Junge Player mit neuen Konzepten

Das schwierige Unterfangen Online-Lebensmittelhandel

von - 12.12.2018
Lebensmittel online bestellen
Foto: Stock-Asso / shutterstock.com
Supermarktketten lassen das Potenzial des Online-Lebensmittelhandels eher brachliegen. Einige Start-ups versuchen jedoch, den Durchbruch zu schaffen.
Lieferzeiten von Getnow
Quelle: Getnow
Der Online-Anteil des Handels mit frischen Lebensmitteln in Deutschland ist mit etwa einem Prozent verschwindend gering. Daran konnte auch der Launch von Amazon Fresh nichts ändern.
Nicht nur Amazon, auch Edeka, Lidl und Rewe haben sich der ambitionierten Aufgabe des Online-
Handels mit Lebensmitteln angenommen. Viele Kunden konnten sie aber bisher nicht von ihren Konzepten überzeugen. Amazon legt daher bei dem Ausbau seiner Lebensmitteldienste bisher ein eher geruhsames Tempo vor. Bei Rewe stagniert die Zahl der von seinem Lieferservice abgedeckten Regionen bei 75. Edeka beschränkt sich mit dem Lieferdienst Bringmeister auf Berlin und München. Lidl kündigte für 2018 den großen Durchbruch an. Doch der blieb aus. Der Discounter bietet nur noch Wein und Spirituosen im Segment Lebensmittel im Internet an.
Da verwundert es nicht, dass Deutschland im Ranking der Länder im E-Commerce für Lebensmittel und Getränke 2017 mit einem Umsatz von rund 1,13 Milliarden Euro gerade einmal auf dem fünften Platz rangiert. Zu diesem Ergebnis kommt der Digital Market Outlook von Statista.

Neue Geschäftsmodelle

Umsätze bei Online-Lebensmitteln
Deutschland auf Rang fünf: Vor allem in China und in den USA boomt der Online-Markt für Lebensmittel.
(Quelle: Statista DMO (Oktober 2017 )
Mehr Schwung in die Branche in Deutschland wollen nun junge Player wie Getnow, Feneberg und der niederländische Player Picnic bringen. Getnow beispielsweise hat sich das Ziel gesetzt, Lebensmittel dem Kunden innerhalb von 90 Minuten zu liefern. Das Ganze ist nur mit Hilfe von Partnern wie der Metro AG möglich. „Aus unserer Sicht bringt die Partnerschaft mit Metro ausschließlich Vorteile. Getnow hat die Möglichkeit, auf ein Sortiment von mehr als 50.000 Artikeln zuzugreifen“, sagt Dominik Reinartz, CEO von Getnow. Das Konzept scheint aufzugehen: Im Juli wurde bekannt, dass Getnow seine Liefergebiete in Berlin und München aufgrund steigender Nachfrage erweitert. Zudem bietet der Online-Supermarkt die Möglichkeit an, den Einkauf an einer Quartiersbox im Münchner Stadtteil Neuaubing-Westkreuz abzuholen.
Mit der Lieferung zur Quartiersbox stellt Getnow somit eine weitere Lieferoption zur Verfügung. Die Quartiersbox hat verschiedene Kühlzonen, sodass auch gekühlte und tiefgekühlte Lebensmittel problemlos gelagert werden können.
Mitbewerber Picnic verfolgt einen anderen Ansatz für die Zustellung frischer Lebensmittel aus dem Netz. Dabei galt es zu Beginn, die drei größten Hemmnisse für einen Kauf von Lebensmitteln im Web zu überwinden. Diese sind laut Frederic Knaudt, Co-Founder und CEO Germany von Picnic, der zu hohe Preis, die Wartezeit sowie umständliche Bestellprozesse. „Mit der Gratislieferung, minutengenauen Zustellungen und der kinderleichten App gibt es bei uns für den Kunden keine Hürden mehr“, sagt Knaudt. Um das zu gewährleisten, könne man auf die Erfahrungen von Picnic in den Niederlanden zurückgreifen, wo das Unternehmen bereits in 55 Städten rund 175.000 Kunden beliefert.
Frederic Knaudt
Frederic Knaudt
Co-Founder und CEO Germany von Picnic
„Start-ups haben den Vorteil, dass sie frei denken können.“
Im Gegensatz zu Rewe, Amazon Fresh oder Bringmeister liefert Picnic nicht zum Wunschtermin, sondern hat fest vorgegebene Lieferrouten. Dafür ist die Zustellung kostenlos. Das Lieferfenster ist zunächst auf eine Stunde begrenzt, im Lauf des Tages wird es immer konkreter bis hin zu einem Zeitfenster von 20 Minuten. Zusätzlich lässt sich der Fahrer in der App tracken. Das bietet dem Kunden die Möglichkeit, genau zu verfolgen, wo sich der Lieferant befindet, und schafft Vertrauen. „So können Kunden sicher wissen, in welchem 20-minütigen Zeitfenster ihre Lieferung ankommt. Da Picnic keine eigenen Supermärkte betreibt, müssen wir auch kein Geld für Mieten oder für Übermengen an beschaffenen Produkten ausgeben. Wir beschaffen Lebensmittel immer nur in den Mengen, in denen sie von Kunden am Vortag auch bestellt wurden“, so der Deutschlandchef des holländischen Unternehmens.
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