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Desktop-Virtualisierung erfolgreich einsetzen

„Die technischen Anforderungen in den Mittelpunkt“

von - 04.05.2015
com! professional hat Hanjo Denker, Leiter Competence Center Virtualisierung beim Bechtle IT-Systemhaus Bonn, über die Vor- und Nachteile von VDI gesprochen.
com! professional: Marktforscher wie IDC sehen großes Interesse an VDI. Es gibt aber auch viele Unternehmen, die noch skeptisch sind. Wie erklären Sie sich das?
Hanjo Denker, Leiter Competence Center Virtualisierung, Bechtle IT-Systemhaus Bonn
Hanjo Denker, Leiter Competence Center Virtualisierung, Bechtle IT-Systemhaus Bonn
Hanjo Denker: Unternehmen suchen nach neuen Wegen, ihre PC-Arbeitsplätze effizienter zu managen und die Anwendungen und Daten in der mobilen Welt flexibel bereitzustellen. Somit beschäftigen sie sich zwangsläufig auch mit dem Thema VDI. Die Anfangsinvestition ist dabei eine erste Hürde. Darüber hi­naus haben Entscheider Bedenken wegen der Technik und der Sicherheit, es bestehen Vorurteile hinsichtlich der Performance und der Akzeptanz der Nutzer. Auch negative Erfahrungen aus der Zeit des Server-based Computings sind eine mögliche Erklärung für das Zögern der Verantwortlichen.
com! professional: Was sind die wesentlichen Vor- und Nachteile von VDI?
Denker: Mit Hilfe der Virtualisierung können Unternehmen ihre Desktop-Landschaft zentralisieren und deutlich effizienter managen. Ressourcen werden besser genutzt, Stromkosten reduziert, der Geräuschpegel am Arbeitsplatz wird verringert. VDI unterstützt die zunehmende Mobilität der Mitarbeiter. Es erleichtert ihnen, unabhängig von Ort, Endgerät oder Zeit auf Anwendungen zuzugreifen. Die IT-Abteilung kann Programme und Patches zentral ausrollen und sich auf ihren eigentlichen Auftrag konzentrieren – nämlich den Mitarbeitern digitale Werkzeuge zur Verfügung zu stellen. Da ein Großteil der Nutzerdaten zentral verwaltet wird, minimiert sich das Risiko eines Verlusts.
com! professional: Das Thema Mobilität der Mitarbeiter knüpft an BYOD an. Kann VDI helfen, die Flut der mitgebrachten und eingesetzten Geräte in sichere Bahnen zu lenken?
Denker: Private Endgeräte, die Mitarbeiter im Berufsalltag nutzen, ohne dass die Sicherheitsstandards des Unternehmens gelten, sind eine immer größer werdende Herausforderung. Mit VDI können Sicherheitsregeln so konfiguriert werden, dass das private Device im Unternehmen nur noch als Anzeigegerät für Daten und Anwendungen verwendet werden kann. Im Gegenzug erfordert VDI ein Umdenken von Anwendern und IT-Verantwortlichen. Die Mitarbeiter müssen damit rechnen, keinen eigenen PC mehr zu besitzen. Auch die IT muss umdenken und sich zu 100 Prozent als Servicedienstleister verstehen. Außerdem dauert es, bis die Kosten, die bei der VDI-Einführung initial anfallen, amortisiert sind.
com! professional: Performance-Probleme und zu wenig Storage gehören zu den meistgenannten Kritikpunkten. Wie gehen die Hersteller diese und andere Probleme an?
Denker: Die ersten VDI-Projekte sorgten vor allem bei der Nutzung von Rechenzentrums-Storage für einen hohen Kostenblock. Momentan arbeiten Hersteller wie Citrix und VMware mit Vervielfältigungsverfahren, die Festplattenplatz sparen. Mit moderner Technik können Lese- und Schreibzugriffe auf den Storage vermieden werden. Wenn zusätzliche lokale Server-Festplatten genutzt werden, erreichen wir im Vergleich zu den ersten Stunden der VDI-Technologie ein ausgewogenes Leistungs- und Kostenverhältnis.
com! professional: Citrix XenDesktop bietet mit Unterstützung der meisten Hypervisoren und Betriebssysteme wohl die beste Abdeckung. Ist Citrix somit automatisch die erste Wahl?
Denker: Die Entscheidung für oder gegen einen Hypervisor steht in der Regel nicht im Vordergrund. Bei der Einführung einer VDI-Umgebung rücken vielmehr die technischen Anforderungen an den Arbeitsplatz in den Mittelpunkt. Kunden, die seit Jahren mit VMware vSphere arbeiten, tendieren oftmals in Richtung VMware Horizon View. Unternehmen, die bisher Citrix XenApp einsetzen, werden sich eher für XenDesktop entscheiden. Wichtig ist es daher, Erfahrungen – zum Beispiel mit einem bestehenden Hypervisor – zu berücksichtigen, ohne dadurch eine Entscheidung für eine bestimmte VDI-Technologie vorwegzunehmen. Anforderungen an einen virtuellen Desktop im Rechenzentrum unterscheiden sich in großen Teilen von der Bereitstellung eines virtuellen Betriebssystems für Server.
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