Alles über RAM-Module

RAM-Bezeichnungen und Timings

von Mark Lubkowitz - 17.04.2013
Wer seinen PC mit Markenspeicher oder Hochleistungs-RAM aufrüsten will der sollte auf das Kleingedruckte achten. Arbeitsspeicher sind mit Zahlenfolgen beschriftet, die Näheres zu ihren Eigenschaften verraten.

Was sind Timings?

Kryptische Zahlenfolgen, hier „9-9-9-25“, verraten Ihnen Details zu den Timings des Arbeitsspeichers.
Kryptische Zahlenfolgen, hier „9-9-9-25“, verraten Ihnen Details zu den Timings des Arbeitsspeichers.
Auf Arbeitsspeicher finden Sie Zahlenfolgen wie „8-8-8-24“ oder „CL8 8-8-24“. Die Zahlen sind die Timings und stehen in der Reihenfolge CL, tRCD, tRP und tRAS.
  • CL steht für CAS Latency und bezeichnet das Intervall, das zwischen der Datenanfrage des Prozessors und dem Beginn der Datenlieferung durch den Arbeitsspeicher verstreicht.
  • tRCD steht für RAS to CAS delay. Das ist das Intervall, das zwischen der Adressierung der Zeile und der untergeordneten Spalte verstreicht.
  • tRP steht für RAS precharge. Damit ist das Intervall gemeint, das zwischen der Deaktivierung einer Zeile und der Auswahl einer neuen Zeile verstreicht.
  • tRAS steht für Active to precharge Delay. Das ist das Intervall, das nach einem erfolgten Zugriff und vor dem nächsten Zugriff verstreichen muss.

Kurze Latenzen sind nicht immer wichtig

Die Timings sagen also aus, wie schnell der Arbeitsspeicher auf die Anfragen des Prozessors reagieren kann. Je kleiner die Zahlen der Timings sind, desto schneller reagiert der Arbeitsspeicher. Direkt miteinander vergleichbar sind die Timings aber dennoch nicht. Der Grund: Die Intervalle geben an, wie viele Takte verstreichen müssen, bevor die Reaktion vom Arbeitsspeicher erfolgt. Eine CAS Latency von 8 bedeutet also, dass acht Taktzyklen zwischen der Anfrage des Prozessors und der Antwort des Arbeitsspeichers vergehen. Eine CAS Latency von 10 besagt, dass zehn Taktzyklen verstreichen. DDR3-RAM mit 1333 MHz Takt durchläuft pro Sekunde 1.333.000.000 Taktzyklen.
DDR3-RAM mit 1866 MHz Takt durchläuft pro Sekunde hingegen 1.866.000.000 Taktzyklen. Hätten die beiden Speichermodule also die gleiche CAS Latency von 8, wäre der Speicher mit 1866 MHz Takt reaktionsschneller.

DDR-RAM: Bezeichnungen, Taktraten, Datendurchsatz

Chipname

Modulname

Taktrate

Datenrate

DDR-200

PC-1600

200 MHz

3,2 GByte/s

DDR-333

PC-2700

333 MHz

5,4 GByte/s

DDR2-400

PC2-3200

400 MHz

6,4 GByte/s

DDR2-800

PC2-6400

800 MHz

12,8 GByte/s

DDR3-1066

PC3-8500

1066 MHz

17,0 GByte/s

DDR3-1333

PC3-10600

1333 MHz

21,2 GByte/s

DDR3-1600

PC3-12800

1600 MHz

25,6 GByte/s

DDR3-1866

PC3-14900

1866 MHz

29,8 GByte/s

Der Chipname von DDR-Arbeitsspeicher setzt sich aus der Kategorie des Speichers und der Taktrate zusammen. Der Modulname orientiert sich an der Datenrate des DDR-Arbeitsspeichers.

Die tatsächliche Zeit berechnen

Eine einfache Formel errechnet aus der Taktrate und den Timings einen verständlichen und vergleichbaren Zeitwert in Nanosekunden. Die Formel lautet: 1000 / Taktrate in MHz * 2 * Timing.
Für einen DDR3-Arbeitsspeicher mit 1333 MHz Takt und einer CAS Latency von 8 lautet die Formel: 1000 / 1333 * 2 * 8 = 12 ns. Zwischen der Anfrage des Prozessors und der Antwort des Arbeitsspeichers vergehen also 12 Nanosekunden.
Für DDR3-Arbeitsspeicher mit 1866 MHz Takt und einer CAS Latency von 10 errechnet die Formel 11 ns. Trotz der höheren Timings ist dieser Arbeitsspeicher also der schnellere.

Markenspeicher ja, Hochleistungs-RAM nein

Zwei Arten von Herstellern sind auf dem Arbeitsspeichermarkt aktiv. Einerseits die Hersteller der Speicherchips, etwa Micron oder Samsung, und andererseits die Hersteller der Speichermodule, etwa Kingston, Corsair oder OCZ.
Die Hersteller der Speichermodule kaufen die Speicherchips ein, entwickeln das Layout für das Arbeitsspeichermodul (DIMM) und bestücken es mit den eingekauften Speicherchips. Die Hersteller der Arbeitsspeichermodule legen dabei auch die Timings für die Speicherchips fest. Die Speicherchips durchlaufen dazu diverse Testreihen, damit die kürzesten Timings gefunden werden. Eine besonders hohe Qualität bei Arbeitsspeichermodulen bieten dabei Kingston und Samsung.
Für einen normalen Büro- oder Spiele-PC sollten Sie nicht zu High-Performance-, sondern lieber zu sogenanntem Value-RAM greifen. Leistung und Stabilität sind gut und der Preis ist angemessen.

Speicherkits kaufen

Speicherkit: Voraussetzung für die Datenratenverdoppelung durch Dual Channel ist, dass Sie exakt baugleiche Module einbauen. Kaufen Sie deshalb Speicherkits.
Speicherkit: Voraussetzung für die Datenratenverdoppelung durch Dual Channel ist, dass Sie exakt baugleiche Module einbauen. Kaufen Sie deshalb Speicherkits.
Um die Dual-Channel-Technik nutzen zu können, müssen Sie Arbeitsspeicherkits kaufen. Dual Channel nutzt zwei Arbeitsspeichermodule pa rallel und verdoppelt auf diese Weise die Datenrate. Die Kits bestehen aus zwei oder vier absolut baugleichen Arbeitsspeichermodulen. Auch die verlöteten Speicherchips sind die gleichen. Und das ist wichtig. Denn bei unterschiedlichen Speicherchips verweigert das BIOS in der Regel den Dual-Channel-Betrieb.
Beim Einzelkauf ist dagegen nicht gewährleistet, dass bei den gleichen Produkten auch die gleichen Chips verlötet wurden.

Heatspreader sind nur Kosmetik

Worauf Sie verzichten können, sind Heatspreader – große Metallplatten, die auf beiden Seiten des Arbeitsspeichers angebracht sind. Sie sollen die von den Speicherchips ab gegebene Hitze möglichst großflächig verteilen.
Heatspreader sind umstritten. Sie sehen zwar gut aus und schützen den Arbeitsspeicher beim Einbau und der Handhabung. Teilweise verhindern sie aber sogar einen guten Wärmeabtransport, weil sie isolierend wirken.