Die Cloud-Hyperscaler AWS, Microsoft und Google

Den richtigen Provider wählen

von - 19.09.2017
Der Preis spielt nach Erfahrungen des Crisp-Analysten bei der Wahl des Cloud-Providers aber auch nur eine untergeordnete Rolle. „Die Entscheidung für oder gegen einen Anbieter wird meist aus strategischen, weniger aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus getroffen.“ Vor allem Microsoft mit seinen leicht höheren Preisen profitiere derzeit davon, dass die Kunden vor allem in der Einstiegsphase nicht so sehr auf die Kosten schauten. „Das wird sich in den kommenden Jahren mit zunehmender Nutzung aber ändern“, ist sich Velten sicher.
Jörn Steege empfiehlt, die Provider-Wahl vom konkreten Anwendungsfall abhängig zu machen, statt lange Kriterienkataloge aufzusetzen. Häufig spielten auch die Erfahrungen eine große Rolle, die der Kunde bereits mit den Providern gemacht habe. „Hier hat Microsoft mit seiner großen installierten Basis einen klaren Vorteil.“
Wie auch immer die Entscheidung ausfällt: Wer Public-Cloud-Ressourcen optimal nutzen will, braucht sehr viel Wissen über die Architektur des jeweiligen Anbieters. Das Analystenhaus Gartner empfiehlt deshalb, sich auf einen Haupt-Provider festzulegen und dessen Dienste nach Bedarf um Services der Wettbewerber zu ergänzen, auch um einen totalen Vendor-Lock-in zu verhindern. „Viele Unternehmen setzen auf eine Mischung aus unterschiedlichen Clouds, um deren spezifische Stärken nutzen zu können“, sagt Alex Fürst von Rackspace.
Andreas Weiss
Andreas Weiss
Direktor EuroCloud_eco
Foto: EuroCloud
„Aus Aspekte wie Datenschutz und Compliance, allgemeine Rechtsvorschriften sowie die Wahrung der Betriebs­geheimnisse (...) müssen beachtet werden“
Auch Jörn Steege beobachtet diesen Trend zur Multi-Cloud: „Die meisten Kunden wollen sich nicht mit einem einzigen Cloud-Provider verheiraten, sondern suchen für eine bestimmte Aufgabe die beste Lösung.“
Andreas Weiss, Direktor EuroCloud Deutschland_eco, wiederum warnt davor, die Entscheidung dabei nur unter IT-Gesichtspunkten zu fällen: „Die Konsequenzen sind viel weitreichender, denn auch Aspekte wie Datenschutz und Compliance, allgemeine Rechtsvorschriften sowie die Wahrung der Betriebsgeheimnisse müssen (…) beachtet werden.“ Hilfestellung biete beispielsweise das Informationsportal Trusted Cloud, so Weiss weiter. „Hier ist auch eine Checkliste zur Bewertung von Cloud-Anbietern verfügbar.“

Fazit

Zumindest im deutschen Enterprise-Markt machen derzeit AWS und Microsoft Azure klar das Rennen. Beide arbeiten mit Hochdruck an ihren Defiziten und nähern sich in puncto Funktionsangebot, aber auch, was den Marktzugang angeht, allmählich immer mehr an. Diese Entwicklung bedeutet allerdings bei Weitem nicht, dass sich Services zwischen den verschiedenen Providern austauschen oder Workloads einfach hin und her schieben ließen – im Gegenteil: Nach wie vor machen es fehlende Standards, unterschiedliche Bereitstellungsmodelle und Preisstrukturen nahezu unmöglich, Cloud-Dienste sinnvoll zu vergleichen oder gar schnell von einem Anbieter zum anderen zu wechseln – nicht zuletzt auch deshalb, weil oft große Mengen von Daten in der Cloud lagern, die nur mit hohem Aufwand und signifikanten Kosten wieder herauszubekommen sind.
Der Weg in die Multi-Cloud geht deshalb oft über einen Mittler wie Axians, DARZ oder Rackspace, die mit mehreren Providern zusammenarbeiten und so die Kombination erleichtern. Wer allerdings Höchstleistung aus der Cloud he­rausholen und Konzepte wie Serverless Computing umsetzen will, wird wohl nicht darum herumkommen, sich zumindest in Teilbereichen sehr stark an einen Provider zu binden und seine Applikationen eng an dessen Services entlang zu entwickeln.

Hersteller / Produkt

Amazon Web Services / AWS

Microsoft / Microsoft Azure

Google / Google Cloud Platform

Abrechnungsintervall:
Minute / Stunde / Monat / Sonstiges

● / ● / ● / ● 2)

● / ● / ● / ● 3)

● / ● / ● / ○

Bereitstellungsmodell:
Private / Public / Hybrid / On-Premise

○ / ● / ● / ○ 4)

○ / ● / ● / ●

○ / ● / ○ / ○

Sonstige Bereitstellungsmodelle

Microsoft Azure Deutschland

RZ-Standorte: Nordamerika /
Südamerika / Asien / Afrika

● / ● / ● / ○

● / ● / ● / ● 5)

● / ● / ● / ○

Rechenzentren in Europa
(außer Deutschland)

Rechenzentren in Deutschland

○ 6)

Zahl der Rechenzentren bzw. Zonen:
Nordamerika / Europa / Deutschland

19 / 5 / 3 7)

13 / 6 / 2

13 / 6 / 0 8)

Zertifizierungen I:
C5 
9)/ Cloud Privacy Check (CPC) / Certified Cloud Service / EuroCloud Star Audit
(ECSA) / EuroCloud Deutschland (ECDC)

● / ○ / ○ / ○ / ○

● / ○ / ○ / ○ / ○

○ / ○ / ○ / ○ / ○

Zertifizierungen II:
ISO 14001 / ISO-EC 27001 / 27017 / 27018

○ / ● / ● / ●

○ / ● / ● / ●

○ / ● / ● / ●

Lösungen I:
IaaS / PaaS / E-Commerce / CRM / ERP

● / ● / ○ / ○ / ○ 10)

● / ● / ● / ● / ●

● / ● / ○ / ○ / ○

Lösungen II:
Big Data / KI und ML / Marketing / IoT

● / ● / ● / ●

● / ● / ● / ●

● / ● / ○ / ●

Datenbanken: MySQL /PostgreSQL /
Microsoft SQL Server / MongoDB

● / ● / ● / ○ 11)

● / ● / ● / ●

● / ● / ○ / ○ 12)

Storage: Block / File / Object / Data Lake

● / ● / ● / ●

● / ● / ● / ●

● / ● / ● / ○

Management-Services:
Monitoring / automatische Skalierung /
Load Balancing / Datensicherung /
Archivierung / Netzwerk (DNS, VPN)

● / ● / ● / ● / ● / ●

● / ● / ● / ● / ● / ●

● / ● / ● / ● / ● / ●

Integrierter Marktplatz / Anzahl Apps

● / mehr als 3800

● / 4067

● / mehr als 160

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300 Dollar für 12 Monate

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