Vom Kistenschieber zum Cloud-Service-Provider

Chance und Pflicht

von - 01.12.2017
Viele IT-Systemhäuser und Systemintegratoren stehen unter starkem Wettbewerbsdruck. „Sie kämpfen mit sinkender Nachfrage im Kerngeschäft, müssen einen Umsatzrückgang in Kauf nehmen und können sich gerade noch so über Wasser halten. Ursachen dieser Systemhaus-Krise sind meist mangelndes Cloud-Know-how, der klassische Achtstunden-Arbeitstag des Supports von 9 bis 17 Uhr sowie Tätigkeiten mit Projektcharakter, sprich einem definierten Anfangs- und Endzeitpunkt“, erklärt Anna-Lena Schwalm, Junior Analystin bei Crisp Research und Co-Autorin des Strategiepapiers „Systemhaus 4.0: Systemhäuser und Systemintegratoren im digitalen Wandel“.
Anna-Lena Schwalm
Anna-Lena Schwalm
Junior Analystin bei Crisp Research
Foto: Crisp Research
„Systemhäuser leisten mit Hilfe von Cloud-Architekten einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung, der vielen Unternehmen bis zu 30 Prozent höhere Tagessätze wert ist.“
Sie rät den Systemhäusern daher, ihr „altes“ Kerngeschäft, den Verkauf und die Implementierung von Systeminfrastrukturen und Software-Lösungen, um den Aufbau, Betrieb und das Management von Cloud-Infrastrukturen zu erweitern. „Die Voraussetzungen sind gut. Denn IT-Systemhäuser sind in der Regel nicht nur geografisch eng am Kunden dran, sondern stehen insbesondere beim Mittelstand als Ansprechpartner mit IT-Know-how hoch im Kurs. Auch der Zugang zu IT- und Technologie- sowie zu vielen Cloud-Anbietern ist bereits vorhanden und lässt sich vergleichsweise einfach auf ein neues Partnerschaftsniveau heben“, so Schwalm weiter.
Auch PAC-Analyst Michael Sailer rät insbesondere den kleinen und mittelgroßen Systemhäusern, „schon heute damit zu beginnen, ihr Cloud-Know-how schrittweise aufzubauen und sich als Cloud-Service-Provider zu positionieren. So geraten sie nicht in Zugzwang, wenn die Nachfrage auf Kundenseite merklich anziehen wird.“ Denn momentan sei der Druck auf Systemhäuser mit Kunden aus kleineren bis mittleren Unternehmen noch nicht groß genug, um tatsächlich ihr Geschäftsmodell auf den Prüfstand zu stellen, so
Sailer. „Dies wird sich langfristig aber ändern, denn wir können davon ausgehen, dass das Thema Cloud auch für deren Kunden relevant wird. Ein schrittweiser Umstieg des Umsatz- und Geschäftsmodells ist empfehlenswert, da anfängliche Umsatzeinbußen durch On-Premise-Einnahmen aufgefangen werden können.“

Veränderungen durch die Cloud

IT-Systemhaus / Systemintegrator

Managed-Public-Cloud-Provider

Projektgeschäft

Geschäftsprozesse

9 to 5

24/7

lokales Rechenzentrum (Kunden, Systemhaus)

globale Rechenzentrums-Plattform

manuelle Administration

Infrastructure as Code

Tagessätze unter Druck

hohe Nachfrage nach Experten, hohe Tagessätze

Hardware- und Software-Umsatz einmalig

Service-Umsätze kontinuierlich

Die Unterschiede zwischen klassischen Systemhäusern und Systemhäusern als Cloud-Provider sind enorm.
Quelle: Crisp Research
Verwandte Themen