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Mensch und Bot - ziemlich beste Freunde

Hybride Automatisierung

von - 17.01.2020
Erhoffte Verbesserung
(Quelle: Deloitte )
Die beiden Automatisierungsformen Attended und Unattended müssen kein Gegensatz sein. Selbstverständlich gibt es zahlreiche Firmen, die nur eine der beiden Varianten benötigen. Auf der anderen Seite lassen sie sich aber auch bestens kombinieren.
Man spricht dann von einer Hybrid Robotic Process Automation. Mit Hilfe einer ebenfalls wieder zentralen Plattform lassen sich damit sowohl die Prozesse im Back-Office als auch direkt auf den Workstations der einzelnen Mitarbeiter beschleunigen.
Der deutsche RPA-Anbieter Another Monday hat beispielsweise für die Stadtwerke Neuss die Bearbeitung von Zählerwechseln im Back-Office automatisiert. Die digitale Umschreibung der Stromzähler erfolgt nach Angaben des Spezialisten aus Köln nun vollautomatisch. Bislang musste ein Servicemitarbeiter einer externen Firma nach einem durch einen Techniker durchgeführten Austausch des Zählers das alte Modell im Back-Office manuell abmelden.
Dabei wurden die aktuellen Zählerstände in das System übernommen und durch den Mitarbeiter auf Plausibilität überprüft. Anschließend musste er einen Datensatz für den neuen Zähler anlegen, um die bisherigen Daten zu übertragen. Diese umständlichen Prozesse wurden durch den Einsatz von RPA vollständig automatisiert.
Darüber hinaus arbeiten Mitarbeiter der Stadtwerke Neuss und von Another Monday an einer Automatisierung weiterer Abläufe etwa bei der Änderung von Bankdaten oder bei der Erfassung der aktuellen Zählerstände der Kunden. Davon und weil die Prozesse nun wieder im eigenen Unternehmen durchgeführt werden, verspricht sich der nordrhein-westfälische Energieversorger merkliche Kosteneinsparungen.
Überhaupt ist Robotic Process Automation nach Ansicht von Another Monday ein geeignetes Mittel, um ausgelagerte IT-Prozesse wieder ins Unternehmen zurückzuholen. „Viele Unternehmen wollen sich den He­rausforderungen des digitalen Wandels stellen, indem sie Aufgaben reorganisieren oder an externe Experten auslagern“, erläutert Hans Martens, Gründer und CEO von Another Monday. Aber das sei nicht genug. „Regelbasierte Prozesse können durch Software-Roboter wesentlich strategischer und effektiver gestaltet werden.“ Ein langwieriges und teures Outsourcing erübrige sich auf diese Weise.

Fazit

Durch Erhöhung der Produktivität hat die Automatisierung das Potenzial, viele Arbeitsplätze einzusparen. Für Unternehmen, die ihre Kosten mittelfristig senken wollen, ist das sicher gut und wichtig - auch wenn die betroffenen Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze abgebaut werden, das vermutlich anders sehen.
Dennoch: Die meisten Beschäftigen scheint diese Aussicht nicht besonders abzuschrecken. Laut der im Auftrag des RPA-Anbieters Automation Anywhere durchgeführten Studie „Making Work Human: 5 Challenges“ möchte die Mehrheit der Arbeitnehmer die Automatisierung an ihrem Arbeitsplatz trotz dieser Gefahr weiter vorantreiben. 72 Prozent der Befragten gaben an, dass sie nicht davon ausgehen, dass Technologien sie beziehungsweise ihren Arbeitsplatz ersetzen werden, sondern dass sie vielmehr mit ihnen arbeiten werden. Nur 8 Prozent der Befragten fürchten um ihren Job.
Gerrit de Veer
Gerrit de Veer
Senior Vice President MEE bei Signavio
www.signavio.com/de
Foto: Signavio
„Vielfach vergessen Unternehmen, dass es bei RPA nicht um die Automatisierung von Aufgaben, sondern von Prozessen geht.“
Auch für die Unternehmen steht bei der Einführung von Robotic Process Automation sehr viel auf dem Spiel. „Vielfach vergessen Unternehmen, dass es bei RPA nicht um die Automatisierung von Aufgaben, sondern von Prozessen geht“, gibt Gerrit de Veer, Senior Vice President MEE beim Berliner RPA-Anbieter Signavio, zu bedenken. Der Prozess müsse jedoch im Mittelpunkt stehen. „RPA-Lösungen entfalten ihren größten Nutzen immer erst in Kombination mit Prozessverbesserungen.“
Deshalb mahnt der Experte für Robotic Process Automa­tion die Unternehmen zur Umsicht. Solche Projekte könnten auch schnell und vor allem folgenreich scheitern, weil die Roboter sich auch zunehmend um unternehmenskritische Aufgaben kümmern. Der Kardinalfehler liege in solchen Fällen häufig bei zu schnell ins Leben gerufenen RPA-Ini­tiativen.
Aus diesem Grund hat Gerrit de Veer sieben Voraussetzungen für die erfolgreiche RPA-Einführung in Unternehmen formuliert. Deren Umsetzung soll nicht nur Zeit und Kosten einsparen, sondern nicht zuletzt auch wiederholt anfallende Tätigkeiten reduzieren und die Fehlerquote bei gleichzeitig steigender Qualität verringern.
Anbieter von RPA-Tools (Auswahl)

RPA-Anbieter

Another Monday

Automation Anywhere

Blue Prism Group

EdgeVerve

Kofax

Kryon Systems

NICE

Pega

Signavio

Thoughtonomy

UiPath

Workfusion

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