IBM Research

IBMs Tech-Ausblick im Realitätscheck

von - 09.01.2017
Research
Foto: Vintage Tone / Shutterstock.com
Die technologische Entwicklung schreitet rasch voran. Intelligente Spracherkennung, medizinische Labors im Chip-Format oder Sensoren zur Ermittlung von Schadstoffen. IBM Research wagt Prognosen für die Zukunft.
Der Computer versteht die "Babysprache". Er hilft dem Arzt bei der Diagnose eines Röntgenbildes. Der Rechner hört besser als der Mensch und kann ihn vor Gefahren warnen. Auch kann ein Touchscreen den haptischen Eindruck eines Kleidungsstückes vermitteln. Und Software ist fähig, Geschmäcker zu erkennen sowie selbständig neue Kreationen zu schaffen. Diese fünf Sinneserweiterungen sollten heute Realität sein, versprachen die Wissenschaftler von IBM Research vor fünf Jahren.
Dario Gil
Dario Gil von IBM Research will verborgene Zusammenhänge künftig sichtbar machen.
(Quelle: IBM Research)
Ein Blick auf die heutige Technologie zeigt: An der Spracherkennung hapert es noch, die Arztdiagnose ist Realität, eine App mit Supergehör gibt es noch nicht und den fühlbaren virtuellen Stoff ebenfalls nicht. Einen neuartigen Cocktail sowie ein Menü hat aber "Chef Watson" bereits kreiert. Allein: Die computergenerierten Speisen stehen noch nicht im Handel. Damit waren die Prognosen der IBM-Wissenschaftler mehrheitlich der Zeit voraus.
Nun wagen die Experten neue Prognosen: die "5 in 5". Fünf Innovationen, die das Leben in den nächsten fünf Jahren nachhaltig verändern könnten. Mit den Vorhersagen von vor fünf Jahren haben die neuen Prognosen gemeinsam, dass die menschlichen Sinne durch den Computer erweitert werden. "Auf Basis der Fortschritte im Bereich Künstliche Intelligenz und Nanotechnologie wollen wir neue Instrumente entwickeln, die uns helfen, die unsichtbaren Zusammenhänge in der heutigen Welt besser zu verstehen", sagt Dario Gil, Vice President of Science & Solutions bei IBM Research.

Hören für die Gesundheit

App-Prototyp von IBM Research
Ein App-Prototyp von IBM Research hilft bei der Analyse von menschlicher Sprache.
(Quelle: IBM Research)
Die Sprache ist nach Auffassung von IBM Research ein Schlüssel für ein besseres Verständnis der komplexen Abläufe im Gehirn. In den nächsten fünf Jahren werden kognitive Systeme in der Lage sein, aus der Art und Weise, wie Menschen formulieren und sprechen, Rückschlüsse auf die psychische Verfassung zu ziehen. Dafür kombinieren IBM-Experten in einem Projekts Abschriften und Tonaufnahmen aus Patientengesprächen mit maschinellem Lernen, um so Sprachmuster aufzudecken, die zukünftig dabei helfen sollen, Depression, manisches Verhalten oder Schizophrenie vorherzusagen. Momentan benötigt der Computer nur 300 Wörter, um erste Vorhersagen zu treffen. 
In Zukunft hoffen die Forscher, dass ähnliche Techniken auch für Krankheitsbilder wie Aufmerksamkeitsdefizitstörungen, Autismus oder posttraumatische Belastungsstörungen angewendet werden können. Dafür analysieren die kognitiven Systeme heute die Aussagen, Intonation, Sprache und Syntax der Betroffenen. Kombiniert mit bildgebenden Verfahren wie der Elektroenzephalografie (EEG) entsteht ein umfassendes Bild der Person. Es soll Mediziner und Psychologen bei der Diagnose und der Behandlungen unterstützen. Wenn zusätzlich mobile Geräte eingesetzt werden, können Patienten bereits Untersuchungen selbst zu Hause machen und so die Arzttermine vorbereiten.