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Wohin führt der Weg von VMware?

von - 08.03.2016
Wohin führt der Weg von VMware?
Foto: Mathias Vietmeier
Angesichts des Milliarden-Deals von Dell und EMC ist die Zukunft von VMware ungewiss. Nicht nur Tech-Nodes-Kolumnist Hartmut Wiehr spekuliert über den Verkauf des Unternehmens.
Die beiden IT-Urgesteine Michael Dell und Joe Tucci haben verabredet, dass Dell EMC übernimmt. Für beide ist das ein guter Deal: Joe Tucci führt damit „seine“ EMC (eine AG) in die Zukunft und löst das unselige Nachfolgeproblem an der Spitze des Konzerns – jahrelang hatte er immer wieder seinen Abschied als CEO verschoben, weil ihm keiner der internen oder externen Kandidaten als würdig genug erschien. Michael Dell sichert damit, Kennern der IT-Branche zufolge, die Fortführung seines Lebenswerks – nach einigen Turbulenzen und dem radikalen Schwenk vom Consumer- zum Business-Hersteller.
Hartmut Wiehr, IT-Fachjournalist und Buchautor
Hartmut Wiehr, IT-Fachjournalist und Buchautor mit Wohnsitz in Italien
Zuvor muss Dell aber noch eine Lösung für sein Verschuldungsproblem finden. Denn der 2013 vollzogene Schritt von der AG zurück zur Firma in Privatbesitz war nur durch einen Kredit von mehreren Milliarden Dollar möglich geworden, den die Private-Equity-Firma Silver Lake Partners zur Verfügung gestellt hatte. Und der Kauf von EMC ist mit 67 Milliarden Dollar veranschlagt – eine Summe, die Dell nur mit einer weiteren gigantischen Verschuldungsaktion aufbringen kann. Ein Börsengang von Dell/EMC könnte das nötige Kapital bringen.
Hier kommt VMware in ganz besonderer Weise ins (Monopoly-)Spiel. Die EMC-Tochter ist an der Börse notiert und mit ihrer Technologie so erfolgreich, dass ihr Wert auf etwa 31 Milliarden Dollar geschätzt wird. Erreicht hat sie diese (virtuelle) Bewertung durch einen wahren Siegeszug ihrer virtuellen Maschinen (VMs), ergänzt um Erweiterungen wie vMotion, vCenter, Software-defined Networking (SDN) und Software-defined Datacenter (SDDC). VMware ist bei Virtualisierung unbestritten Marktführer, selbst Microsoft hechelt mit dem kostenlosen Hyper-V nur hinterher. Erst jüngst hat VMware mit der neuen Version der Server-Virtualisierungsplattform vSphere 6 seinen Vorsprung bestätigt: Mit Virtual Volumes (VVOLs) und Migrations-Tools für Storage bestimmt VMware bei der Virtualisierung weiter den technologischen Kurs.

Investoren wollen Kasse machen

Dieser Erfolg weckt aber auch Begehrlichkeiten. Schon seit zwei Jahren drängt Elliot Management, ein Minderheits­aktionär von EMC, auf den Verkauf von VMware, um schnelle Kasse zu machen. Den Dell-EMC-Deal hat Elliot Management denn auch ausdrücklich begrüßt, in der Hoffnung, seine Forderung endlich durchsetzen zu können.
Was so ein Verkauf für VMware selbst bedeuten würde, ist allerdings völlig offen. Viel hängt davon ab, wer die Firma übernimmt und mit welchen Absichten. Würde er zum Beispiel die bisherige Offenheit der Plattform weiterführen?
Und wie würden sich die Mitarbeiter und besonders die Entwickler verhalten? Bereits in den vergangenen Jahren haben gerade Leute mit hohem technologischem Sachverstand die Firma in Richtung Konkurrenz verlassen oder eigene Start-ups mit Virtualisierungsschwerpunkt gegründet.
Nicht zuletzt: Wie würden die bisherigen Kunden reagieren? Schon jetzt gibt es verbreitet Unmut angesichts der hohen Lizenzkosten, die VMware verlangt.
Und selbst wenn Dell die EMC-Tochter nicht an die Börse bringt, sondern bei sich integriert, stellen sich viele dieser Fragen. Klar ist nur: Je länger sich die Übernahme hinzieht, desto größer werden Unsicherheit und Bedenken. Womöglich haben die Finanzjongleure schon den Boden unter den Füßen verloren.
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