Open Source treibt die Digitalisierung voran

Neue Herausforderungen

von - 01.02.2019
Ausbildung in Open Source
(Quelle: Crisp Research "Open Stack als Basis für offene Cloud-Architekturen" (2016 ), n = 380 )
Abgesehen vom Bereich Entwickeln zeigt der mittlerweile umfassende Einsatz von Open Source, dass die Berührungsängste der Unternehmen mit quelloffener Software im Großen und Ganzen verschwunden sind. Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten bergen jedoch neue Herausforderungen.
So kann das Lizenz-Management zu einem ernsthaften Problem werden, insbesondere dann, wenn es sich um die Nutzung von Open-Source- Komponenten in unternehmenseigenen Produkten handelt. Zwar räumen die meisten Open-Source-Lizenzen weitgehende Nutzungsrechte ein, enthalten aber auch konkrete Bedingungen und Vorgaben, die bei dem Einsatz der jeweiligen Lösung streng eingehalten werden müssen. „So muss beispielsweise der Quellcode einer Software, in der eine Open-Source-Komponente mit dem sogenannten Copyleft-Effekt verbaut wird, zur freien Weitergabe offengelegt werden“, erläutert Jürgen Schüssler. Als Copyleft bezeichnet man eine Klausel in Nutzungslizenzen, die den Lizenznehmer verpflichtet, jede Bearbeitung des Werks unter die Lizenz des ursprünglichen Werks zu stellen.
Viele Unternehmen, insbesondere im B2B-Bereich, halten sich jedoch nicht an solche Pflichten, wie Dirk Riehle beobachtet. Dafür fehlten ihnen häufig schlicht Kompetenz und Governance-Prozesse: „Das ist eine Lernkurve und viele Unternehmen haben das Lernen einfach noch nicht begonnen“, erklärt sich das der Experte.
Dirk Riehle
Dr. Dirk Riehle
Professor für Open Source an der Universität Erlangen-Nürnberg
Foto: Riehle
„Das ist eine Lernkurve und viele Unternehmen haben das Lernen einfach noch nicht begonnen.“
Seine Beobachtung deckt sich mit den Ergebnissen einiger jüngster Studien. So hat zum Beispiel das Beratungsunternehmen PwC 2017 den Reifegrad des Open-Source-Software-Managements in Unternehmen untersucht und festgestellt, dass 84 Prozent der befragten Unternehmen keine Richtlinien und Regeln für Open Source vorweisen konnten.
Problematisch ist auch, dass das Fachwissen, wie Open Source rechtlich korrekt einzusetzen ist, nicht einfach irgendwo nachzulesen ist. Selbst die Unternehmen, die über das Wissen verfügen und dazu teilweise eigene interne Handbücher verfasst haben, geben es nicht weiter, wie Riehle feststellen musste: „Zu groß ist die Angst davor, dass sie selbst für die Fehler, die die externen Nutzer ihres Handbuchs machen können, zur Verantwortung gezogen werden.“
Ein weites Feld ist auch die Frage nach dem Schutz des geistigen Eigentums. Vielfach bleibt offen, wie weit weiterentwickelter Quellcode zurückgespielt werden kann, ohne dass jemand von außen Rückschlüsse daraus ziehen kann, wie das eigentliche Produkt funktioniert, stellt Björn Böttcher von Crisp Research fest. „Im deutschen Markt ist diese Angst jedoch merklich größer als anderswo, insbesondere im Maschinenbau, wo es um viele Patente geht, die dem internationalen Wettbewerb nicht in die Hände kommen dürfen“, so der Senior-Analyst weiter.
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