Wenn das Management die Digitalisierung bremst

Unterstützung von außen

von - 16.11.2017
Wenn diese Voraussetzungen nicht oder nur bedingt erfüllt sind, dann kann die Einbeziehung von externen Experten den entscheidenden Impuls geben. „Nicht selten zählt der Prophet im eigenen Lande nicht“, erklärt Alexander Buschek. Deshalb rät er den IT-Entscheidern, beispielsweise einen Workshop mit einem Beratungsunternehmen zu veranstalten, das einerseits über eine gute Reputation beim Vorstand verfügt und andererseits tatsächlich auch verstanden hat, was digitale Transformation bedeutet.
Jörg Kasten stimmt dem zu: „Um den Anschluss nicht zu verlieren und aktuellste Erkenntnisse in Überlegungen des Vorstands einfließen zu lassen, sollte man sich auf jeden Fall externe Experten und Berater mit ins Boot holen. Es ist für Entscheider in der Regel am besten nachzuvollziehen und glaubwürdiger, wenn ein solch fundamentaler Schritt wie ein Digitalprojekt von außen präsentiert wird.“
Auch Michael Piekarzewitz von Weidmüller ist davon überzeugt, dass die Digitalisierung gelebt werden muss: „Deshalb veranstalten wir intensive Schulungen, in denen wir internes Know-how mit externen Fachleuten anreichern. Diese Schulungen werden wir kontinuierlich ausbauen.“

Experimente wagen

Einige Experten weisen auf die Bedeutung von Proof-of-Concept-Projekten, Pilotprojekten oder sogenannten Minimum Viable Products (MVPs) hin. „Solche Projekte können dazu geeignet sein, die Vorstellungskraft beim Vorstand zu wecken“, sagt Alexander Buschek. Dabei sollte ein MVP-Projekt seiner Meinung nach so gewählt werden, dass es sich um eine echte Innovation und nicht bloß um eine 10-prozentige Effizienzsteigerung handelt – „etwas ganz Neues, das nach fünfzehn Minuten anschließendem Brainstorming mit dem Vorstand komplett neue Welten aufzeigt“.
Tom Fowler
Tom Fowler
Präsident von
Polar Electro Oy
Foto: Polar Electro Oy
„Manche Vorstände haben nie eine persön­liche Erfahrung mit den disruptiven Technologien gemacht. Das Unbekannte macht Angst, und das, was Angst macht, wird kurzerhand abgelehnt.“
Tom Fowler zufolge verringern solche Projekte die Risikowahrnehmung und außerdem hätten die Vorstände mehr Vertrauen in die Ergebnisse als in die Meinung des Managements. „Nichts sorgt für mehr Erfolg als Erfolg“, bestätigt Dan Miklovic. „Kleine Projekte, die sozusagen auf eigene Faust oder nebenbei entstanden sind, können überdimensionale Ergebnisse liefern, die jeden Vorstand wachrütteln.“ Deshalb empfiehlt der LNS-Experte, dem Vorstand zu präsentieren, was allein mit den vorhandenen Technologien geschafft werden kann, und so die unentschlossenen Vorstandsmitglieder für sich zu gewinnen.
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