Open Source treibt die Digitalisierung voran

Aufklärung für Unternehmen

von - 01.02.2019
Unternehmen ohne Richtlinien und Regeln für Open Source Software
(Quelle: PwC "Open-Source-Software-Studie 2017")
Mehr Aufklärung und Sensibilisierung bedarf es nach Meinung der von uns befragten Experten aber auch immer noch in der Privatwirtschaft. Im Grunde genommen stehen Unternehmen nämlich vor den gleichen Hindernissen, denn auch ihnen fehlt es immer noch an Fachwissen, wenngleich der Fokus dabei auf den rechtlichen Aspekten liegt.
Selbstverständlich bieten eine Reihe gemeinnütziger Organisationen wie die Apache Foundation oder die Open Source Business Alliance Unterstützung bei diesem Thema. Das darf aber nicht dazu führen, dass die Rolle, die der Staat dabei spielen könnte, unterschätzt wird. Hinter Open Source stehen nämlich keine großen Firmen, erklärt Andreas Nemeth die Problematik: „Es gibt lediglich die Communities und die haben nicht die Mittel zur Verfügung, die Entscheider aufzuklären und sie entsprechend mit einzubeziehen.“
Genau an dieser Stelle kann der Staat das Bewusstsein für das Potenzial von Open Source schärfen und die Sensibilisierung oder auch die Rahmenbedingungen für die Ausbildung in puncto Open Source verbessern.
Des Weiteren müsste der Bund vor allem mehr Projekte fördern, um die Entwicklung von Open-Source-Alternativen zu breit eingesetzten proprietären Software-Komponenten zu unterstützen. „Das hat nichts mit Kommunismus, sondern rein mit einer Geschäftsstrategie zu tun, sodass die Nutzer einer bestimmten Komponente eine Alternative hätten und die Preise so gedämpft werden können“, betont dazu Dirk Riehle.
Solche Initiativen entstehen ohnehin immer wieder, jedoch überwiegend von Unternehmen selbst angestoßen. Vom Staat gibt es derzeit nur kleine Förderprogramme für selbstständige, private oder unabhängige Entwickler, keine großen Entwicklungsprojekte.
Jürgen Schüssler
Jürgen Schüssler
Leiter des Konsortialprojekts
Open Integration Hub
Foto: Schüssler
„Der Open Integration Hub wurde anfangs nicht einmal als Open-Source-Projekt wahrgenommen, weil es das in dieser Form noch nicht gegeben hatte.“
Jürgen Schüssler vom Open Integration Hub kann das aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Das Projekt Open Integration Hub erhält derzeit eine staatliche Förderung, um ein herstellerübergreifendes Framework für die Datenintegration zwischen beliebigen Software-Anwendungen zu entwickeln. Doch wurde es Schüssler zufolge zu Beginn nicht als Open-Source-Projekt wahrgenommen, weil es so etwas in dieser Form noch nicht gegeben hatte.

Fazit & Ausblick

Während früher als Gründe für den Einsatz von Open Source häufig Kosteneinsparungen und größere Unabhängigkeit von den Software-Herstellern genannt wurden, so wird Open Source heutzutage zunehmend als der Treibstoff für Digitalisierung und innovative Technologien erkannt. Einen Quellcode offenzulegen, ist für sich genommen noch nicht innovativ. Aber Open-Source-Software fördert Innovationen, weil sie vor allem eins bewirkt, nämlich die Entwicklung massiv zu beschleunigen.
„Wenn man sich im Bereich Big Data Hadoop oder bei den Container-Technologien Docker und Kubernetes anschaut, dann sind das die Open-Source-Tools, ohne die solche Trends nicht funktionieren oder zumindest nicht so schnell an Bedeutung gewinnen würden“, weiß Bitkom-Experte Frank Termer.
Frank Termer
Dr. Frank Termer
Bereichsleiter Software beim Digitalverband Bitkom
Foto: Bitkom
„Trends wie Big Data und Container-Technologien würden ohne Open-Source-Tools nicht funk­tionieren oder zumindest nicht so schnell an Bedeutung gewinnen.“
Dieser Geschwindigkeitsvorteil ist in erster Linie den vielen frei verfügbaren Komponenten und Frameworks zu verdanken, die den Anteil nötiger Eigenentwicklungen signifikant verringern. Auch bei Augmented Reality und Künstlicher Intelligenz steht den Unternehmen eine Vielzahl an Open-Source-Tools und -Bibliotheken zur Verfügung, was es ermöglicht, diese Technologien bei relativ geringen Kosten recht schnell auszuprobieren.
Auf Bundesebene bewirken Themen wie IT-Konsolidierung, Interoperabilität und landes- und bundesweite Harmonisierung der Rechenzentren ebenfalls langsam ein Umdenken, wie Frank Termer beobachtet. Das Thema Open Source komme in Gesprächen spürbar häufiger auf, berichtet der Bitkom-Experte: „Man sieht, dass es gute Open-Source-Alternativen zu kommerziellen Produkten in diesem Umfeld gibt.“
So wurde beispielsweise im April vergangenen Jahres bekannt gegeben, dass die Bundesverwaltung künftig die deutsche Open-Source-Software Nextcloud für das Speichern der Daten in der Bundescloud einsetzen wird, einer Private-Cloud-Plattform für 300.000 Mitarbeiter in Ministerien und anderen Einrichtungen der öffentlichen Hand. Auch die Bundesländer Schleswig-Holstein und Thüringen haben angekündigt, verstärkt auf Open-Source-Software zu setzen. Sie wollen deren Einführung allerdings strategisch und strukturiert angehen, um die Fehler ihrer Vorgänger zu vermeiden.
Open Source ist zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Digitalisierung geworden, auch in Deutschland. Ausruhen dürfen wir uns aber nicht, warnt Peter Ganten: „Wenn wir international weiter vorne mitspielen wollen, müssen wir diese Basis nutzen, weiter ausbauen und in Open Source (re-)investieren.“
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