlagert sich von traditionellen MPLS-Services hin zu hybriden Lösungen“, bestätigt Peter Steffan, Principal Sales Engineer bei British Telecommunications (BT), diesen Trend.
Steffen Jungert
Steffen Jungert
Head of Network & Telecom Services Central Europe bei Fujitsu
www.fujitsu.com/de
Foto: Fujitsu
„Das traditionelle WAN hat Schwierigkeiten, mit den wachsenden Anforderungen der Nutzer und den bandbreiten-hungrigen Anwendungen Schritt zu halten.“
Hersteller und Provider positionieren derzeit vor allem Software-defined WAN (SD-WAN) als Lösung für die neuen He­rausforderungen. Nach dem Prinzip des Software-defined Networking (SDN) werden Netzwerkfunktionen virtualisiert und zentralisiert. Als Overlay-Netzwerk kann SD-WAN auf einer beliebigen Kombina­tion von verschiedenen Anschlusstechnologien und Weitverkehrsnetzen basieren. Das Netzwerk wird so deutlich flexibler und das Management wesentlich einfacher. „SD-WAN bietet insbesondere Vorteile in Sachen Flexibilität bei Veränderungen und eine mögliche Verkürzung von Realisierungszeiträumen“, erklärt Sascha Bülow, Technischer Architekt beim Dienstleister Plusnet.
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