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PSD2 ist Initialzündung für mehr Wettbewerb

Im Gespräch mit Jano Koslowski und Marc Schmitt von Deloitte (Teil 1)

von - 17.09.2019
Jano Koslowski
Jano Koslowski: Director Financial Service bei Deloitte
(Quelle: Deloitte )
Jano Koslowski, Director Financial Services, und Marc Schmitt, Senior Manager Financial Services beim Beratungsunternehmen Deloitte, erklären, welche Folgen die PSD2-Regulierungen für Banken, Kunden und alternative Zahlungsdienstleister haben.
com! professional: Bereits 2009 wurde die erste Zahlungsdiensterichtlinie wirksam. Welche Ziele verfolgte die Europäische Union mit dieser Direktive?
Jano Koslowski: Der Zahlungsverkehr ist traditionell von feststehenden Produkten und starren Prozessketten geprägt. Die Verarbeitung der Zahlungsströme ist technisch und organisatorisch aufwendig, nur die etablierten Finanzinstitute waren dazu in der Lage. Das hat eine Situation ähnlich wie im Energiemarkt geschaffen. So wie ein Versorger das gesamte System kontrollieren kann, wenn ihm die Rohre und Leitungen gehören, hatten die Banken die Prozesshoheit und damit auch die Hoheit über den Zahlungsverkehr.
Vor der PSD1 gab es noch keinen gemeinsamen Rechtsrahmen für den Zahlungsverkehr in der Europäischen Union, sondern eine länderspezifische Rechtssetzung, was den Wettbewerb weiter erschwert hat. Ziel der PSD war und ist es, dieses starre System aufzubrechen, zumindest Teile der Prozesskette dem Markt zu öffnen und so den Verbrauchernutzen zu steigern und dabei gleichzeitig den Verbraucherschutz auf einem höheren Niveau zu harmonisieren.
com! professional: Mit der PSD2 hat die Europäische Union die Zahlungsdiensterichtlinie aktualisiert, unter anderem um den Verbraucherschutz bei Online-Finanztransaktionen zu verbessern. Sie ist in Teilen seit Januar 2018 gültig. Wie hat sie sich bisher in der Praxis bewährt?
Koslowski: Für eine abschließende Bewertung ist es sicher noch zu früh, da die wesentlichen, marktverändernden Bestandteile der PSD2 erst zum 14. September 2019 greifen. Dennoch kann man schon jetzt sagen, dass sich die PSD2 auf jeden Fall für die Verbraucher bewährt hat. Sie profitieren durch den höheren Wettbewerb, aber auch bei der Nutzererfahrung. Es kommt Bewegung in den Markt, der Kunde hat mehr Auswahl und erhält Zahlungsmöglichkeiten, die besser auf seine Bedürfnisse zugeschnitten sind.
com! professional: Können Sie Beispiele nennen, welche konkreten Vorteile der Kunde hat?
Marc Schmitt: Neben einem breiteren Angebot von Ser­vices und Anbietern, aus denen Konsumenten künftig werden auswählen können, profitieren die Kunden schon seit Januar 2018 von vielen Regelungen im Verbraucherschutz. Ein Beispiel ist die Haftungsreduzierung bei nicht autorisierten Zahlungen. Bisher war der Kunde mit 150 Euro in der Haftung, jetzt nur noch mit 50 Euro. Auch bei Streitfällen stärkt die PSD2 dem Verbraucher den Rücken. Eine Beilegung muss nun innerhalb von 15 Tagen erfolgen. Die Banken müssen darüber hinaus ihre Kunden umfangreicher informieren und ihre Konditionen transparenter machen. Die neuen Sicherheitsanforderungen werden Betrugsfälle minimieren. Und letzten Endes profitiert der Kunde auch von geringeren Gebühren. Das gilt zum Beispiel für Auslandszahlungen, die im SEPA-Raum jetzt für noch mehr Kunden kostenlos sind.
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