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Trotz Aufwand und Kosten

5G startet allmählich durch

von - 13.04.2018
5G Mobilfunk
Foto: Mathias Vietmeier
Während die 5G-Technologie eine Revolution auf dem Mobilfunkmarkt verspricht, sind in weiten Teilen Europas gerade einmal 3G-Netze verfügbar. Bis sich der neue Standard etabliert, könnten noch einige Jahre vergehen.
Was schon seit Jahren angekündigt wird, scheint nun allmählich Wirklichkeit zu werden: das mobile Netzwerk 5G. Das zumindest war der Eindruck, den man auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona, gewinnen konnte. Oder besser: musste, nimmt man die Präsentationen der Hersteller und Netzbetreiber als Maßstab. Eine Positivmeldung in Sachen 5G jagte die andere. Noch in diesem Jahr soll es die ersten Probenetzwerke geben, etwa in den spanischen Städten Barce­lona und Segovia – mit freundlicher Unterstützung der Europäischen Union, die für solche Technologieprojekte Fördergelder zur Verfügung stellt, weil sie sich positive Effekte für die Ökonomie davon verspricht.

Wunsch und Wirklichkeit

Vorschusslorbeeren erntet 5G schon seit Langem. Fakt aber ist, dass wir heute vielerorts noch mehrheitlich im Zeitalter von 3G verharren – oder bestenfalls bei 4G, in Europa gern LTE (Long Term Evolution) genannt, angekommen sind. Ein Report der Branchenvereinigung GSMA geht davon aus, dass der Anteil von 5G an den weltweiten Mobilfunkverbindungen dieses Jahr auf 14 Prozent steigen könnte, vorausgesetzt es kommt zu den angekündigten ersten kommerziellen 5G-Netzen. Zum Vergleich: Für 4G sagt die GSMA ein Wachstum von 29 Prozent 2017 auf 53 Prozent bis 2025 voraus. 
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Mobilfunk-Evolution :

5G auf dem Mobile World Congress 2018

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Warum geht es so langsam voran mit den schnelleren mobilen 5G-Netzen? Noch wird an den Standards gearbeitet, die für die nächste Generation der Chips in den Smartphones und bei den Netzwerkarchitekturen gelten sollen. Darauf müssen sich Gerätehersteller, Telekom-Gesellschaften und Netzwerkbetreiber einigen. Erste Resultate bei den Chips sollen von dem Gremium 3GPP bereits verabschiedet worden sein, war auf dem MWC zu vernehmen. Das 3rd Generation Partnership Project (3GPP) vereinigt sieben Organisationen (ARIB, ATIS, CCSA, ETSI, TSDSI, TTA, TTC), die sich um die nötigen Standardisierungen im mobilen Telekommunikationsbereich kümmern.
In einem nächsten Schritt müssen die Netzwerke angepasst (einfaches 5G) oder komplett neu installiert (modernes 5G) werden. Viele Experten bezweifeln, dass Carrier und Telekom-Gesellschaften nach der teuren Investitionswelle bei 4G bereits willens dazu sind. In ihrem Bericht „The road to 5G: The inevitable growth of infrastructure cost“ vom Februar 2018 weisen die Consultants von McKinsey darauf hin, dass sich die Netzwerkkosten verdoppeln werden, wenn es zur Einführung von 5G kommt: „Jede neue Technologiegeneration eröffnet den Playern im Telekommunikations-Business neue Gewinnchancen. Aber als 4G im Jahr 2009 herauskam, haben die Mobilbetreiber nicht die großen Gewinne gesehen, die sie bei früheren Generationen eingefahren hatten. Trotz ihrer Investitionen in die 4G-Infrastruktur blieben die Umsätze bescheiden. In einigen Regionen, darunter Europa und Lateinamerika, gingen die Umsätze nach der Einführung von 4G sogar zurück.“
Der schwarze Peter liegt – da waren sich viele Aussteller in Barcelona einig – bei den Konsumenten. Sie müssten endlich begreifen, dass sie noch schnellere Anwendungen für ihre mobilen Geräte brauchen – Video-Streaming und superschnelle Spiele oder IoT-Apps für Wohnung oder Auto. Und das alles darf auch ruhig etwas mehr kosten. Geht es nach der Industrie, sollten die Smartphones noch mehr zum tagtäglichen Begleiter von Jung und Alt werden.
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