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Ein 3D-GPS für die virtuelle Welt

Im Gespräch mit Jan-Erik Vinje, Mitgründer der Open AR Cloud

von - 01.03.2019
Jan-Erik Vinje
Jan-Erik Vinje: Managing Director und Mitgründer der Open AR Cloud
(Quelle: Norkat )
Viele sehen in der AR-Cloud die nächste technische Revolution. Jan-Erik Vinje, Mitgründer der Open AR Cloud Organization, erklärt, warum es eine offene und transparente AR-Cloud braucht.
com! professional: Was sind die Aufgaben und Ziele der Open AR Cloud Organization?
Jan-Erik Vinje: Die OARC will eine zentrale Rolle bei der nächsten großen Plattformumstellung unseres digitalen Lebens übernehmen. Die AR-Cloud hat das Potenzial, die Wirtschaft, die Art und Weise, wie unsere Kinder lernen, wie wir unsere Städte gestalten und wie wir mit all den smarten Dingen um uns herum umgehen, grundlegend zu verändern. Gemeinsam wollen wir ein offenes, interoperables und dezentrales AR-Cloud-Öko­system aufbauen, das für jeden überall auf jedem Gerät und auf jeder Plattform funktioniert.
com! professional: Was haben Sie konkret vor?
Vinje: Wir werden experimentieren, entwickeln und testen: Referenzimplementierungen von AR-Cloud-Positionierung und räumlicher Indexierung, Best-Practice-Designrichtlinien, Experimente mit Protokollen zwischen AR- und IoT-Geräten über Cloud- oder Edge-Computing. Wir wollen erforschen, wie sich digitale Zwillinge im Stadtmaßstab erstellen lassen, die in Echtzeit aktualisiert werden, Datenschutzrichtlinien festlegen und vieles mehr.
com! professional: Welche Rolle wird Edge-Computing dabei spielen?
Vinje: Eines der wirklich coolen Dinge ist ein Sandkasten für die Entwicklung von Proofs of Concepts von Diensten für standardisierte Edge-Compute-Container. Die arbeiten mit modernsten Algorithmen, um AR-fähigen Geräten über 5G-Verbindungen mit massiver Bandbreite und Submillisekunden-Latenz zentimetergenau eine visuelle Posi­tionierung zu ermöglichen. Man könnte diesen verteilten lokalen Ansatz AR-Fog statt AR-Cloud nennen.
Technisch gesehen könnte Edge-Computing mit 5G ein überlegener Ansatz für die Cloud sein, da Latenz für jede XR-Technologie enorm wichtig ist. Es könnte helfen, Formfaktor und Akkulaufzeit von AR-Brillen zu verbessern, da ein Großteil der aufwendigen Berechnungen vom Gerät auf die Edge ausgelagert werden kann - mit dem Vorteil, dass die Geodaten nicht an einen zentralen Dienstleister gehen müssen. Sie können einen performanten AR-Fog in der Nachbarschaft, Ihrer Industrieanlage oder auf Ihrer geheimen Militärbasis betreiben.
com! professional: Bauen die IT-Größen eigene AR-Clouds?
Vinje: Es sieht so aus, aber ungewiss ist, ob und wann sie echte AR-Cloud-Dienste starten. Google kündigte das Visual Positioning System vor fast zwei Jahren an. Sie haben bereits ein semantisches Modell großer Bereiche der Welt, das auf wenige Zentimeter genau ist. Es ist ein Rätsel, warum Google oder andere Unternehmen ähnlicher Größe nicht bereits einen AR-Cloud-Service gestartet haben. Vielleicht ist es schwierig, das richtige Geschäftsmodell dafür zu finden.
com! professional: Wie weit sind kommerzielle Anwendungen?
Vinje: Es gibt sie bereits, meist aber mit sehr beschränktem Anwendungsbereich. Die Frage ist, wann die erste AR-Cloud-basierte Mainstream-Anwendung kommt. Jeder Entwickler könnte mit einer Killer-App überraschen und auf Plattformen aufbauen, die von einem der vielen AR-Cloud-Start-ups wie 6D.ai, Ubiquity, Shape Immersive entwickelt wurden - oder von einem Start-up, von dem wir noch nie gehört haben.
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