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Software-Anbieter rollen den Cloud-Markt auf

Die Business-Logik entscheidet

von - 21.11.2017
Umsatz von SAP mit dem Cloudgeschäft in 2016
Quelle: SAP
Angesichts der Marktmacht und des Funktionsangebots von AWS, Azure & Co. stellt sich die Frage, warum Anwender auf die Business-Plattformen der Software-Anbieter setzen sollten. Diese Frage ist selbst für Bestandskunden nicht so einfach zu beantworten, die doch eigentlich am stärksten profitieren könnten, da die Software-Hersteller ihre On-Premise- und Cloud-Produkte eng verzahnen und komfortable Kombinations- und Migrationswege bieten.
Ein Grund sind häufig die Lizenzmodelle der Hersteller, sagt Crisp-Analyst Velten: „Wenn ich als Kunde Lizenzen besitze, die bereits abgeschrieben oder die im Rahmen von Serviceverträgen noch mehrere Jahre gültig sind, dann kommt mich der Eigenbetrieb auf womöglich ebenfalls bereits abgeschriebener Hardware unter Umständen günstiger als die Migration auf das Cloud-Modell.“ Daher sei die Entscheidung oft für Neukunden sogar einfacher, so Velten weiter.
Ob die Wahl auf eine der Business-Plattformen aus dem Software-Bereich fällt, hängt nach Ansicht von Velten auch davon ab, in welchem Ausmaß Anwender Geschäftsprozesse selbst definieren und implementieren wollen und können: „Viele Unternehmen fragen sich, wie viel vorgefertigte Business-Logik sie brauchen.“ Anbieter wie Oracle, Salesforce, Sage oder SAP stellen hier deutlich mehr Funktionsumfang zur Verfügung als AWS, Azure oder die Google Cloud Platform. „Unternehmen, die vornehmlich in bestehenden und vordefinierten Geschäftsprozessen denken, finden sich deshalb auf diesen Plattformen eher wieder“, sagt Velten.
Im Wesentlichen gehe es um einen Wettkampf um die Fachabteilungen, ergänzt Heiko Henkes von ISG: „Die Entscheiderstrukturen haben sich stark verändert, seit die Fachabteilungen mit eigenen IT-Budgets ausgestattet werden.“ Die breite Masse der heute für die Beschaffung Verantwortlichen könne mit Infrastructure as a Service nichts anfangen, sondern benötige eine voll gemanagte Lösung, so Henkes weiter. „In dieser Hinsicht sind die Software-Anbieter im Vorteil, weil sie businessnäher agieren als die Infrastruktur-Hyperscaler.“
Crisp-Analyst Velten rät, bei der Auswahl vor allem auf die Lizenzbedingungen zu achten: „Gerade im IoT-Umfeld können sonst sehr hohe Kosten entstehen, wenn plötzlich Lizenzen für 80.000 Endgeräte fällig werden.“ Ebenso wichtig sei die Frage, wie abhängig man sich von einem Provider macht: „Man kann meist seine Daten sehr leicht auf eine Plattform migrieren, bekommt sie aber nur sehr schwer wieder he­raus.“ Deshalb sollten sich die Anwender sehr genau die Dokumentation der Schnittstellen ansehen und abschätzen, welches Risiko sie eingehen. Dabei spielt vor allem die Menge der Daten und die Geschwindigkeit eine Rolle, mit der sie erzeugt und gespeichert werden. „Bei 20.000 Abfragen pro Tag ist ein Provider-Wechsel sicher kein Problem – das sieht bei einer E-Commerce-Plattform mit 50.000 Abfragen in der Stunde schon ganz anders aus.“
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