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Das Internet der Dinge treibt die Wirtschaft an

IoT-Sicherheitsaspekte und Bandbreitenprobleme

von - 05.05.2015
Bei seinem Experten-Round-up offenbar völlig außer Acht gelassen hat Gartner zweierlei. Da ist zum einen der Sicherheitsaspekt das IoT selbst betreffend und zum anderen das Bandbreitenproblem.
Dass jedes vernetzte Ding über eine eigene IP-Adresse verfügt, eröffnet neue Funktionalitäten und Möglichkeiten, sorgt aber auch dafür, dass die Geräte zumindest theoretisch für jeden Internetteilnehmer erreichbar sind, Hacker und Kriminelle eingeschlossen. Fortgeschrittene Authentifikationsverfahren und Firewalls sollen das verhindern, doch die Erfahrung lehrt, dass Sicherheitslücken in nahezu jedem System auftreten können. Muss man also in Zukunft damit rechnen, dass Cybergangster ganze Produktionsstraßen in Geiselhaft nehmen?
Das unabhängige Institut AV-Test hat im letzten Jahr erstmals die auf dem deutschen Markt erhältlichen Smart-Home-Kits, die eine ähnlich gelagerte Problematik aufweisen, auf Schwachstellen untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass von sieben untersuchten Systemen vier nach Meinung der Tester ungenügend abgesichert waren. Vor allem ein teilweiser Verzicht auf verschlüsselte Kommunikationsvorgänge erregte den Unmut der Experten. Nebenbei wird hier die angestrebte dezentrale Natur des IoT zu einer zusätzlichen Falle: Hat ein Angreifer erst einmal erfolgreich einen Trojaner platziert, ist dieser nur sehr schwer aufzuspüren, weil er sich nicht unbedingt auf einem Server einnisten muss, sondern sich etwa auch im Speicher eines Rauchmelders verstecken kann.
Auch die Automation selbst wird bei einem solchen Angriff zum Bumerang. Im Fall der Smart-Home-Systeme könnte ein potenzieller Einbrecher beispielsweise die gespeicherten An- und Abschaltpläne der verbundenen Geräte analysieren und sich so ein recht genaues Bild davon machen, wann die Wohnungsbesitzer zu Hause sind und wann nicht.
Die zweite möglicherweise unterschätzte Herausforderung liegt in der schieren anzahl an vernetzten Geräten, die das IoT bilden sollen. 25 Milliarden Dinge, die unterei­nander oder mit ihren Besitzern und Anwendern kommunizieren, Sensordaten übertragen oder Firmware-Updates abrufen – das ist eine Menge, die sich der Vorstellung beinahe entzieht. Zwar ist das Problem der verfügbaren IP-Adressen mit der Einführung von IPv6 gelöst, das ändert aber nichts an der gewaltigen Bandbreite, die das Netz für diese Menge an Teilnehmern zur Verfügung stellen muss.
Simon Segars, CEO von ARM, wies anlässlich der ARM TechCon bereits vor zwei Jahren darauf hin, dass die Weiterentwicklung des Internets, die Erhöhung seiner Bandbreite und die Reduzierung der gegebenen Latenzzeiten unabdingbare Voraussetzungen für das Internet der Dinge seien. „Das IoT bietet großartige Aussichten“, so Segars weiter, „aber es wird eine Menge Sachverstand aus allen möglichen Diszi­plinen vereinen müssen, um den Schritt in die Realität zu schaffen. Es geht nicht um Sensoren. Es geht nicht um Netzwerke. Es ist kein Analyseproblem. Es ist vielmehr all das kombiniert.“
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