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PSD2 ist Initialzündung für mehr Wettbewerb

Wettbewerb dank Open Banking

von - 17.09.2019
Die in der PSD2 definierten Geschäftsmodelle erfahren zunehmend Zuspruch durch Anbieter. „Wir sehen durchaus mehr Interesse an den neuen Zahlungsdienstleistungen, als wir am Anfang erwartet hatten“, so Bafin-Referatsleiter Obermöller. „Wir gehen davon aus, dass sich noch mehr Unternehmen bei uns melden werden, wenn mit der Open-Banking-API im September die technischen Zugangsmöglichkeiten geschaffen sind.“
Matthias Lange, Abteilungsdirektor beim Bundesverband deutscher Banken (BdB), sieht vor allem Chancen für neue Drittanbieter: „Die bisher angewandten Methoden für den Zugriff waren technisch relativ aufwendig und wenig standardisiert“, findet der Experte für Zahlungsverkehr. „Eine einheitliche Schnittstelle, wie sie in Deutschland angeboten wird, erleichtert es neuen Marktteilnehmern deutlich, ins Geschäft zu kommen.“ Schwieriger ist es laut Lange für bereits bestehende Drittdienstleister: „Sie müssen ihre bisherigen Schnittstellen und ihre Technologie an die neuen Vorgaben anpassen - ein typisches Migrationsszenario.“
Christian Bock, Geschäftsführer des Informationsdienstleisters CRIF Bürgel, sieht die Auswirkungen der Zahlungsdiensterichtlinie vor allem positiv: „Die PSD2 öffnet den Markt, sorgt für ein besseres Leistungsangebot und ermöglicht neue Geschäftsmodelle.“ CRIF Bürgel selbst hat die Chance ergriffen und eine Lizenz als AISP beantragt. Das Unternehmen ist in 21 der 28 EU-Mitgliedsstaaten als Kontoinformationsdienst aktiv.
Laut Bock hat das Geschäftsmodell eine wichtige Bedeutung für die Unternehmensstrategie. „Wir sehen darin einen wesentlichen Pfeiler unserer zukünftigen Ausrichtung“, erklärt der Geschäftsführer. „Durch die neuen Zahlungsdienstleistungen lassen sich Entscheidungsprozesse beschleunigen und neue Umsatzpotenziale erschließen.“ Über die Zusammenführung der Kontodaten könne man den Kunden besser kennenlernen und ihm daher auch bessere Angebote machen. „Auf dieser Basis lassen sich Ökosysteme aufbauen, in denen diese Informationen mehrwertstiftend genutzt werden können.“ Auch für den Endkunden ergäben sich Vorteile, wenn dieser über eine zen­trale Plattform exakt auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittene Angebote unterschiedlicher Anbieter konsumieren könne. „Ergänzt wird dies im Idealfall um eine positive User Experience, die Verbraucher gerade in Zeiten des raschen Wandels voraussetzen.“
Christian Bock
Christian Bock
Geschäftsführer von CRIF Bürgel
www.crifbuergel.de
Foto: Dirk Bartschat
„Durch die neuen Zahlungsdienstleistungen lassen sich Ent­scheidungsprozesse
beschleunigen und neue Umsatzpotenziale erschließen.“
Die bisherigen Erfahrungen als AISP seien positiv, so Bock weiter: „Wir konnten erste Erfolge bei der Verbesserung der Entscheidungsqualität erzielen und uns neue Anwendungsfälle bei Mehrwertdiensten wie Personal oder Business Finance Management erschließen.“
Zu den ersten Produkten, die CRIF Bürgel auf Basis der Kontoinformationen anbietet, gehört ein Mieterzertifikat. Es kostet 23,95 Euro, kann online beantragt werden und steht sofort als PDF zur Verfügung. „Für die Erstellung des Zertifikats werden nur Infos genutzt, die für den Vermieter auch wirklich relevant sind“, betont Bock. „Dazu können neben Bonitätsdaten auch Informationen aus den Online-Bankkonten des Kunden wie Einkommen und Mietzahlungen der letzten sechs Monate dienen.“ Traditionellen Auskunftsdiensten wie der Schufa erwächst damit Konkurrenz. „Das Geschäftsmodell der Auskunfteien wird sich auf jeden Fall verändern“, ist sich Bock sicher. „Wir sind aber auch überzeugt, dass eine Kombination aus den aggregierten Kontoinformationen und dem klassischen Bonitäts-Scoring die beste Entscheidungsgrundlage bietet.“
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